Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Bundeswehr wirbt auf der IdeenExpo offensiv um junge Fachkräfte.
- Sie sieht sich aber nicht als Konkurrenz zur Wirtschaft, sondern als Partner, da viele Soldaten Qualifikationen erwerben und später in zivile Berufe wechseln.
- Mit vielen Ausbildungsberufen, Studiengängen und Kooperationen verbessert die Bundeswehr gezielt die Chancen ihrer Angehörigen auf dem Arbeitsmarkt.
Bei der Bundeswehr wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Während der IdeenExpo vom 20. bis 28. Juni startet und landet täglich ein Schulungshubschrauber EC135 auf dem Gelände der Hannover Messe. Die jugendlichen Besucher können dann Transportfahrzeuge wie den Dingo 2 oder den Caracal inspizieren – und am Truppen-Entseuchungsplatz üben, wie die Dekontamination von Chemie-, Bio- und Atomwaffen funktioniert. Sogar die Feldküche steuert ein Exponat für Europas größtes Jugend-Event für Technik und Naturwissenschaften bei.
Viele Unternehmen werden dann neidvoll auf diese „Show of Forces“ blicken. Und in Zeiten, in denen Betriebe händeringend nach Auszubildenden und Fachkräften suchen, drängt sich eine Frage fast zwangsläufig auf: Macht die Bundeswehr aktuell der Wirtschaft Konkurrenz?
Die Bundeswehr sieht sich als Ausbildungsbetrieb
Maximilian H., Messestandleiter der Bundeswehr auf der IdeenExpo und Mitarbeiter im zentralen Messe- und Talentmarketing, widerspricht. Für ihn ist die Truppe kein Gegenspieler der Unternehmen, sondern Partner in einem größeren Kreislauf. „Wir stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern versuchen zu vermitteln“, sagt er mit Blick auf den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr. Dieser unterstützt ausscheidende Soldaten dabei, nach ihrer militärischen Laufbahn in der Wirtschaft Fuß zu fassen.
Denn wer zur Bundeswehr geht, verschwindet nicht zwangsläufig dauerhaft vom Arbeitsmarkt. Viele Soldaten verpflichten sich auf Zeit, erwerben während ihres Dienstes Qualifikationen, sammeln womöglich Führungserfahrung und kehren anschließend in zivile Berufe zurück. Aus Sicht von Maximilian H. bringt ein ehemaliger Soldat deutlich mehr mit als nur eine abgeschlossene Ausbildung: Erfahrung, Teamfähigkeit, Menschenführung und soziale Kompetenz. „All das wird bei der Bundeswehr eben auch trainiert, unabhängig davon, ob jemand militärisch oder zivil beschäftigt ist“, sagt H.
Rund 50 Ausbildungsberufe bietet die Bundeswehr an
Das bestätigt auch Martin S., Flugsicherheitsoffizier und Fluglehrer für die Hubschrauber H145 und H135 am Fliegerhorst Bückeburg. Sein Werdegang zeigt, wie durchlässig Berufswege bei der Bundeswehr sein können. Nach der Schule machte er zunächst eine Ausbildung zum Automechaniker. Später leistete er seinen Wehrdienst und bekam von der Bundeswehr irgendwann das Angebot, Hubschrauberpilot zu werden. „Meine erste Reaktion war: Sind Sie sicher, dass Sie das möchten?“, erinnert er sich schmunzelnd. Er jedenfalls wollte – und blieb.
Eine Ausbildung bei der Bundeswehr verbessert die Chancen auf dem zivilen Arbeitsmarkt
Der Weg vom Automechaniker zum Pilot wäre in der Wirtschaft eher ungewöhnlich, beim Bund ist er möglich. Auch deshalb absolvieren viele ihre Ausbildung oder ihr Studium beim Bund. Die meisten mit dem Ziel, ihre Chancen auf dem zivilen Arbeitsmarkt zu verbessern.
Über 1.000 verschiedene Verwendungen gibt es bei der Bundeswehr, dazu mehr als 50 Ausbildungsberufe und über 30 Studiengänge. Interessant dabei: Wer sich für ein Studium interessiert, erhält bei der Bundeswehr eine Chance zum Studieren bei vollem Gehalt.
Auch weil die Truppe ihre Soldaten später aktiv beim Übergang in den zivilen Arbeitsmarkt unterstützt. Bei Fluggerätmechanikern und Elektronikern etwa gibt es eine Zusammenarbeit mit Airbus. Viele der Soldaten wechseln im Anschluss solcher Kooperationsprojekte in eines der beteiligten Unternehmen.
„Ja, die Bundeswehr wirbt selbstbewusst um Nachwuchs“, sagt Marketingmitarbeiter H. „Aber sie macht aus Nachwuchskräften eben auch Fachkräfte mit einer Vielzahl an begehrten Qualifikationen. Und die stehen Unternehmen irgendwann wieder zur Verfügung.“

So arbeitet der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr
Bis zu 10.000 Zeitsoldaten verlassen jedes Jahr die Truppe. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr unterstützt ihren Übergang in den zivilen Arbeitsmarkt mit einem Netzwerk von über 3.000 Partnern aus Wirtschaft und öffentlichem Dienst. Jobmessen, Soldatentage und ein eigenes Stellenportal ermöglichen Einblicke in Betriebe und direkte Kontakte zu Arbeitgebern.

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.
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