Stop and go: So geht das jeden Morgen und jeden Abend, auf vielen Straßen und Bahnsteigen. Pendler haben es manchmal schwer - und das nicht nur in deutschen Metropolen. Aber es geht noch viel schlimmer: Das zeigt eine Reise an ungewöhnliche Stauorte rund um die Welt.

Bei Peking: Reiseverkehr vor einer Mautstation

So viele Autos – in 50 Reihen – tummelten sich wieder im Herbst 2015 vor einer Mautstation auf einer Schnellstraße nahe der chinesischen Hauptstadt. Der Grund: Die „Golden Week“ um den Nationalfeiertag am 1. Oktober 2015. Denn dann, wie auch rund ums chinesische Neujahrsfest (im Jahr 2016 am 8. Februar), besuchen viele der 1,3 Milliarden Chinesen ihre Verwandten und Freunde. Das führt regelmäßig zu gigantischen Staus und übervollen Zügen. Im Jahr 2015 registrierten die chinesischen Verkehrsbehörden in der 40-tägigen Reisezeit rund um das Neujahrsfest Mitte Februar 2,8 Milliarden Fahrten mit Bahn, Bus, Flugzeug und Auto. 

Ghaziabad in Indien: Bahnfahrt unter freien Himmel

Für Inder ist der Zug das wichtigste Verkehrsmittel. Täglich quetschen sich 23 Millionen Passagiere in nur 8.000 Personenzüge – wer nicht in den Waggon passt, erkämpft sich einen Platz auf dem Dach. Das 115.000 Kilometer lange Schienennetz und die Stellwerke in Indien stammen oft noch aus der britischen Kolonialzeit, also von vor 1947. Die marode Technik ist für die Fahrgäste mitunter lebensgefährlich. Im Schnitt sterben täglich 40 Menschen, weil sie vom Zugdach fallen oder an ungesicherten Bahnübergängen verunglücken. Das soll sich in Zukunft ändern: Die indische Regierung will bis 2020 fast 125 Milliarden Euro in die marode Staatsbahn investieren. Im Jahr 2015 hat sie dafür 1.800 Lokomotiven bestellt. 

U-Bahn in Tokio: Nichts für Pendler mit Platzangst

Hier wird gedrückt, geschoben und gedrängelt – und nicht nur von den Fahrgästen selbst. Die Angestellten der Tokioter U-Bahngesellschaft dürfen das von Berufs wegen. Ihre offizielle Bezeichnung ist Fahrgastverdichter. Die 13 Linien werden täglich von mehr als sieben Millionen Menschen genutzt. Allein durch die verkehrsreichste Bahnstation Shinjuku quetschen sich täglich vier Millionen Menschen in die Züge. Damit ist die Tokioter Untergrundbahn die am stärksten beanspruchte Bahn der Welt. 

Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam: Chaos auf zwei Rädern

In Ho-Chi-Minh-Stadt, der größten Stadt in Vietnam herrscht zur Rushhour dichtes Moped-Gedränge auf den Straßen. 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer besitzen dort ein solches Vehikel. Über fünf Millionen Motorroller bewegen sich täglich durch die Metropole. Damit fahren zehnmal mehr motorisierte Zweiräder durch die Stadt als Autos.

Innenstadt-Autobahn in Istanbul: Weltweit schlimmste Stauhölle

Auf den Straßen der türkischen Metropole herrschen die schlimmsten Verkehrsbedingungen weltweit, so eine Auswertung des Navigationsanbieters Tom Tom aus dem Jahr 2015. In der Stadt am Bosporus, in der über 14 Millionen Menschen leben, stehen Autofahrer jährlich 125 Stunden im Stau. Damit verweist sie Sankt Petersburg und Mexiko-Stadt auf Platz zwei und drei des weltweiten Stau-Rankings. Auch dort stehen Autofahrer immer noch über 100 Stunden pro Jahr in kilometerlangen Schlangen. Besonders schlimm staut es an sich den beiden Bosporus-Brücken, die den europäischen Teil mit dem asiatischen verbinden. Besserung soll bald eine dritte Brücke über die Meerenge bringen: die Yavus-Sultan-Selim-Brücke. Sie ist knapp 1,5 Kilometer lang und hat über drei Milliarden Euro gekostet. Fertig soll sie im Frühjahr 2016 werden. 

