Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Beschäftigten und ihre Betriebe zahlen im Schnitt schon 42,5 Prozent vom Bruttolohn an die Sozialversicherungen. Das könnte bis 2035 auf 50 Prozent steigen.
  • Rentensystem, Kranken- und Pflegeversicherung stehen enorm unter Druck. Der Hauptgrund ist der demografische Wandel. Das kratzt am Generationenvertrag.
  • Fachleute schlagen unter anderem vor: Das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung koppeln. Kranken- und Pflegeleistungen begrenzen

Was ist los mit dem Sozialstaat?

Was ist ein Sozialstaat, einfach erklärt?

Der deutsche Staat ist sozial. So steht es im Grundgesetz von 1949. Dort ist in Artikel 20 zu lesen: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“

Die meisten Sozialversicherungen in Deutschland sind sogar schon deutlich älter als unser Grundgesetz. Die Absicherungen gegen Not durch Unfall, Krankheit und Alter stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. Danach kamen die Arbeitslosen- und Pflegeversicherung hinzu.

Unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist die Soziale Marktwirtschaft. Man setzt damit in erster Linie auf wirtschaftliche Freiheit und die Leistungsfähigkeit der Marktwirtschaft. Auch das ist über das Grundgesetz abgesichert. Dies ist mit sozialem Ausgleich und staatlicher Absicherung verbunden.

Unser heutiger Sozialstaat kümmert sich folglich auch um weitere Bereiche, etwa um:

Sozialversicherungen und Sozialleistungen kosten viel Geld. Dabei funktioniert die Finanzierung unterschiedlich:

  • Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung: Das zahlen Beschäftigte und Arbeitgeber. Die Höhe des Betrags ist für beide Seiten gleich. Der Staat gibt zur Renten- und Krankenversicherung auch Steuermittel dazu.
  • Unfallversicherung: Hier zahlt nur der Arbeitgeber die Beiträge.
  • Weitere Sozialleistungen aller Art: Sie finanzieren sich aus Steuergeld.

Allein der Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales umfasst 2025 rund 190 Milliarden Euro. Davon entfällt das meiste auf die staatlichen Zuschüsse zur Rentenversicherung. Auch die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist ein großer Posten.

Zudem zahlt beispielsweise das Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend Milliarden für soziale Anliegen. Länder und Kommunen stemmen ebenfalls hohe Ausgaben für Soziales.

Was sind die Probleme in unserem Sozialstaat?

Mehrere Trends machen den Sozialstaat immer teurer. Die wichtigsten sind:

Das Liniendiagramm zeigt, wie sich das Durchschnittsalter in Deutschland von rund 39 Jahren (1990) auf rund 45 Jahre (2024) kontinuierlich erhöht hat.
  • Alternde Gesellschaft: Durchschnittsalter und Lebenserwartung steigen. Außerdem werden relativ wenige Kinder geboren. Die Folge: Weniger Menschen im Erwerbsalter müssen mehr Rentnerinnen und Rentner finanzieren.
  • Mehr Leistungen: Jahrzehntelang weiteten Politiker die Leistungen des Sozialstaats aus. Mehr Menschen als zuvor profitieren davon. Die Gesetze zu Elternzeit und Aufstiegsfortbildungen sind Beispiele dafür. Inzwischen gibt es mehr als 500 Sozialleistungen. 1994 machte Soziales circa 38 Prozent der Bundes-Ausgaben aus. 2004 waren es rund 50 Prozent.
  • Steigende Kosten im Gesundheitsbereich: Medizinischer Fortschritt kostet Geld. Nicht zuletzt steigen die Personalkosten.

Erfahren Sie in diesem Video, was das Sozialsystem belastet und welche Reformen Fachleute jetzt fordern:

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1994 betrug der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung noch rund 29,9 Milliarden Euro. 2004 waren es 54,4 Milliarden. 2014 lag er bei 61,3 und 2024 bei 87,8 Milliarden Euro. Bezieht man die Beiträge für Kindererziehungszeiten und weitere Leistungen mit ein, liegt die Summe noch höher. Für 2024 betragen die Bundesmittel an die gesetzliche Rentenversicherung rund 116,9 Milliarden Euro.

