Aachen. Mit dem Bus durch die Vororte fahren, dann bis an den Rand der City schweben – ohne umzusteigen! Das könnte bald wahr werden. Dank des Start-ups UpBus aus Aachen. Es hat schon den Prototyp für ein selbstfahrendes Shuttle mit E-Motor entwickelt, das sich ruck, zuck in eine Seilbahn verwandeln lässt. Die Kabine wird binnen Sekunden vom Fahrgestell ab- und ans Seil angekoppelt, vollautomatisch. Die Passagiere bleiben sitzen – auch, wenn die Gondel an der Zielstation wieder auf die Räder gesetzt wird.

Die Gründer von UpBus promovieren an der technischen Hochschule RWTH Aachen in Maschinenbau und Elektrotechnik – und nutzen ein dort entwickeltes Kopplungssystem für Weltraum-Satelliten. Deshalb finanziert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Projekt. Auf der Bundesgartenschau in Mannheim 2023 will UpBus die erste öffentlich zugängliche Strecke präsentieren. „Die erste Demo-Fahrt war für November geplant, auf dem Firmengelände des Seilbahnherstellers Doppelmayr. Aber wir mussten sie wegen Corona verschieben“, erzählt Tobias Meinert, einer der Gründer.

572 neue Technologiefirmen entstanden in der Region

Inzwischen liebäugeln zahlreiche Stadtplaner mit Seilbahnen. Vorteil: Die Strecken lassen sich schnell bauen, mit wenig Energie betreiben und Staus überfliegen. Nachteil: In den Innenstädten ist meist gar kein Platz dafür da. Deswegen soll, so die Aachener, die letzte Station am Rand der City entstehen und – wie die erste Station im Vorort – mit autonomen Shuttles angefahren werden.

Die junge Firma gehört zu einer wachsenden Schar von Ausgründungen aus der Hochschule. Zwischen 2015 und 2019 entstanden in der Region 572 neue Technologieunternehmen – ein gutes Drittel mehr als in den fünf Jahren zuvor. Die RWTH Aachen baut gerade eine ehemalige Maschinenfabrik zu einem der größten „Brutkästen“ für Technologiefirmen Europas um. Ab September werden die Start-ups dort Büros und Gemeinschaftsräume nutzen und in der Werkstatt an Prototypen arbeiten können. 23 Millionen Euro steckt das Land NRW in das Projekt.

Die bekanntesten Ausgründungen der RWTH sind Streetscooter und e.Go Mobile

„Wir haben rund 160 Erfindungen pro Jahr an der RWTH und wollen alle Hochschul-Angehörigen unterstützen, ihre Vorhaben zu realisieren“, sagt Marius Rosenberg, Geschäftsführer des Exzellenz Start-up Centers, der Gründer-Förderung der Hochschule. Er vermittelt Kontakte zu Instituten und etablierten Firmen für gemeinsame Projekte.

Die bekanntesten Ausgründungen der Ingenieursschmiede sind Streetscooter und e.Go Mobile. Die Zukunft des elektrischen Zustellfahrzeugs der Post ist ungewiss; Investoren zeigen aber jetzt Interesse an einer Streetscooter-Übernahme. Und der E-Auto-Produzent e.Go Mobile gehört heute unter dem Namen Next e.Go Mobile einer niederländischen Investorengruppe.

Matilda Jordanova-Duda
Autorin

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.

 

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