Das Wichtigste auf einen Blick:
- Strumpf Dirks produziert für deutsche Hersteller wie Trigema, vertreibt aber auch eigene Ware unter der Sportmarke JD oder Lusana für Trachtenstrümpfe.
- Neben Strümpfen stellt Dirks auch technische Textilien her, etwa für Fischer Dübel oder den Kletterbedarf.
- Das Unternehmen erreichen Bewerbungen von Textiltechnikern aus aller Welt, denn Dirks setzt sich aktiv für die Integration ausländischer Fachkräfte ein.
Wer die Produktion von Strumpf Dirks im beschaulichen Billerbeck bei Münster besucht, der bekommt ehrliche Einblicke: in ein traditionsreiches Handwerk, in innovative Materialen und Maschinen – und in die Herausforderung, die 100 Prozent „made in Germany“ mit sich bringt.
Dietmar Dirks steht hinter all dem, mit einem gewissen Stolz und mit zukunftsgerichtetem Blick. Denn obwohl das Familienunternehmen, das 1964 von seinen Eltern Elisabeth und Josef Dirks gegründet wurde, heute zur letzten Handvoll Strumpfstrickereien im Lande gehört, ist von Nostalgie nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil.
„Wenn man sich vorstellt, dass es damals in Nordrhein-Westfalen etwa 1.800 und alleine in Billerbeck drei Strickereien gab und wir heute noch immer da sind, dann spornt das doch an, diesen Standort hier zu halten und auszubauen.“ So sagt es der 51-jährige Firmenchef beim aktiv-Besuch. Seit 30 Jahren arbeitet er schon im Unternehmen, hat den Wandel hautnah miterlebt. „Wenn um einen herum Strumpffertigungen schließen oder abwandern, weiß man, dass man sich beweisen muss“, sagt Dirks. Das gehe am besten mit hochwertigen Produkten und Kunden, die das zu schätzen wissen.
Neuer Studiengang gegen das Nachwuchsproblem
Der Textilbranche fehlt es an Azubis. Laut DIHK-Ausbildungsstatistik lag 2024 die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für den Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik bundesweit unter dem Niveau von 2014. Um qualifizierten Nachwuchs zu finden und zusätzliche Karrierechancen zu ermöglichen, gibt es seit Sommer 2024 einen neuen Bachelor-Studiengang. Ein Ausbildungsangebot, das zusammen mit Textilunternehmen, der Hochschule Niederrhein und der Textilakademie in Mönchengladbach entwickelt wurde: das duale Blockstudium Textil- und Bekleidungstechnik. In vier Jahren ist so der Doppel-Abschluss möglich.
Trachtenstrümpfe und Fischer-Dübel
Neben Socken für deutsche Hersteller produziert Dirks eigene Ware, die etwa unter der Sportmarke JD im Handel erhältlich ist. Zu den eigenen Marken gehört auch Lusana, die laut Firmenangabe den Markt bei den Trachtenstrümpfen anführt. Dank spezieller Doppelzylinder-Maschinen können hier Strümpfe mit besonderem Muster gestrickt werden, sie werden seit 2014 auch direkt maschinell geschlossen. „Vor 40 Jahren waren noch rund 120 Kettlerinnen bei uns angestellt, die die Sockenspitze ganz klassisch in Handarbeit zugenäht haben“, erinnert sich Dirks. Das ist Geschichte. Die aufwendigen Stickereien außen entstehen aber nach wie vor per Hand – und machen die Strümpfe zu Unikaten.