Im Zehn-Jahres-Vergleich sind die einzelnen Ausgaben für Soziales im Bundeshaushalt stark gestiegen. Der größte Posten, die Bundesmittel für die Rentenversicherung, kostete 2014 rund 83 Milliarden Euro. 2024 war dieser Betrag auf 116 Milliarden Euro angewachsen. Auch andere Sozialmaßnahmen kosteten mehr Geld. Dies errechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Das Balkendiagramm zeigt die 3 größten Ausgabenposten des Bundeshaushalts: Rentenversicherung, Arbeitsmarkt und Militär. Von 2014 bis 2014 stiegen die Ausgaben jeweils. Beim größten Posten, der Rentenversicherung, erhöhten sich die Ausgaben von rund 83 Milliarden (2014) auf rund 116 Milliarden Euro (2024).

Fazit: Ausgaben und Einnahmen sind im Bereich Soziales aus dem Gleichgewicht geraten. Lösungsvorschläge liegen schon länger auf dem Tisch.

Darum bringt das Rentensystem Deutschland finanziell in Schwierigkeiten

Das Rentensystem in Deutschland finanziert sich per Umlage. Das bedeutet: Die aktuellen Einnahmen werden für die laufenden Rentenzahlungen verwendet. Die Einnahmen wiederum bestehen überwiegend aus den Rentenversicherungsbeiträgen der Beschäftigten und der Arbeitgeber.

Anders gesagt: Wer heute einzahlt, spart damit nicht fürs eigene Alter. Es ist wichtig, sich das klarzumachen.

Sondern: Wer heute einzahlt, sorgt für die Alten von heute.

Davon unabhängig haben die jetzigen Beitragszahler später ebenso einen Anspruch auf eine Rente. Für sie zahlt dann die nächste Generation.

Was ist das Problem mit dem Generationenvertrag?

Mit dem Generationenvertrag ist gemeint: Die Jüngeren zahlen für die Älteren. Das gilt in jeder Generation. Dabei handelt es sich nicht um einen Vertrag, den alle unterschrieben haben. Es ist vielmehr ein bewährtes Solidarprinzip.

Die Herausforderungen sind:

  • Die Lebenserwartung steigt. Sie beträgt für Frauen in Deutschland 83,5 und für Männer 78,9 Jahre. Damit ist auch die Zeit im Ruhestand länger. Zum Vergleich: 1990 bezogen Männer 14 Jahre lang Rente. 2023 waren es bereits 19 Jahre. Für Frauen liegen die Werte bei 17 (1990) beziehungsweise 22 Jahren (2023).
  • Die jüngeren Generationen, die der jetzigen Renten- oder Demnächst-Rentengeneration folgen, sind viel kleiner. Ein Beispiel: 2025 erreichten die meisten Menschen des Geburtsjahrs 1959 ihr reguläres Rentenalter. Dieser Jahrgang umfasst rund 1,2 Millionen Menschen. Die Zahl der jungen Leute, die in diesem Jahr 18 wurden, beträgt aber nur 775.000. Dieses Ungleichgewicht wird noch stärker, wenn die Jahrgänge 1960 bis 1968 in Rente gehen

Immer weniger Erwerbstätige kommen somit für immer mehr Senioren auf. Diese Lasten können die Jüngeren nicht allein tragen.

0,9 Millionen Babyboomer gingen 2023 vor der Regelaltersgrenze in Rente

Institut der deutschen Wirtschaft

Ist meine gesetzliche Rente sicher?

Im ARD-Deutschlandtrend (August 2025) gaben 51 Prozent der Befragten an, sich nicht gut abgesichert zu fühlen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen enorm:

  • Von den 18- bis 34-Jährigen sind drei Viertel beunruhigt: Sie fühlen sich nicht gut fürs Alter abgesichert.
  • Bei den über 65-Jährigen nannten nur 28 Prozent dieses Problem.

Das Rentensystem noch stärker durch Steuern zu stützen, ist aus Expertensicht kein guter Ausweg. Auch die Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 Prozent wird teuer kommen.

Das beschlossene Rentenpaket sieht aber genau dies vor: Bis 2031 gilt ein gesetzliches Rentenniveau von 48 Prozent. Dies ist übrigens eine abstrakte Größe. Darüber, wie viel Rente man selbst erhält, sagt das Rentenniveau nichts aus.

