Seeger-Orbis: So will der Weltmarktführer im China-Speed bestehen
Seeger-Orbis ist führend bei innovativen Befestigungslösungen wie den berühmten Seeger-Ringen. Trotzdem muss sich das Traditionsunternehmen aus Königstein nun neu erfinden. Geschäftsführer Jan Schmidt erklärt, warum.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Seeger-Orbis ist Weltmarktführer für Sicherungs- und Sprengringe – bekannt für maßgeschneiderte Produkte und deutsche Qualität.
- Das Unternehmen steckt in einer Restrukturierung und will digitaler und produktiver werden.
- CEO Jan Schmidt setzt auf Offenheit, klare Ziele und die Erfahrung der Belegschaft, um Seeger-Orbis zukunftsfähig aufzustellen.
Seeger-Ringe halten Bauteile in Maschinen und Anlagen sicher zusammen. Die Produkte der Firma Seeger-Orbis aus Königstein sind in jedem Auto zu finden – und so berühmt, dass der Markenname zum technischen Allgemeinbegriff wurde. Dennoch kämpft das Unternehmen mit Umsatzrückgängen und steckt mitten in der Restrukturierung. Geschäftsführer Jan Schmidt erklärt im Gespräch mit aktiv, wie sich der Weltmarktführer neu aufstellt.
Herr Schmidt, was zeichnet Seeger-Orbis aus?
Wir sind der Weltmarktführer für Befestigungselemente sowie Sicherungs- und Sprengringe. Und wir entwickeln maßgeschneiderte Hochleistungsringe für moderne Antriebe. Unsere Ringe gibt es von winzig klein bis zu einem Durchmesser von über einem Meter – die größten braucht man zum Beispiel in Windkraftanlagen.
Bestehen alle Seeger-Ringe aus Federstahl?
Nein, es gibt Ringe aus Edelstahl und Federstahl, obwohl wir hauptsächlich Produkte aus Federstahl fertigen. Je nach Kundenanforderung werden unsere Produkte individuell ausgelegt und hergestellt, um die notwendigen Kriterien zu erfüllen.Ein Seeger-Ring von uns hat immer Spitzenqualität, darauf kann man sich verlassen.
„Ich weiß aus eigener Erfahrung, was Menschen in der Produktion leisten“
Jan Schmidt, CEO Seeger-Orbis
Das Unternehmen hat eine wechselvolle Geschichte …
… mit wechselnden Eigentümern. 1917 von Willi Seeger in Frankfurt aufgebaut, wurde der Betrieb 1949 hier in Königstein neu gegründet. 1970 übernahm die schwedische SKF-Gruppe, 1995 wurden wir an die US-amerikanische TransTechnology Corporation verkauft, 2002 dann an den US-Konzern Barnes Group. Seit 2020 gehört Seeger-Orbis der deutschen Kajo Neukirchen-Gruppe.
Sicherungsring: Kleines Bauteil, große Wirkung
Ein Sicherungsring hält Bauteile wie Lager, Zahnräder oder andere Maschinenteile an ihrem Platz. Dafür wird er in eine Nut auf einer Welle oder in einer Bohrung eingesetzt. So verhindert er, dass sich die Bauteile seitlich verschieben. Sicherungsringe gibt es in verschiedenen Formen, Größen und Materialien. Häufig bestehen sie aus Federstahl, bei besonderen Anforderungen auch aus Edelstahl. In Autos, Maschinen, Windkraftanlagen und vielen anderen technischen Anlagen sorgen sie jedoch dafür, dass Bauteile sicher funktionieren. Der Begriff Seeger-Ring geht auf den Hersteller Seeger-Orbis zurück und wird oft als allgemeine Bezeichnung für solche Sicherungsringe verwendet.
Was hat sich dadurch geändert?
Die Gruppe wurde 2003 von dem Manager und Unternehmenssanierer Dr. Kajo Neukirchen gegründet, heute gehört sie der zweiten Familiengeneration. Das Interesse der Familie gilt langfristigen Investitionen in mittelständische Unternehmen mit eigener Produktion, internationaler Ausrichtung und Wachstumspotenzial. All das bietet Seeger-Orbis, zumal wir seit 2013 auch einen Produktionsstandort im chinesischen Tianjin haben. Allerdings ist auch klar, dass wir hier viel verändern müssen, damit sich das Unternehmen auch in Zukunft von Deutschland aus am Markt behaupten kann. Und genau dabei unterstützt uns die Kajo Neukirchen-Gruppe.
