Lernräume außerhalb der Schule gestalten, die erlebnisorientiert, projektbasiert und individuell sind. Pädagogische Konzepte entwickeln, die junge Menschen erreichen. Perspektiven schaffen. Brücken bauen und Begeisterung wecken. Das ist das, was den Geschäftsführer der Technikzentrum Südwestfalen gGmbH (siehe Interview weiter unten) an seiner Aufgabe und den außerschulischen Lernorten fasziniert. Und damit ist er ganz nah bei den Lehrern und Lehrerinnen, die die Angebote der Technikzentren oft und gerne nutzen.
„Hier bietet sich eine wichtige Möglichkeit, Nachwuchs für technische Berufe zu interessieren.“
Özgür Gökce, Geschäftsführer Märkischer Arbeitgeberverband
„Seit vielen Jahren nutzt die Schule die Möglichkeiten des Vereins Technikförderung Südwestfalen, in dem sich der Märkische Arbeitgeberverband als Vorstandsmitglied und Unterstützer engagiert. „Für uns ist das eine wichtige Möglichkeit, frühzeitig Nachwuchs für technische Berufe zu interessieren”, sagt Özgür Gökce, Geschäftsführer des Verbands.
„Die finanziellen Mittel für die Anschaffung teurer Technik sind an den Schulen begrenzt. Das Verleihsystem des Vereins ergänzt das perfekt“, sagt Herbers, „wir haben schon alles hier in der Schule gehabt.“ Er schätzt die Flexibilität: „Wir passen das Angebot sehr an die Schüler an. Es gibt keine starren Abläufe in den Wahlpflichtkursen MINT.“
Jedes Jahr beispielsweise gebucht: das UMT-Set (Universelles Mediensystem Technik). Mit den Lochstäben und -platten aus dem Baukasten – in Grundschulen werden damit Strandbuggys gebaut – experimentieren die Siebtklässler in Altenhagen zum Thema Kräfte und Brücken.
Es gibt auch Kooperationen wie die Entwicklung eines Miniatur-Parkplatzes mit Schrankensystem zur Nutzung im Unterricht: „Das Zentrum unterstützt uns immer sehr gut mit Ideen und Materialien“, sagt Herbers.
Workshops werden für jeden Kurs angepasst
Genauso gern nutzen er und seine Kollegen das Technikzentrum selbst: „Wir versuchen, einmal jährlich dort etwas zu machen. Es ist ein toller Lernort. Unheimlich schön.“ Workshoptage zu Robotertechnik, 3D-Druck oder Computerspielentwicklung werden individuell abgesprochen. Der Austausch mit dem Team dort sei sehr gut: „Wir überlegen gemeinsam, was man machen kann.“ Ein weiterer Vorteil: „Man kann sich als Lehrer zurücknehmen und ganz in Ruhe mal beobachten.“
Spaß mache es den Jugendlichen jedes Mal, sagt der Lehrer. Einige erwiesen sich auch als sehr fit. Entstehen daraus konkrete Berufswünsche Richtung Technikausbildung? Ein direkter Zusammenhang sei nur schwer zu belegen, aber: „Es gibt erfolgreiche Beispiele.“
Wertvoll für eine zukunftsorientierte Bildung

Seit Juni ist Ugur Demetgül Geschäftsführer der Technikzentrum Südwestfalen gGmbH. Das ist die operative Tochter des Vereins Technikförderung Südwestfalen, der die Technikzentren in Hagen und Lüdenscheid trägt. Demetgül bringt neben seiner Leidenschaft für Bildung fundierte praktische wie theoretische Erfahrungen mit, als Mechatroniker, Speditionskaufmann, kaufmännischer Dozent, Bildungsstätten-Leiter und Berufspädagoge.
Herr Demetgül, die Technikzentren haben sich etabliert. Was ist noch zu tun?
Es gibt drei zentrale Bereiche. Zum einen möchten wir die geografische Reichweite ausbauen, das heißt, mehr Schulen, mehr Jugendliche und mehr Kommunen für unsere Angebote gewinnen. Zum anderen möchten wir noch mehr Unternehmen einbeziehen. Sie spielen eine Schlüsselrolle für die praxisnahe Gestaltung der Kurse. Daneben wollen wir unser Netzwerk durch eine gezielte Professionalisierung und stärkere Kommunikationsarbeit zukunftssicher machen.
Warum sind Technikzentren wichtig?
Sie können Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft auf innovative Weise verbinden. Die Bedeutung außerschulischer Lernorte wächst stetig – gerade in Zeiten, in denen Fachkräftemangel, Digitalisierung und der Wandel in der Arbeitswelt spürbar werden. Durch die praxisnahe Berufsorientierung können wir Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit Technik, Naturwissenschaften und IT in Berührung bringen. Frei von Notendruck lassen sich so Talente entdecken und fördern. Und Technikzentren haben die Freiheit, neue Konzepte, Formate und Technologien auszuprobieren. Das macht sie zu wertvollen Experimentierfeldern für zukunftsorientierte Bildung.
Welche Rolle spielt dabei die Wirtschaft in der Region?
Die Technikzentren sind eine Schnittstelle zwischen Unternehmen und Schulen. Wir bieten eine Plattform, auf der Unternehmen ihre Ausbildungsberufe authentisch vorstellen und direkten Kontakt zu potenziellen Nachwuchskräften aufbauen können. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist das eine große Chance zur Fachkräftesicherung. Wir können unsere Angebote so gestalten, dass sie sowohl den Jugendlichen als auch den beteiligten Unternehmen einen echten Mehrwert bieten.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
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