Was bedeutet ein Rentenniveau von 48 Prozent?

Das sogenannte gesetzliche Rentenniveau ist eine Steuerungsgröße. Sie sagt nichts über den eigenen Rentenanspruch aus. Die Steuerungsgröße errechnet sich so: Wer 45 Jahre lang immer einen Durchschnittslohn verdient, erhält als Rente 48 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Dabei gilt der Verdienst nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, aber vor Abzug der Steuern. (Diese Berechnung – nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, vor Abzug der Steuern – ist zu beachten.) Ein solches Erwerbsleben haben aber die wenigsten Versicherten. Wie hoch die Rente tatsächlich ausfällt, hängt vor allem von zwei Dingen ab: wie lange man gearbeitet und wie viel man verdient hat. Übrigens: Ein niedrigeres gesetzliches Rentenniveau heißt nicht, dass die Renten sinken. Das ist durch die Rentengarantie sogar gesetzlich ausgeschlossen. Geht das Rentenniveau nach unten, können die Renten weiter steigen, aber nicht so stark wie die Einkommen.

Für die eigene Rente ist wichtig:

  • Je länger Beschäftigte arbeiten und je mehr sie verdienen, umso erfreulicher ist die Rente.
  • Schon nach fünf Jahren Pflichtbeitrag besteht ein Anspruch auf die gesetzliche Rente.
  • Meist steigt die Rentenhöhe Jahr für Jahr: Dafür gibt es gesetzliche Regeln. Wachsen die Löhne, dann tun es auch die Renten.
  • Um im Alter klarzukommen, sind meist zusätzliche betriebliche und/oder private Altersvorsorge nötig.
  • Wer trotz langer Arbeit nur eine sehr geringe Rente bekommt, kann den Grundrentenzuschlag bekommen.

Wie steht es um meine Rente?

Wie groß ist meine Rentenlücke? Was kann ich tun, um sie zu schließen? Zu diesen Fragen kann man sich komfortabel informieren. Dabei hilft die Digitale Rentenübersicht. Es gilt: ein paar Unterlagen bereithalten, registrieren, losklicken. Zeigt sich dann eine große Kluft zwischen jetzigem Netto und späterer Rente, gibt es ein paar To-dos. Dazu zählen Entscheidungen über die zusätzliche Vorsorge. Oft hilft der Arbeitgeber mit tariflichen oder betrieblichen Zuschüssen: Erkundigen Sie sich, wie eine Entgeltumwandlung funktioniert. Je näher der Ruhestand rückt, umso enger sind die Maßnahmen getaktet. Nutzen Sie unseren Rentenfahrplan!

Wie viel Geld gibt die Rentenkasse jedes Jahr aus und wie viel braucht sie?

Die Ausgaben für Renten betrugen 2024 rund 345 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus Rentenversicherungsbeiträgen lagen bei 305,3 Milliarden Euro. Das ergibt eine Differenz von rund 39 Milliarden Euro.

2024 schoss der Bund 87,8 Milliarden Euro zur Rentenversicherung hinzu. Der Betrag ist aus folgendem Grund so hoch: Der Bund finanziert damit bestimmte Leistungen, zum Beispiel:

  • Höherwertung der Ost-Renten,
  • Kindererziehungszeiten,
  • Grundrentenzuschlag,
  • Witwen- und Witwerrenten und
  • Frührente ohne vollen Abschlag.

Denn diese Leistungen finanzieren sich nicht aus den Beiträgen der Versicherten.

Lösungen für das Rentensystem

Mögliche Lösungen für das Rentensystem liegen schon lange auf dem Tisch. Diese Vorschläge gehören dazu:

„In den 2050er Jahren wären wir dann bei der Rente mit 68 und in den 2070ern bei der Rente mit 69. Von einer ‚Rente mit 70‘ müssen wir also gar nicht reden“

Professor Martin Werding vom Sachverständigenrat Wirtschaft

Koppelung der Lebensarbeitszeit an die Lebenserwartung

Je älter wir werden, umso länger beziehen wir Rente. Es sei denn, es verlängert sich auch das Arbeitsleben. Sprich: Schritt für Schritt sollte das Alter für den Renteneintritt steigen. Dies fordert zum Beispiel der Wirtschaftsweise Professor Martin Werding.

