Es blubbert und dampft wie in einer Hexenküche. Doch das Wasserbecken, groß wie eine Badewanne, ist Teil modernster Hightech. Mithilfe von elektrischer Spannung sprengt die Funkenerodiermaschine Partikel von einem Werkstück ab. Das dauert länger als mit einer Fräse, ermöglicht aber andere Bauteileigenschaften und präzise Herstellungsverfahren. Und Präzision ist alles bei den Produkten, die am Standort von Siemens Energy in Duisburg hergestellt werden: Hochleistungs-Verdichter, wie sie in vielen Bereichen der Industrie benötigt werden.
Wieder deutlich mehr investiert, Maschinenpark modernisiert
In Duisburg hat man sich auf Kompressoren vor allem für industrielle Anwendungen und die Energiebranche spezialisiert. Die Maschinen werden im klassischen Geschäft mit Öl und Gas gebraucht. Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Energieversorgung bringt aber auch zunehmend neue Einsatzmöglichkeiten, etwa bei der Nutzung von Wasserstoff oder bei der Abscheidung von Kohlendioxid, das anschließend gespeichert oder industriell genutzt werden kann. „Wasserstoff ist extrem leicht, kann sogar Metall durchdringen. Wir haben dafür sehr viel in die Materialforschung investiert“, erklärt Marcel Klinkhardt.
Der Standortleiter ist ein echtes Duisburger Eigengewächs, hat bereits seine Ausbildung am Standort absolviert. Seit Oktober 2024 verantwortet er alle Standortangelegenheiten. Alle rund 1.900 Mitarbeitende hier haben ordentlich zu tun, die Auftragsbücher sind gut gefüllt, betont Klinkhardt: „Wir hatten 15 schwierige Jahre. Aber nach der Corona-Zeit hat das Geschäft mit der Gasbranche wieder deutlich angezogen und dazu kommen jetzt vermehrt Anwendungen wie Wasserstoff und die CO2-Abscheidung.“
Wertschätzende Führungskultur etabliert
Siemens Energy kann dank der globalen Entwicklungen nun auch wieder deutlich mehr in den Standort investieren und modernisiert den Maschinenpark massiv. Ein Kernstück des 250.000 Quadratmeter großen Geländes ist das Testcenter. „Die Halle ist 40 Meter hoch und die Fläche so groß, dass ein Airbus A380 hier locker reinpassen würde. Hier können wir große Verdichter und komplette Verdichter-Stränge vor der Auslieferung testen, die Krane können bis zu 700 Tonnen heben“, erklärt Marcel Klinkhardt.
Er hebt die bemerkenswerte Entwicklung der vergangenen Jahre hervor: „Wir haben die technische Modernisierung konsequent vorangetrieben und eine neue, wertschätzende Führungskultur etabliert. Unser Ziel ist es, unseren Mitarbeitenden mit Respekt und auf Augenhöhe zu begegnen. Wir möchten sie ermutigen, offen über Themen wie Sicherheit oder auch Fehler zu sprechen. Anstatt Probleme zu verstecken, setzen wir darauf, sie sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden. Nur so können wir uns kontinuierlich weiterentwickeln.“
Denn Kreativität ist bei Siemens Energy gefragter denn je: Neue Anwendungsgebiete erfordern auch neue Lösungen. Beispiele sind die CO2-Speicherung oder der Transport und die Weiterverarbeitung von Wasserstoff, für die in Duisburg ein spezieller Verdichter entwickelt wurde. Dessen Kernstück, der sogenannte Läufer, rotiert mit bis zu 40.000 Umdrehungen pro Minute.
Hightech und Handarbeit – beides wird benötigt
Auf keinen Fall dürfen da Schwingungen entstehen. Deshalb durchlaufen alle Produkte den Härtetest im extrem gesicherten „Wuchtbunker“. Gibt es doch mal winzige Abweichungen, werden sie korrigiert – und da sind bei aller Hightech wieder Erfahrung, Feingefühl und Kompetenz der Fachkräfte gefragt: Sie schleifen minimale Unwuchten per Handgerät weg.
Das Unternehmen
Siemens Energy, ein vom gleichnamigen Konzern heute unabhängiges Unternehmen, ist auf Technologien entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette spezialisiert – von der Erzeugung konventioneller und erneuerbarer Energie über Netztechnik und Speicherung bis hin zur Elektrifizierung von Industrieprozessen.
101.000 Menschen in 90 Ländern erzielen einen Jahresumsatz von zuletzt 34,5 Milliarden Euro. Der Vorläufer des Kompressoren-Standorts in Duisburg wurde schon im Jahr 1862 gegründet.
Werner Grosch war lange Jahre leitender Redakteur einer Tageszeitung mit den Schwerpunkten Politik und Wirtschaft. Für aktiv schreibt er Reportagen aus Unternehmen der Metall- und Elektrobranche und porträtiert Mitarbeiter aus diesen Branchen mit ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten oder Hobbys. Privat und beruflich ist er am liebsten mit dem Rad unterwegs.
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