Zufriedene Mitarbeiter und ein angenehmes Betriebsklima sind für die Firma Rohde & Schwarz am Standort Teisnach im Bayerischen Wald von großer Bedeutung. Im Gespräch mit aktiv erläutert Werkleiter Florian Bielmeier, der Chef der rund 2.000 Mitarbeiter, was das Werk Teisnach für eine gute Unternehmenskultur tut – und warum das so gelebt wird.
Herr Bielmeier, fühlen sich eigentlich Ihre Mitarbeiter bei Ihnen wohl?
Die Identifikation unserer Mitarbeiter mit dem Unternehmen und dem Standort ist jedenfalls überdurchschnittlich hoch. Das merkt man, wenn man bei uns mit den Leuten spricht. Zahlen zeigen zudem eine sehr große Zufriedenheit. Zum einen ist die Fluktuationsrate mit nur 2,4 Prozent sehr gering. Woanders verlassen jedes Jahr deutlich mehr Beschäftigte ihr Unternehmen – im Schnitt mehr als dreimal so viele wie bei uns. Und die Mitarbeiter sind uns extrem treu. Über 500, das ist mehr als ein Viertel, sind schon länger als 20 Jahre im Unternehmen, 80 sogar schon mindestens 40 Jahre.
Wie erklären Sie sich das?
Wir haben eine sehr gute, historisch gewachsene Unternehmenskultur. Und wir tun sehr viel dafür, dass es auch so bleibt. Die Mitarbeiter sollen sich zum Beispiel einbringen können. Dafür sorgt etwa ein Ideenmanagement, das gute Vorschläge prämiert. Und wir haben flache Hierarchien: Werkleitung, Abteilungsleitung, Gruppenleitung – das ist es. Der Grundsatz ist, dass möglichst viel möglichst weit unten entschieden wird. Die Prozesse sind so schneller, die Ergebnisse besser und die Mitarbeiter zufriedener.
Welche Rolle spielt der Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern?
Ich persönlich treffe mich einmal im Monat für rund zweieinhalb Stunden im kleinen Kreis mit 10 bis 15 wechselnden Mitarbeitern. Da können wir ganz offen reden. Das erwarte ich auch von anderen Führungskräften. Zudem gibt es regelmäßige Umfragen. Kürzlich wurde uns etwa gespiegelt, dass an unserem wachsenden Standort die Bürokratie zu stark wächst – und dass wir etwas dagegen unternehmen müssen.
Wie wichtig sind Führungskräfte für die Unternehmenskultur?
Sie sind die Vorbilder. Sie beeinflussen das Miteinander, indem sie gewünschtes Verhalten vorleben. Bei uns am Standort gehört dazu etwa, dass man sich gegenseitig grüßt – egal ob Werkleiter oder Reinigungskraft. Im Auswahlprozess wird darauf Wert gelegt, dass es bei Führungskräften nicht nur fachlich, sondern auch menschlich passt. Wichtig ist, dass sie Mitarbeiter führen können und ihnen wertschätzend gegenübertreten. All diese Kompetenzen fördern wir zusätzlich mit Weiterbildungsprogrammen.
Es kommt also vor allem auf die Menschen an?
Man muss auch Regeln und Abläufe etablieren, die Orientierung geben und auf die man sich berufen kann. Mitarbeiter müssen am Ende Vertrauen in den Arbeitgeber haben. Man muss sich aufeinander verlassen können – das ist das Entscheidende!
Helfen Ihnen „weiche Faktoren“ dabei, neue Mitarbeiter fürs Unternehmen zu gewinnen?
Es ist immer das Gesamtpaket, bei dem auch Bezahlung, Perspektiven und interessante Tätigkeiten eine Rolle spielen. Aber klar: Ein gutes Miteinander ist ein unglaublich gutes Argument! Aus Befragungen wissen wir, dass rund 90 Prozent unserer neuen Mitarbeiter durch Familie und Freunde auf uns aufmerksam gemacht worden sind. Und wenn wir daheim oder am Stammtisch als Arbeitgeber weiterempfohlen werden, kann das Betriebsklima bei uns nicht so schlecht sein.

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.
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