Entkoppelung der Rentenerhöhung von der Lohnentwicklung

Bisher steigen die Renten in etwa so wie die Löhne. Manchmal ist dieser Anstieg mehr als nur ein Inflationsausgleich. Das könnte man ändern. Die Renten würden dann immer noch steigen. Nur nicht mehr so stark wie die Löhne.

Fehlanreize stoppen

Wer derzeit früher in Rente geht, erhält zwar meist etwas weniger Rente. Aber der Abschlag ist geringer, als er rechnerisch sein müsste. Dies ist ein Fehlanreiz.

Dasselbe gilt für die großzügigen Hinzuverdienst-Möglichkeiten zur Rente. Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht hier Mitnahmeeffekte. Stattdessen sollten Ältere möglichst lang im Arbeitsleben bleiben.

Nachhaltigkeitsfaktor

Der Nachhaltigkeitsfaktor bezieht den demografischen Wandel in die Rentenberechnung ein. Zahlen immer weniger Beitragspflichtige für immer mehr Rentner, dämpft der Nachhaltigkeitsfaktor das Rentenniveau.

Allerdings hat die Bundesregierung den Nachhaltigkeitsfaktor schon vor Jahren ausgesetzt. Dies kritisieren Experten. Ab 2031 kann er dann nach gegenwärtiger Gesetzeslage wieder greifen.

Noch mehr private und betriebliche Vorsorge

Der Staat und viele Unternehmen helfen bei der zusätzlichen Altersvorsorge. Es gibt vielfältige Förderungen, etwa für die Entgeltumwandlung oder die Riester-Rente.

Wie hoch sind die Ausgaben der Krankenkassen?

Die gesetzlichen Krankenkassen gaben 2024 rund 327 Milliarden Euro aus. Die Einnahmen betrugen rund 321 Milliarden Euro

Die Ausgaben steigen seit Jahren. Ursachen für diesen Trend sind unter anderem:

  • wachsende Aufwendungen für Krankenhausbehandlungen,
  • mehr Personalkosten,
  • höhere Kosten für Arznei- und Verbandmittel sowie die
  • Pflege Schwerstkranker zu Hause (ambulante Palliativ-Versorgung).

Warum sind die Krankenkassen in Schieflage?

Für die Finanzlage der Krankenkassen spielt der demografische Wandel eine wichtige Rolle. Viele Ältere brauchen mehr Behandlungen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Beitragspflichtigen. Außerdem treiben neue und teure Behandlungsmethoden die Kosten.

Die meisten Leistungen sind für Versicherte ohne oder mit geringer Zuzahlung. Dadurch treffen sie allerdings keine kostenbewussten Entscheidungen. Dies ist auch deshalb schwierig, weil sie Gesundheitsleistungen kaum vergleichen können: Es fehlt an Transparenz.

Das Gesundheitssystem besser aufstellen: So könnte es gehen

Der IW-Ökonom Jochen Pimpertz plädiert dafür, mehr Wettbewerb zu schaffen. Dann könnten Versicherte günstigere Lösungen wählen.

Und das bisherige beitragsfinanzierte System ließe sich ergänzen: durch eine verpflichtende private Vorsorge. Auf diese Weise würde jeder mehr Verantwortung tragen. Dies würde die Beitragssätze stabilisieren.

Auch Selbstzerstörung ist für die Krankenkassen teuer: Das Deutsche Krebsforschungszentrum schätzt die jährlichen Gesundheitskosten allein durch das Rauchen auf 30,3 Milliarden Euro. Wirksame Prävention könnte solche Kosten senken.

Wie sieht die Zukunft der Pflege aus?

Immer mehr Pflegebedürftige und immer weniger Leute, die sich um sie kümmern können: Das ist nur eine von vielen Herausforderungen in der Pflege.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt – und damit auch die Kosten

Die Ausgaben der Pflegeversicherung haben sich seit 2000 mehr als verdreifacht. Sie liegen jetzt bei rund 60 Milliarden Euro. Es gibt aktuell 5,6 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Tendenz: steigend.

