Das Wichtigste auf einen Blick:
- Rund 90 Beschäftigte an mehr als 70 Prüfanlagen garantieren bei SDC Neuenrade in Südwestfalen höchste Präzision.
- Der Großteil der Kunden kommt aus dem Automotivbereich. Aber auch Teile von Möbeln, aus den Bereichen Weißware und Elektro oder aus dem Fensterbau werden hier geprüft.
- KI und eigene Sonderanlagen sichern die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz des SDC.
Es rasselt und klackert, es leuchtet rot, grün und blau. Es ist viel los im Service- und Dienstleistungs-Center (SDC) in Neuenrade: 2,5 Milliarden Teile werden hier pro Jahr durchgeschleust. Geprüft, sortiert, verpackt. Es sind nicht die ganz großen Dinge, mit denen die rund 90 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb zu tun haben. Stifte, Schrauben, Bolzen, Federn, Unterlegscheiben liegen in den Kisten, oft winzig klein und doch so wichtig, dass jedes einzelne Teil geprüft werden muss. „Ein Großteil unserer Kunden kommt aus dem Automotivbereich“, sagt Geschäftsführer Björn Bender, „aber es geht auch um Möbel, Fensterbau, Weißware und Elektro.“ Immer sind es Teile, die einwandfrei funktionieren müssen und oft sicherheitsrelevant sind – wie die Schnallen für den Sicherheitsgurt.
2,5 Milliarden Teile werden bei SDC jährlich geprüft
Null-Fehler-Quote für sicherheitsrelevante Teile garantiert
„Wir garantieren diese Sicherheit. Auch das ist eine Entlastung für den Kunden“, erklärt Bender, der gemeinsam mit seinem Cousin Sebastian Haarmann in den Betrieb der Väter eingestiegen ist. Die haben 1997 mit Kurierfahrten angefangen, dann zunehmend Sortierarbeiten übernommen. Mittlerweile ist aus dem Garagenbetrieb ein Dienstleister mit einem Hightech-Maschinenpark an zwei Standorten geworden, der für Unternehmen aus ganz Europa die 100-Prozent-Kontrolle und Sortierung industrieller Serienteile erledigt.
„Unsere Kunden sparen sich die eigenen Anlagen. Und wir bieten eine große Expertise“, sagt Bender: „Wir finden manchmal Fehler, die dort noch gar nicht bekannt waren.“ In den unterschiedlichsten Verpackungseinheiten kommen die Produkte an. „Auch wenn weniger geht, sind 100.000 Teile und mehr eine gute Größe“, meint er und hat dabei vor allem die Rüstkosten an den Anlagen im Blick. „Alle Prozesse sind auf die jeweiligen Kundenwünsche ausgerichtet.“ Das ist sehr personalintensiv.
Das Service- und Dienstleistungs-Center ist eins der größten in Europa
Die angelieferten Teile werden in eigene Behälter umgeschüttet, kontrolliert und anschließend wieder so verpackt, wie der Kunde es wünscht. Gewinde, Winkel, Durchmesser von Bohrungen, Abstände, Längen, Oberflächen und Materialeigenschaften können gecheckt werden. „Alles ist messbar“, lautet das SDC-Motto. Mehr als 70 Prüfanlagen stehen dafür bereit. Auf Bandanlagen laufen Teile auf einem Förderband liegend an der Kamera vorbei. In Slotteller-Anlagen können sie eingehängt an der Prüfstation vorbeigeführt werden. Auf Glasring-Anlagen liegen die Teile auf einem transparenten Teller, sind so von allen Seiten sichtbar.
Bis zu zehn Kameras sind auf die Produkte gerichtet, nehmen jedes einzelne auf. Entdecken Risse, Fehler an der Oberfläche oder am Gewinde, Grate, wo sie nicht hingehören, Längen, die nicht stimmen. Nach dem Aschenputtel-Prinzip „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ werden die IO (In Ordnung)- und NiO (Nicht in Ordnung)-Teile jeweils direkt in die entsprechenden Behälter separiert.
Prüftechnik als Rückgrat der Industrie
Rund ein Fünftel der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland entsteht laut dem Bundeswirtschaftsministerium im Verarbeitenden Gewerbe. 95 Prozent der Warenexporte werden hier erwirtschaftet. Eine funktionierende Qualitätsinfrastruktur mit hochpräzisen Sortier- und Prüfprozessen ist entscheidend für die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland. Sie sorgt dafür, dass sicherheitsrelevante Komponenten in Automobilbau, Elektro-Industrie oder Metallverarbeitung zuverlässig funktionieren und internationale Qualitätsstandards einhalten.
KI: Der Einsatz künstlicher Intelligenz ist der nächste Schritt
Härteprüfungen sind zusätzlich mittels Wirbelstromverfahren möglich. Komplexere Teile, die nicht automatisch zugeführt werden können oder mit der Kamera nicht abbildbar sind, gehen an die manuellen Prüfstationen, an denen jedes Teil in die Hand genommen wird. Der Großteil der Anlagen ist jedoch automatisiert, die meisten sind in der eigenen Abteilung für Sonderanlagenbau entwickelt und gebaut worden. Dort arbeiten die Mitarbeiter gerade am nächsten großen Projekt. Der Einsatz künstlicher Intelligenz kann die Bilderkennung und damit die Qualität der Überprüfung noch einmal auf ein höheres Niveau bringen.
„Wenn Mitarbeiter weniger zu tun haben, haben sie mehr Zeit, Umlaufbestände zu prüfen“
Björn Bender, Geschäftsführer SDC
Energie- und Arbeitskosten, zu viel Bürokratie: Angespannte Wirtschaftslage macht sich bemerkbar
Die Investition soll Standort und Wettbewerbsfähigkeit sichern. SDC sei im Bereich der automatischen Sortierung einer der größten Anbieter in Europa: „Wir können immer noch mehr als andere.“ Aber die Mitbewerber schlafen nicht. Ein Problem: Die Arbeitskosten in Deutschland sind ein größerer Faktor als die Transportkosten, so Bender.
Auch die Neuenrader kämpfen mit schlechten Rahmenbedingungen, hohen Energiekosten, zu viel Bürokratie. Die angespannte wirtschaftliche Lage macht sich bemerkbar. „Die Liefergrößen werden kleiner“, hat Bender festgestellt. Heißt: Es muss öfter umgerüstet werden. Das kostet. Die Zahl der Aufträge insgesamt habe zuletzt aber zugenommen. Es kommen mehr Aufträge rein, die mit Reklamationen zusammenhängen. Eine Folge der Krise in anderen Betrieben? Bender vermutet: „Wenn Mitarbeiter weniger zu tun haben, haben sie mehr Zeit, Umlaufbestände zu prüfen.“ Die Folge: Bei den Kunden wird reklamiert und die wenden sich dann an SDC. Für die lückenlose Endkontrolle.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
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