Rushhour in Stuttgart: Rund um den Bahnhof geht oft nichts mehr

Um im Stau zu stehen, muss man nicht in die Türkei fahren. Es reicht schon Stuttgart. Beispiel: Die Straßen rund um die Baustelle des neuen Bahnhofs. Die Schwaben-Metropole ist laut der Verkehrs-Analysten von Tom Tom die aktuelle deutsche Stauhauptstadt. Dort stehen Pendler im Schnitt jährlich 72 Stunden auf dem Asphalt, ohne voranzukommen. 

Grand Central Terminal in New York: Wo Touristen im Weg stehen

Der Grand Central Terminal in New York ist ein Touristenmagnet – und von der Fläche her (knapp 10.000 Quadratmeter) der größte Bahnhof der Welt. Er wird jährlich von mehr als 22 Millionen Touristen besucht. Die stehen den täglich bis zu eine Million Pendlern in der Haupthalle oft im Weg, wenn die zu den 67 unterirdischen Gleisen eilen. Grund: Mit ihren Smartphones wollen sie die goldenen Kronleuchter und die Kuppel des 1871 ursprünglich als Depot gebauten Bahnhofs fotografieren. 

Kopenhagen am Morgen: Fahrradstau an der Ampel

Durch die Straßen von Kopenhagen rollen 125.000 Autos und 650.000 Fahrräder. In der dänischen Hauptstadt schwingen sich circa 55 Prozent der Bevölkerung morgens auf den Drahtesel, um auf besonders ausgewiesenen Zweiradbahnen zur Arbeit, Uni oder Schule zu radeln. Da ist Stau vorprogrammiert. Viele Fahrradpendler brauchen dann bis zu drei Ampelphasen, um eine Kreuzung zu überqueren. Die Stadtverwaltung plant jetzt, per Bluetooth oder Wifi-Signalen das morgendliche Chaos zu entzerren. Spezielle Ampeln sollen die Funksignale von Smartphones messen und so Anzahl und Geschwindigkeit der Radler ermitteln. Bei dichtem Verkehrsaufkommen schalten sie dann auf eine längere Grünphase, um den Stau aufzulösen. 

Mekka in Saudi Arabien: Eine Straße nur für Pilger

Jedes Jahr begeben sich Millionen muslimische Gläubige auf Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Der Andrang ist regelmäßig so groß, dass die Behörden in der Pilgermetropole Straßen sperren lassen oder sogar extra für die Menschenströme Straßen bauen. Die sind dann zur Hadsch (übersetzt: Muslimische Pilgerfahrt) hoffnungslos verstopft. Oft kommt es auch zu Unfällen: Im September 2015 kamen in Mina, unweit des Hauptpilgerorts Mekka, mehr als 700 Menschen bei einer Massenpanik um. 

Urlaub an der spanischen Costa Blanca: Irgendwo muss hier Strand sein

Aber leider sieht man ihn vor lauter Urlaubern nicht. Das Bild zeigt einen ganz besonderen Stau am überfüllten Poniente-Strand im spanischen Benidorm. Die Touristenhochburg verfügt über 300 Wolkenkratzer, meistens Hotels, die zur Hauptsaison täglich Tausende Touristen an den Strand entlassen, damit sie sich dort sonnen können. Deshalb sieht man dann den Strand vor lauter Sonnenschirme und sonnenhungrigen Leibern nicht mehr. 

Pinguin-Stau in der Antarktis: Der Wärme wegen

Endlich ein Stau, der Sinn macht: Diese Kaiserpinguine in der Antarktis legen dicht gedrängt weite Strecken zurück. Bei zuweilen 50 Grad minus schützen sie sich während ihrer Wanderung so vor Wärmeverlust und sparen Energie. Bewegt sich ein Vogel innerhalb der Gruppe auch nur ein wenig zur Seite, verursacht er eine Welle der Bewegung bei seinen Artgenossen. Der Erlanger Physiker Richard Gerum hat dieses Phänomen des Pinguin-Kuschelns untersucht und ist sich sicher: „Damit lässt sich das Stauproblem auf unseren Straßen lösen.“ In Zukunft sollen sich fahrerlose Autos ganz eng aneinander vorbeischieben – nach Pinguinart. Trotzdem gilt natürlich: berühren verboten.