Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Automobilzulieferersparte von Thyssenkrupp hat in Allershausen bei München ein neues Montagewerk in Betrieb genommen, in dem Achsen für BMW montiert werden.
- Der langjährige Thyssenkrupp-Mitarbeiter Jonny Weinholtz ist aus einem Leipziger Werk nach Bayern gewechselt und hat dadurch den Karriereschritt zum Schichtleiter gemacht.
- Beruflich bedeutet das nun mehr Verantwortung. Privat muss Weinholtz den Umzug mit seiner Frau und seinen drei Kindern organisieren.
Wohl jeder Mensch hat so seinen kleinen persönlichen Traum. Etwas, was er schon immer einmal machen oder erreichen wollte. Für Jonny Weinholtz (33) vom Automobilzulieferer Thyssenkrupp Automotive Technology, war es die Position des Schichtleiters – allein schon deshalb, weil in seiner Firma die Schichten immer nach ihrem Leiter benannt werden. „Schicht Weinholtz“, sagt er und grinst dabei, „das wollte ich immer schon mal lesen und hören.“
Weinholtz erfüllt sich nun seinen kleinen Traum – und kehrt dafür seiner sächsischen Heimat den Rücken. Er wird mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Bayern ziehen und in Allershausen, im neuen bayerischen Montagewerk von Thyssenkrupp, den nächsten Karriereschritt wagen.
Auch im Ausland schon Erfahrung gesammelt
An dem Standort nördlich von München werden Achsen für BMW montiert. Spatenstich für den Neubau war im August 2024, gut ein Jahr später wurden die ersten Achsen bereits ausgeliefert. Seitdem laufen die Prozesse langsam an, Personal und Montagelinien werden kontinuierlich aufgebaut.
Als Schichtleiter ist Weinholtz dabei mittendrin. Zwölf Jahre Erfahrung im Unternehmen bringt er mit. An ausländischen Standorten, etwa in Frankreich oder den USA, arbeitete er auch schon. Zuletzt montierte er als Teamleiter im Leipziger Thyssenkrupp-Werk Achsen im Auftrag von Porsche.
„Die letzten Monate waren für uns alle eine Achterbahn der Gefühle“
Jonny Weinholtz
Weinholtz wird nun zunächst einmal zum Wochenendpendler. Mittelfristig werden seine Frau und die drei Kinder im Alter von 14, 12 und 6 Jahren allerdings nachkommen. „Die letzten Monate waren für uns alle eine Achterbahn der Gefühle“, berichtet der Familienvater. Am Anfang sei der Gedanke an den Umzug noch leichtgefallen. „Aber je näher der Tag kommt, desto schwerer wird’s.“ Eine langjährige und enge Nachbarschaft sowie die komplette Verwandtschaft bleiben zurück. „Unsere Familie – das sind alles Leipziger“, erklärt Weinholtz.
Neue Position mit Personalverantwortung
Eine der größten privaten Herausforderungen wird nun die Suche nach einer Wohnung oder einem Häuschen für seine Familie. „Die Immobilienpreise im Münchner Umland sind im Vergleich zu Leipzig schon deutlich höher“, sagt er. „Da wird ein guter Teil des höheren Gehalts für draufgehen.“
Im Job werden auf ihn als Schichtleiter nun deutlich mehr Führungsaufgaben zukommen. Direkt an der Montagelinie wird er nur noch selten stehen. „Es gibt für mich viel zu koordinieren und zu entscheiden“, erzählt er. „Aber das liegt mir.“ Auch die Personalverantwortung ist neu. „Bisher konnte ich solche Dinge immer an den Chef abwälzen“, sagt er und lacht. „Aber der bin ich jetzt.“
Doch Weinholtz ist zuversichtlich, der neuen Aufgabe gewachsen zu sein. Seine Ausbildung zum Metallbauer hat er vor vielen Jahren in einem kleinen Schlossereibetrieb gemacht. „Da lernt man Mitdenken und Eigenständigkeit.“ Ein Teamplayer ist er trotzdem. „So richtig Spaß macht mir die Arbeit, wenn es bei uns mal knapp wird und dann alle als Team mitziehen.“ Knifflig kann es in modernen Produktionsabläufen mit ihren knappen Taktungen und Zeitfenstern nämlich immer mal werden. „Und wenn eine unserer Lieferungen ausbleibt, wird es teuer.“
M+E ist mein Ding: Nachgefragt bei Jonny Weinholtz
- Dafür stehe ich morgens auf: Es gibt immer viel zu koordinieren und zu entscheiden. Das liegt mir.
- Das mag ich an meinem Job: Man muss mitdenken und eigenständig arbeiten können und benötigt viel technisches Verständnis.
- Das ist bei uns echt gut: So richtig Spaß macht mir die Arbeit, wenn es bei uns mal zeitlich knapp wird und dann alle gemeinsam als Team mitziehen.
Bald werden 55 Achsen in der Stunde montiert
Der Serienanlauf für die hochautomatisierte Montage ist für diesen Sommer geplant. Auf rund 19.000 Quadratmetern werden dann bei Vollauslastung 250 Menschen arbeiten, etwa 100 in der Fertigung. Im Zweischichtbetrieb werden dann 55 Achsen die Stunde montiert.
Die genaue Reihenfolge, in der jede einzelne der Achsen montiert und geliefert werden soll, teilt der Kunde BMW eine Woche im Voraus mit. Die Vorlaufzeit zwischen der Montage in Allershausen und dem Einbau bei BMW in München beträgt nur rund fünf Stunden.
Vieles an den Achsen ist gleich – und trotzdem gibt es über 100 verschiedene Varianten. Federn, Dämpfer, Bremsscheiben, Bremssattel, Kühlschläuche: All das und mehr wird in Allershausen zu einem kompletten Achsensystem montiert. Da es um Achsen für E-Fahrzeuge geht, sind sogar Motoren integriert.
Das Unternehmen
- Thyssenkrupp Automotive Technology ist ein führender Systemanbieter der internationalen Automobil-Industrie.
- Zu den wichtigsten Geschäftsfeldern zählen Schlüsseltechnologien für die Bereiche Fahrwerk, Lenkung und Antrieb.
- Im Geschäftsjahr 2024/2025 beschäftigte das Unternehmen weltweit rund 28.900 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 7 Milliarden Euro.
Qualitätsprüfung hat bei Achsen Priorität
Zentral bei der Montage ist das Thema Sicherheit – die Qualitätsprüfung per Kamera ist voll automatisiert. „Menschen machen einfach mehr Fehler“, erklärt Peer Walzel, der Werkleiter und Chef von Weinholtz. Man müsse sich immer vorstellen, dass die eigene Familie mit einer Achse aus dem eigenen Werk fährt. „Wir bauen keine Waschmaschinen, sondern ein Produkt, bei dem jede Schraube sitzen muss.“
Berufliche Mobilität
Wegen des Jobs umziehen? Immerhin 44 Prozent der Beschäftigten können sich das vorstellen, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung EY. Nie war die Umzugsbereitschaft für eine neue Stelle seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 höher. 2017 zeigten gerade einmal 22 Prozent der Menschen die Bereitschaft, für den Beruf in eine andere Stadt oder gar in ein anderes Bundesland zu ziehen.
Männer sind mit 52 Prozent deutlich stärker zu einem beruflich bedingten Umzug bereit als Frauen (36 Prozent). Und unter Berufseinsteigern ist die Bereitschaft weiter am höchsten (62 Prozent), allerdings ist sie im Vergleich zum Jahr 2023 um 11 Prozentpunkte gefallen.
Der Blick in die Branchen zeigt: Vor allem in den Bereichen Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau sowie Banken- und Versicherungswesen (jeweils 55 Prozent) ist der Anteil besonders hoch, deutlich geringer ist der Umzugswille bei Angestellten der Gesundheitsbranche (35 Prozent) und in der Automobil-Industrie (38 Prozent). Gerade im Automotive-Sektor gibt es einen deutlichen Einbruch, 2023 waren in dieser Branche noch 54 Prozent zu diesem Schritt bereit.
Bayern kann seinen Spitzenplatz als attraktivstes Bundesland für Beschäftigte hierzulande verteidigen: Mehr als ein Drittel der Befragten (34 Prozent) gibt an, dass ein Umzug in den Freistaat – im Falle eines passenden Jobangebots – infrage kommt. Bei Hamburg (27 Prozent) und Baden-Württemberg (24 Prozent) sind es jeweils noch rund ein Viertel.

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.
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