- Die Arbeitskosten in der deutschen Industrie gehören im internationalen Vergleich zu den höchsten weltweit. Das schmälert die Wettbewerbsfähigkeit.
- Hohe Sozialbeiträge und steigende Entgelte treiben die Arbeitskosten.
- Währungseffekte haben Einfluss auf die Arbeitskosten im internationalen Vergleich.
Verblüffend: Für das Geld, das eine Stunde Arbeit in deutschen Industriebetrieben kostet, kann man in Polen und Portugal mehr als drei Stunden Arbeit kaufen – und in China sogar über vier Stunden.
Das liegt nicht nur an der guten Bezahlung, sondern auch an unseren sozialen Standards mit den entsprechenden Lohnnebenkosten, wie Christoph Schröder erklärt. Der Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellt auf Basis amtlicher Daten regelmäßig internationale Vergleiche der Arbeitskosten, zuletzt für 2024.

Kostentreiber: In Deutschland sind die Sozialbeiträge sehr hoch
Deutschland liegt da bei knapp 50 Euro pro Stunde – und das ist ein enorm hoher Wert. „Die Arbeitskosten sind natürlich höher als der Stundenlohn“, macht Schröder klar. In seine Berechnung fließen Sozialbeiträge der Betriebe mit ein, bezahlte arbeitsfreie Zeiten wie Urlaub und auch Ausgaben für die betriebliche Altersvorsorge. „Der Bruttojahresverdienst macht in der deutschen Industrie vier Fünftel der gesamten Arbeitskosten aus.“
Währungseffekte beeinflussen indirekt die Höhe der Arbeitskosten
Was auffällt: Wieso ist Arbeit in Japan, in der hinter Deutschland viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, eigentlich so günstig? „Die Arbeitskosten der japanischen Industrie sind in den letzten 25 Jahren nur um 23 Prozent gestiegen“, erklärt Schröder, „das lag auch an den sehr niedrigen Inflationsraten dort.“ Zum Vergleich: In Deutschland legten die Kosten im gleichen Zeitraum um 78 Prozent zu! Zudem hat der Yen über viele Jahre deutlich an Wert verloren, auch das macht japanische Arbeit im Vergleich billiger.
Entsprechend dürfte die US-Industrie gerade an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen haben – was Schröder dann mit Daten für 2025 zeigen wird: „Die USA profitieren aktuell vom deutlich schwächeren Dollar, der die US-Arbeitskosten indirekt günstiger macht.“
Steigende Sozialbeiträge treiben die Arbeitskosten
Die Arbeitskosten der deutschen Industrie sind sehr hoch – und einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran haben die gesetzlichen Sozialversicherungen. Sie sind für Betriebe und Beschäftigte 2026 so teuer wie noch nie: Insgesamt 42,3 Prozent vom Brutto werden für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fällig. Das ist ein Durchschnittswert, je nach der Zahl der Kinder und der gewählten Krankenkasse kann es auch etwas mehr oder weniger sein.
An einem Beispiel erklärt: Wenn jemand monatlich 5.000 Euro brutto verdient, werden dafür 2.115 Euro an Sozialbeiträgen fällig. Die Hälfte dieses Betrags wird dem Beschäftigten vom Brutto abgezogen, die andere Hälfte muss der Betrieb entrichten.
Und dabei wird es nicht bleiben: Ohne harte Reformen werden uns die Sozialbeiträge in den nächsten Jahren noch teurer kommen – einfach, weil die deutsche Gesellschaft deutlich altert und die älteren Menschen zum Glück länger leben als früher. Dieser demografische Wandel verschärft sich gerade, weil nun die besonders geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre nach und nach in Rente gehen.
„Ohne ein Umsteuern durch den Gesetzgeber drohen deshalb die Beitragssätze und die Beitragsbelastungen in allen drei Sozialversicherungszweigen deutlich zu steigen“, stellt das Institut der deutschen Wirtschaft fest. In diesem Punkt sind sich Ökonomen aller Couleur sehr einig. Und die Zeit drängt: „Bis 2035 könnte sich die Abgabelast der Sozialversicherung auf bis zu 50 Prozent belaufen“, warnt das IGES-Institut auf Basis seiner Berechnungen für die Krankenkasse DAK.

Thomas Hofinger schreibt über Wirtschafts-, Sozial- und Tarifpolitik – und betreut die Ratgeber rund ums Geld. Nach einer Banklehre sowie dem Studium der VWL und der Geschichte machte er sein Volontariat bei einer großen Tageszeitung. Es folgten einige Berufsjahre als Redakteur und eine lange Elternzeit. 2006 heuerte Hofinger bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung aktiv an. In seiner Freizeit spielt er Schach und liest, gerne auch Comics.
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