Sie kamen vor einem Jahr als CEO, um die Neuaufstellung voranzutreiben. Warum fiel die Wahl auf Sie?
Wahrscheinlich, weil ich in meinem bisherigen Berufsleben gezeigt habe, dass ich dranbleibe und auch schwierige Aufgaben meistere. Beim Verbindungstechnikspezialisten Norma Group war ich schon vor Jahren in Restrukturierungsprojekte eingebunden, danach bei der Schunk Group unter anderem als Geschäftsführer der Carbon Technology verantwortlich für die Produktion in 16 Werken weltweit.
Sie haben auch als Mechatroniker in der Produktion gearbeitet, ehe Sie nach Weiterbildung und Studium ins Management wechselten. Ist es ein Vorteil, dass Sie aus der Fertigung kommen?
Ja, ganz sicher. Ich weiß, wie man Maschinen bedient, wie sie funktionieren und wie man das Beste aus ihnen herausholt. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, was Menschen in der Produktion leisten und wie man sich fühlt, wenn man nachts in der Schicht auf den Beinen war. Aber ich habe auch gesehen, was Menschen in China leisten, wie ehrgeizig sie sind und wie schnell sich dort alles entwickelt. Und genau diese Geschwindigkeit muss uns auch hier vorantreiben. Die Industriewelt arbeitet im „China-Speed“, ob uns das passt oder nicht. Wir müssen da mithalten oder sind weg vom Fenster.
Was meinen Sie mit China-Speed?
Die Industrie in China entwickelt sich rasant, dank internationaler Nachfrage und durch staatliche Unterstützung. China geht proaktiv auf Unternehmen zu, um beim Auf- und Ausbau eines Werks zu helfen. Das Land garantiert bei Kreditverträgen niedrige Zinsen, man bringt uns mit potenziellen Kunden zusammen und schafft viele weitere Investitionsanreize. Wir werden zum Jahreswechsel innerhalb von Tianjin China umziehen und können aufgrund von staatlichen Förderungen neun Monate mietfrei produzieren. Unser Werk dort wächst, zählt 45 Beschäftigte und wir beliefern von dort hauptsächlich Kunden aus Asien
Und wie sieht es in Deutschland aus?
In Deutschland läuft man allem hinterher, muss sich durchfragen, wird vertröstet und kämpft überall mit der Bürokratie. Bis wir hier alles bedacht und ausdiskutiert haben, ist ein anderer schon am Markt. Hier wachsen stetig Aufwand und Kosten, aber leider nicht die Umsätze. Für Seeger-Orbis heißt das: Wir müssen schnell umbauen, digitaler und produktiver werden. Unsere Projekte zur Restrukturierung laufen schon. Dazu gehört leider auch Stellenabbau.
Was tun Sie, damit die Belegschaft die Restrukturierung unterstützt?
Ich setze auf Ehrlichkeit und einen respektvollen Umgang auf allen Ebenen, bei der Betriebsversammlung wie im direkten Gespräch. Man muss Richtung und Ziel definieren, den Nordstern vorgeben. Dann können Menschen auch folgen. Und sie tun es. Inzwischen bekomme ich aus der Belegschaft viel positive Resonanz. Viele haben selbst gemerkt, was hier in der Vergangenheit nicht gut lief, und wollen die Veränderung. Aber natürlich gibt es auch Kritik, und der muss man sich stellen.
Was stimmt Sie optimistisch?
Unsere tolle, sehr qualifizierte Belegschaft. Sie kämpft, um das Werk weiterzuentwickeln. Und unser hervorragendes Produkt. Selbst in China ist der Name Seeger ein fester Begriff für „German Quality“.
Zur Person
Jan Schmidt, geboren 1980 in Fulda.
- Norma Group: Ausbildung zum Mechatroniker, Feinwerkmechanikermeister, berufsbegleitend. Betriebswirtschaftsstudium, verschiedene Management-Positionen, auch international.
- Schunk Group: verschiedene Management-Positionen, Verantwortung für die Produktion in Werken weltweit.
- Seeger-Orbis: seit 2025 Geschäftsführer und CEO.
Das könnte Sie auch interessieren:







