Metin Yüksel bringt mit einem Pinsel eine dünne Schicht fluoreszierendes Öl auf die Schweißnaht und prüft diese mit einer UV-Lampe. Zuvor haben Roboter die Nähte eines Spülraums lasergeschweißt. Das Ergebnis muss spaltfrei ohne das kleinste Loch sein: Yüksel, der bei Miele in Bielefeld arbeitet, prüft die Schweißnähte einer ganz besonderen Art von Spülern, sogenannten Thermodesinfektoren. Die spülen keine Teller und Tassen, sondern Medizininstrumente für Arzt- und Zahnarztpraxen, Kliniken oder auch Fußpflege- und Tattoostudios.

Eine gute Instrumentenaufbereitung bildet die Voraussetzung dafür, dass sich Patienten bei Behandlungen und Operationen nicht mit Krankheiten anderer Patienten infizieren. Dazu wird Untersuchungs- und OP-Besteck zunächst maschinell gründlich im Thermodesinfektor gereinigt und bei 93 Grad Celsius desinfiziert, bevor anschließend restliche potenzielle Krankheitserreger in einem Autoklaven bei 134 Grad heißem Dampf abgetötet werden.

Miele: Hohe Anforderungen in der Produktion

„Unsere Thermodesinfektoren sind Medizinprodukte“, erklärt Produktionsleiter Lars Hehmann: „Alle Produktionsprozesse müssen sicher und fehlerfrei ablaufen. Jedes Jahr unterziehen wir uns einem externen Audit, um die amtliche Zulassung zu erhalten.“ Die Mitarbeiter in der Montagehalle Thermodesinfektoren sind den hohen Anforderungen entsprechend qualifiziert, die Ausbildung ist vergleichsweise zeitaufwendig. Viele Bauteile der Spüler werden entweder vor Ort gefertigt oder kommen von anderen Miele-Standorten.Sogar die Produktionsanlagen baut das Familienunternehmen großtenteils selbst.

Die Thermodesinfektoren gibt es in vielen Varianten, denn die verschiedenen Exportmärkte weltweit haben abweichende Normen zur Stromspannung oder zum Wasserschutz. Zudem haben die Kunden in der Regel individuelle Bedürfnisse. Deswegen unterscheiden sich die Geräte in zahlreichen Details – wie bei einer Autoausstattung. Doch das Ergebnis muss zum Schutz der Patienten immer sicher und keimfrei sein.

„Wir arbeiten seit Jahren intensiv mit Instrumenten-Herstellern und Chemielieferanten zusammen, um sichere und materialschonende Aufbereitungsverfahren für Kunden zu entwickeln. Dies schließt auch sehr viele Tests mit ein, um die besten Lösungen zu identifizieren“, sagt Michael Sedlag, der im Konzernsitz Gütersloh das Produktmanagement Labor/Medizin/Dental verantwortet und dem Geschäftsbereich Professional zugeordnet ist. „Spezielle OP-Sets können so viel kosten wie ein Kleinwagen. Bei Miele haben wir daher besonders schonende Aufbereitungsverfahren entwickelt, die den Wert der Instrumente bestmöglich erhalten.“

Die Maschinen laufen rund um die Uhr

Gleichzeitig muss die Aufbereitung sehr zügig gehen, 24/7 laufen und wenig Strom, Wasser und Chemie verbrauchen. Zudem ist jede Klinik, jede Arztpraxis verpflichtet zu dokumentieren, wie sie ihre Instrumente keimfrei hält. Die vernetzten Miele-Geräte machen das automatisch und nehmen dem medizinischen Personal so viel Arbeit ab.

In der Fertigung ist Flexibilität wichtig, betont Produktionsleiter Lars Hehmann: „Wir machen auch Einzelanfertigungen. Es gibt Kunden in aller Welt, die spezielle Produktvarianten benötigen.“ Für die korrekte Zuordnung haben die Bauteile Barcodes: Über den Montageplätzen blinkt es und zeigt an, welcher Kabelbaum und welche Dichtung jeweils zum aktuellen Fertigungsauftrag gehören.

Mitarbeiter schieben einen top ausgestatteten Montagewagen von Station zu Station. „Bei uns baut ein Beschäftigter ein Gerät vollständig zusammen. Das war auch Wunsch der Belegschaft, um mehr Abwechslung bei der Arbeit zu haben“, sagt Lars Hehmann. Abschließend werden alle Funktionen zu 100 Prozent geprüft. Adrian Golletz lässt Wasser einlaufen und stellt die Temperatur hoch, schaut nach den kleinen gelben Pumpen für die millilitergenaue Dosierung der Reinigungschemie. Alles in Ordnung. Der neue Thermodesinfektor für eine Praxis in Mönchengladbach kann ausgeliefert werden.

Das Unternehmen Miele

  • Miele fertigt auch Waschmaschinen und Geschirrspüler etwa für Krankenhäuser und Altenheime.
  • Das Familienunternehmen gehört, einschließlich der Tochter SteelcoBelimed, zu den Weltmarktführern und hat auch Hygienenormen geprägt.
  • Der Gewerbekunden-Bereich Miele Professional trägt ein Fünftel zum Gesamtumsatz von 5 Milliarden Euro bei und beschäftigt rund 4.800 Menschen weltweit.
Matilda Jordanova-Duda
Autorin

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.

Alle Beiträge der Autorin