Die Zukunftsmacher

TOP AZUBIS in der Chemie-Industrie: Junge Talente mit Ideen und Engagement

Der Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg hat drei „TOP AZUBIS“ ausgezeichnet. Sie bringen nicht nur gute Leistungen, sondern setzen sich nebenbei auch für andere ein. aktiv hat sie getroffen und stellt sie vor.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Elisabetta Riggio macht ihre Ausbildung beim Klebstoff-Spezialisten Uhu in Bühl und setzt sich ehrenamtlich für andere ein, zum Beispiel in ihrer Kirchengemeinde.
  • Kilian Brockmann von Sika begeistert im Unternehmen Schüler für Technik und organisiert praktische Einblicke in seinen Beruf.
  • Samuel Knöbel, Auszubildender bei Evonik in Rheinfelden, kümmert sich um Angebote zur Berufsorientierung für Jugendliche und verbringt seine Freizeit mit Leistungssport und Abendschule.

Wer gestaltet die Zukunft der Chemie-Industrie? Es sind Menschen mit Neugier, Ideen und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen. Drei von ihnen stellen wir hier vor: die „TOP AZUBIS“ des Jahres 2026, die der Arbeitgeberverband Chemie Baden-Württemberg ausgezeichnet hat. Die „TOP AZUBIS“ gibt es schon seit dem Jahr 2011. In 15 Jahren wurden bislang 59 junge Leute ausgezeichnet. Fast alle arbeiten übrigens auch heute noch in der Chemie- und Pharmabranche!

Die Unternehmen brauchen Nachwuchskräfte wie sie, um zukunftsfähig zu bleiben. Björn Sucher, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg, sagt: „Mit der Auszeichnung möchten wir junge Menschen würdigen, die sich in ihrer Ausbildung besonders einbringen und sich über das Betriebliche hinaus engagieren.“

Elisabetta Riggio, Auszubildende zur Chemielaborantin bei Uhu in Bühl

Warum Elisabetta Riggio sich den Beruf Chemielaborantin ausgesucht hat? „Weil ich gerne an innovativen Entwicklungen mitarbeiten möchte.“ Ihr Ausbildungsbetrieb Uhu in Bühl entwickelt und produziert Klebstoffe für Industrie, Haushalt, Schule und Handwerk. „Umweltschutz und Energieeffizienz sind bei uns sehr wichtige Themen, zu denen hier einige große Projekte laufen“, erzählt sie.

Die 19-Jährige war schon in der Schule hoch motiviert und engagiert – sie half zum Beispiel als Schulsanitäterin und unterstützte ältere Menschen im Umgang mit Smartphones, Tablets und Computern.

Ihr eigener Weg war steinig: Schon mit zwölf Jahren war die gebürtige Italienierin Vollwaise, musste sich durchkämpfen und sich alles selbst erarbeiten.

Ihre Erfahrungen haben sie sicherlich auch motiviert, anderen zu helfen, wo immer sie kann: Zum Beispiel arbeitet sie jeden Monat mindestens 30 Stunden ehrenamtlich in ihrer christlichen Glaubensgemeinschaft.

Bei Uhu ist sie jetzt schon im dritten Ausbildungsjahr und übernimmt gerne freiwillig Zusatzaufgaben. Sie ist zum Beispiel Ersthelferin und will sich darüber hinaus künftig noch stärker für neue Azubis einsetzen und ihnen Mut machen, selbstständig zu werden.

Was es aus ihrer Sicht braucht, damit junge Menschen sich in der Firma wohlfühlen und einbringen, beschreibt sie so: „Man muss mit den Ausbildern auf Augenhöhe reden können, wie es bei uns im Unternehmen ist. Dann trauen wir jungen Leute uns, unsere Ideen und Meinungen einzubringen.“

Das Unternehmen Uhu ist Spezialist für Klebstoffe. Fast jeder kennt den gelben Kleber Uhu, ob aus Hobby, Schule, Haushalt oder Beruf.

Ein großer Teil der Uhu-Produkte wird am Stammsitz in Bühl (Baden) hergestellt – dort, wo die Marke im Jahr 1932 ihren Ursprung nahm.

So fing alles an: Der Apotheker August Fischer erfand damals den ersten gebrauchsfertigen, glasklaren Kunstharz-Klebstoff der Welt. Heute hat das Unternehmen ein umfangreiches Programm an Klebstoffen für die verschiedensten Materialien – vom Bastelkleber über den Sekundenkleber bis zu Industrie-Epoxidharzen.

Menschen & Betriebe

Samuel Knöbel, Auszubildender zum Industriemechaniker bei Evonik in Rheinfelden

„Die Chemie-Industrie ist in unserer Region am Rhein sehr zukunftssicher“, sagt Samuel Knöbel, „und die tariflichen Arbeitsbedingungen sind super.“ Deshalb hat er sich für eine Ausbildung in der Branche entschieden. „Ich bin im Unternehmen vor allem im Bereich Instandhaltung im Einsatz“, erzählt er. „Da wir sehr viele verschiedene Anlagen haben, ist das sehr abwechslungsreich.“

Dem 18-Jährigen gefällt besonders, dass er bei Evonik die Zukunft mitgestalten kann. Zum Beispiel mit Klimaschutz-Projekten.