Das Säulendiagramm zeigt die Zunahme der Pflegebedürftigenzahl: 2024: 5,6 Millionen, 2035: 6,3 Millionen, 2045: 7,2 Millionen.,

Personal ist äußerst knapp

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist größer als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Derzeit kommen rechnerisch auf rund 88.000 offene Stellen nur rund 46.000 geeignete Leute. Dies hat das IW ermittelt. Der Pflege-Fachkräftemangel dürfte sich weiter verschärfen.

Die Pflege zukunftsfest machen: mögliche Lösungen

Um die steigenden Ausgaben besser zu stemmen, eignen sich die folgenden Schritte:

  • Die Ausgaben auf das wirklich Wichtige beschränken: Beispielsweise der Pflegegrad 1 gehört nicht dazu. Er bezieht sich auf Personen, die nur wenig beeinträchtigt sind. Er könnte wieder abgeschafft werden.
  • Digitale Optionen nutzen: Tele-Pflege und Pflege-Apps entlasten vor allem das ambulante Personal. Auch die Pflegedokumentation lässt sich digital besser abwickeln.
  • Bürokratie minimieren: Die Schnittstellen der vielen Akteure im Pflegewesen schaffen Aufwand. Engere Kooperationen und glattere Abläufe könnten hier helfen.
  • Die Zukunft der Pflege ist bunt: Schon jetzt kommt jede sechste Pflegekraft aus dem Ausland. Mehr qualifizierte Zuwanderung ist erforderlich.

Den Sozialstaat am Laufen halten: Vorschläge von Experten

Professor Michael Hüther, Thomas Obst und Jochen Pimpertz haben sich mit der Reform des Sozialstaats befasst. Die drei Wissenschaftler sind Experten am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dies sind ihre Vorschläge:

  • Die Sozialbeiträge nicht weiter erhöhen. Das sind die Abgaben, die Beschäftigte und Arbeitgeber an die Sozialversicherungen zahlen. Sie betragen im Schnitt aktuell schon 42,5 Prozent vom Bruttolohn. Dies teilt sich wie folgt auf: 14,6 Prozent für die Krankenkasse; 18,6 Prozent für die Rentenversicherung sowie 3,6 Prozent für die Pflege- und 2,6 Prozent für die Arbeitslosenversicherung. Hinzu kommt der Zusatzbeitragssatz der jeweils gewählten Krankenkasse. Diese Abgaben machen aus viel Brutto wenig Netto. Außerdem erhöhen sie für Arbeitgeber die Arbeitskosten.
  • Wirtschaftskraft stärken: Höhere Beitragssätze schwächen die Wirtschaft. Die Experten plädieren dafür, den Wohlstand über Wachstum zu sichern. Geringere Belastungen sind dafür ein Weg.
  • Die Sozialleistungen nicht weiter ausbauen. Mehr Extras bei der Rente, in medizinischer Versorgung oder Pflege sind nicht sinnvoll. Stattdessen den Fokus auf die drängenden Aufgaben richten.
  • Sich nicht allein auf die Beiträge zur Sozialversicherung verlassen: Denn das heißt auf Dauer, dass weniger Zahlende für mehr Leistungsbezieher aufkommen. Stattdessen soll jede Person auch privat vorsorgen.
  • Zuwanderung verbessern: Fachkräfte aus dem Ausland schließen Lücken. Zudem zahlen sie in die Sozialsysteme ein – eine Win-win-Situation.
  • Erwerbsbeteiligung erhöhen: Viele Menschen sind nach IW-Erkenntnissen bereit, mehr Stunden zu leisten. Aber nur, wenn es sich für sie lohnt. Eine geringe Steuer- und Abgabenlast wäre da ein hilfreicher Schritt. Bessere Kinderbetreuung würde es Eltern ermöglichen, sich mehr einzubringen.
  • Länger im Leben arbeiten: Das funktioniert. Dies zeigen diese Beispiele aus Bayern. Denn Ältere sind heutzutage fitter als je zuvor.
  • Gesund altern: Das ist nicht nur Glückssache. Dazu kann man selbst viel beitragen – hier sind die Tipps.
Elke Bieber
Elke Bieber
Autorin und Redakteurin

Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.

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