Um die hohe Qualität zu gewährleisten, wird jede Socke auf Strickfehler kontrolliert, Fallmaschen werden eingezogen, kleine Löcher gestopft. „Bei hochwertigen Materialien lohnt sich dieser Aufwand.“
Für Unternehmer Dirks steht fest: Wer mit Produktion in Deutschland bestehen will, der muss Besonderes leisten. Das gilt auch für die Weiterentwicklung der Produkte. So besteht seit über 25 Jahren eine Kooperation mit der Firma Fischer, die bei speziellen Epoxidharz-Dübeln auf kleine Polyamidschläuche von Dirks setzt. An dieser Stelle kommt dann doch etwas Nostalgie zum Einsatz: Die Schläuche werden auf einer Strickmaschine aus dem Jahr 1948 gefertigt, die ursprünglich für Puppenstümpfe gedacht war. Der Durchmesser passt genau – und so liefert Strumpf Dirks jeden Monat rund 12.000 Meter des textilen Überzugs an Fischer.
Stoffsäckchen für Kletterer
Auch Bergsteiger vertrauen dem Know-how des Familienunternehmens, das spezielle Stoffsäckchen entwickelt hat: Die werden mit Talkum gefüllt und am Gürtel befestigt. Ein fester Griff genügt, und der Stoff lässt eine kleine Menge des weißen Pulvers durch, damit der Kletterer wieder neuen Grip mit den Händen hat.
Immer mal wieder wird investiert, um mit dem Markt mitzuhalten. Seit November steht in Billerbeck eine nagelneue Dampfbügelmaschine, die pro Stunde 1.200 Paar Socken in Form bringt – das sind rund dreimal mehr, als die alte Maschine schaffte, und das bei geringerem Energieverbrauch.
Mehr Tempo bei der Zulassung ausländischer Fachkräfte
Anders als beim früheren Formen zwischen zwei heißen Metallplatten schont der Dampf das Material, zudem müssen die Socken bei dem neuen Verfahren nicht noch zusätzlich gewaschen werden. „Wenn ich ehrlich bin: Notwendig ist das Bügeln eigentlich nicht“, sagt Dirks, „nach der ersten Wäsche zu Hause ist dieser Effekt sowieso wieder weg.“ Aber der Markt verlangt es so, der Kunde möchte schön geformte Socken im Handel sehen.
„Bei der Fachkräftegewinnung haben wir nur mit Offenheit eine Chance“
Firmenchef Dietmar Dirks
Firmenchef Dirks glaubt an den Standort D, auch wenn es ihm zwischendurch schwerfällt. „Manchmal habe ich das Gefühl, den politischen Entscheidern ist es eigentlich egal, ob zum Beispiel eine Strickerei schließt oder nicht.“ Einiges würde er persönlich anders machen – etwa bei den Regelungen zur Anstellung ausländischer Fachkräfte. „Wenn ich als Unternehmer sage: Ich habe hier jemanden aus einem fernen Land, der kann und möchte bei uns arbeiten – dann muss der doch innerhalb von sechs Wochen bei mir auf der Matte stehen dürfen!“
Bewerbungen aus aller Welt
Dem Unternehmen fehlen etwa Textiltechniker, die Dirks seit der Schließung einer Berufsschule in der Nähe nicht mehr selbst ausbilden kann. Also schaut er sich auch im Ausland nach Fachkräften um, kümmert sich um den Papierkram, die Wohnung und einen Deutschkurs.
In Billerbeck geht man die Fachkräftegewinnung mit Herz und Verstand an. Das hat sich rumgesprochen, den Betrieb erreichen Initiativbewerbungen aus aller Welt! Menschen aus neun Nationen arbeiten hier. Dirks: „Als Produktionsstandort haben wir nur mit Offenheit eine Chance.“

Nadine Keuthen stürzt sich bei aktiv gerne auf Themen aus der Welt der Wissenschaft und Forschung. Die Begeisterung dafür haben ihr Masterstudium Technik- und Innovationskommunikation und ihre Zeit beim Kinderradio geweckt. Zuvor wurde sie an der Hochschule Macromedia als Journalistin ausgebildet und arbeitete im Lokalfunk und in der Sportberichterstattung. Sobald die Sonne scheint, ist Nadine mit dem Camper unterwegs und schnürt die Wanderschuhe.
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