Er entwickelte in seiner Ausbildung eine Lösung, wie Container mit Essensautomaten durch gezielte Bepflanzung gekühlt werden können. Und als geschulter Ausbildungsbotschafter besucht er Schulen und hilft dort Jugendlichen bei der Berufsorientierung.

Am Feierabend trainiert Samuel übrigens viermal pro Woche als Leistungsfußballer beim FC Concordia Basel. Und zweimal pro Woche besucht er auch noch die Abendschule: um die Fachhochschulreife zu machen. Trotzdem ist er auch oft noch als freiwilliger Helfer bei der Weinlese zur Stelle.

Zu viel wird ihm das alles nicht. „Wenn man ein Ziel hat, geht das“, sagt er. „Es gibt viele Aufstiegschancen und ich will mich auf jeden Fall immer weiterentwickeln.“

Evonik ist ein weltweit tätiges Chemieunternehmen und hat in Rheinfelden etwa 1.100 Beschäftigte. Das Werk-Areal erstreckt sich über rund 40 Hektar. Am Standort Rheinfelden stellt Evonik Produkte für unterschiedlichste Anwendungen her. Dazu zählen Isolierelemente für Kühlschränke, spritsparende Reifen, Bautenschutz und Lackierungen.

Evonik bietet maßgeschneiderte Produkte und Lösungen, die den Kunden den entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen und dadurch das Leben der Menschen verbessern.

Das Werk hat in Rheinfelden Tradition, es besteht schon seit über 125 Jahren.

Kilian Brockmann, Auszubildender zum Chemielaboranten bei Sika in Stuttgart

Damit unsere Welt immer klimafreundlicher und nachhaltiger wird, kann die Chemie-Industrie sehr viel beitragen, findet Kilian Brockmann (20). „Die Bauchemie ist außerdem auch eine sehr sichere Branche, weil sie immer gebraucht wird“, sagt er.

Deshalb fühlt er sich als angehender Chemielaborant bei Sika in Stuttgart, einem Unternehmen der Spezialitätenchemie, richtig aufgehoben.

Auch er ist im dritten Ausbildungsjahr und eines macht er neben seiner eigentlichen Ausbildung besonders gerne: „Anderen einen Einblick in meinen Beruf geben.“

So organisierte er zum Beispiel schon den Besuch einer Schulklasse im Labor und half bei der Planung des Girls’ Day mit: indem er zusammen mit Kollegen praktische Stationen und Experimente für die Besucherinnen entwickelte.

„Es macht mir Spaß, gemeinsam mit anderen etwas Neues aufzubauen“ 

Kilian Brockmann, angehender Chemielaborant

Auch privat liebt er es, sein technisches Wissen weiterzugeben. Schon als Schüler leitete er gleich mehrere Technik-AGs, Nachhilfekurse und andere Aktionen. Und während der Coronazeit baute er in seiner Kirchengemeinde mal eben ein vollständiges Streaming-System für die Gottesdienste auf, um sie online zu übertragen.

Warum er gern Leute für Technik begeistert? „Es ist schön, wenn ich sehe, dass jemand durch meine Unterstützung etwas Neues versteht, selbstständiger wird oder sich für ein Thema begeistert“, beschreibt er.

Und: „Es macht mir auch einfach Spaß, gemeinsam mit anderen etwas Neues aufzubauen und eigene Ideen umzusetzen.“

Sika ist ein Unternehmen der Spezialitätenchemie und entwickelt Systeme und Produkte zum Kleben, Dichten, Dämpfen, Verstärken und Schützen für die Bau- und Fertigungsindustrie. Zum Sortiment gehören zum Beispiel Betonzusatzmittel, Spezialmörtel und Dachabdichtungsbahnen.

Am Stuttgarter Standort von Sika Deutschland befinden sich die Hauptverwaltung, ein Forschungszentrum und eine Produktionsstätte.

Sika-Produkte stecken in vielen Bauwerken und Alltagsgegenständen – zum Beispiel in Dächern, Tunneln, Autos, Waschmaschinen und Windrädern. Das Forschungszentrum in Stuttgart ist eines von 16 Sika-Forschungszentren weltweit.

Ausbildung in Chemie und Pharma

Ob Labor, Produktion, Technik, IT oder Büro: Die Chemie- und Pharma-Industrie bietet mehr als 50 verschiedene Ausbildungsberufe. Dazu gehören zum Beispiel Chemielaborant, Chemikant, Pharmakant, Elektroniker für Automatisierungstechnik, Industriemechaniker, Fachinformatiker und Industriekaufmann. Hinzu kommen zahlreiche duale Studiengänge.

In Baden-Württemberg absolvieren in den Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg derzeit rund 3.500 junge Menschen eine duale Ausbildung oder ein duales Studium. Bundesweit liegt die Übernahmequote nach einer Ausbildung in der Chemie- und Pharma-Industrie bei rund 90 Prozent.

Barbara Auer

aktiv-Redakteurin

Barbara Auer berichtet aus der aktiv-Redaktion Baden-Württemberg vor allem über die Chemieindustrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara nicht für aktiv im Einsatz ist, streift sie am liebsten durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft.

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