Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Hecht Technologie entwickelt Anlagen, die hochaktive, toxische oder explosionsgefährliche Schüttgüter sicher transportieren und exakt dosieren.
  • Es gelten höchste Sicherheitsstandards. Kein Staub darf entweichen – zum Schutz von Mensch, Produkt und Umwelt. Gearbeitet wird teils im Nanogramm-Bereich.
  • Die Anlagen werden weltweit in Pharma-, Chemie- und Lebensmittel-Industrie eingesetzt. Jede ist ein Unikat und kombiniert verschiedene Systeme.

Zucker, Salz, Sand, das wär ja leicht. Solche Schüttgüter rieseln gut, lassen sich daher relativ problemlos fördern und dosieren. Auch in großem Stil. Die Firma Hecht Technologie hat es da mit ganz anderen Dingen zu tun. In den Anlagen des Familienunternehmens aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm werden weltweit teils hochaktive, toxische und sogar explosionsgefährliche Stoffe in Produktionsanlagen transportiert, teilweise über mehrere Stockwerke hinweg.

Hecht hat seinen Sondermaschinenbau auf das Handling der sensiblen Pulver ausgerichtet. Kopfschmerztablette und Knochenzement – die Herstellung solcher Produkte ist komplex. Sie erfordert viele Schritte, bei denen Zutaten exakt dosiert, gemischt, gewogen und abgefüllt werden – mit Technik von Hecht. Das Unternehmen arbeitet für bekannte Größen aus der Chemie- und Pharmabranche sowie der Lebensmittel-Industrie. „Die richtigen Referenzen und das Know-how haben wir“, so Markus Behringer, der Geschäftsführer von Hecht.

Nützliches Wissen

Kein Stäubchen darf da entweichen

Hecht Technologie nimmt seine Aufgabe ernst. Sehr ernst. „Wir müssen Produkt und Bediener schützen“, so Behringer. Kein Stäubchen, keine gefährliche Substanz darf im Produktionsprozess in die Umwelt entweichen, keine Verunreinigung in die Anlagen gelangen.

Man arbeitet da teils im Nanogramm-Bereich (milliardstel Gramm). Vertriebschef Tobias Leder gibt ein Beispiel für die sehr strengen Anforderungen in der Prozess- und Sicherheitstechnik: Ein Teelöffel Pulver, verteilt auf die ganze (!) Münchner Allianz-Arena, so viele Partikel sind bei der höchsten Sicherheitsstufe in etwa „erlaubt“. Ein Beispiel sind Zellgifte zur Herstellung von Krebs-Medikamenten.

„Wir sind technisch vornedran, dadurch gewinnen wir Großprojekte“

Markus Behringer, Geschäftsführer Hecht Technologie

Hecht hat für sicheres Schüttguthandling zahlreiche Sondermaschinen, etwa geschlossene Befüll- und Entleersysteme für Fässer, Container, Säcke und Big Bags – sie ähneln riesigen Ikea-Taschen – nur dass sie statt Krimskrams aus dem Möbelhaus sicher eingetütetes Pulver enthalten.

Containment

  • Maschinen und Anlagen für Containment spielen eine wichtige Rolle in vielen Industriezweigen. Sie verhindern, dass gefährliche Substanzen aus dem Produktionsprozess entweichen oder ein Produkt durch Fremdstoffe in der Umgebung verunreinigt wird.
  • Das ist äußerst wichtig in der Pharma-Industrie, wo Hersteller von Arzneimitteln und Wirkstoffen sehr hohe Anforderungen an Reinheit und Sicherheit stellen.
  • Technologien zum sicheren Dosieren und Fördern setzt man im Lebensmittelbereich ein, etwa zum Herstellen hochwertiger Lebensmittel wie Babynahrung, Nahrungsergänzungsmitteln oder Enzymen.
  • Auch in der Chemiebranche, hier vor allem in der Feinchemie, Biotechnologie sowie bei Farben- und Lackherstellern, ist der Einsatz von Containment-Lösungen etabliert.
  • Bei vielen Pulvern herrscht zudem Explosionsgefahr. So auch in Bäckereien und Mühlen. Dort entsteht feiner Mehlstaub, der sich in der Luft verteilt und leicht entzündlich ist. Trifft der Staub auf Funken oder heiße Oberflächen, kann es zu einer Explosion kommen. Das gilt es zu verhindern.

Jede Anlage ist hier ein Unikat

9,6 Tonnen Pulver pro Stunde bewältigt der „Riesenstaubsauger“, die pneumatische Förderanlage Pro Clean Conveyer

Quelle: Hecht Technologie

Ein Hecht-Klassiker ist die pneumatische Förderanlage Pro Clean Conveyer, ein „Riesenstaubsauger“ für staubfreien Pulvertransport. „Mit dem System sind wir Marktführer“, so Behringer. Es arbeitet mit Vakuum, verbindet etwa Mischer und Abfüllanlagen, Kapazität: 9,6 Tonnen pro Stunde. Dazu kommen Dosier- und Verwiegebehälter und „Gloveboxen“ zur sicheren Probenentnahme mit Spezial-
Handschuh und Schleuse.

Die Standardkomponenten sind kombinierbar, je nach Anforderung. „Bei uns gibt’s keine Maschine zweimal, es sei denn, ein Kunde bestellt doppelt“, so Behringer. Die Ausführung erfolgt in Edelstahl, alles blitzblank.

Bei Hecht stehen keine Fräs- und Drehmaschinen. Die Komponenten und Baugruppen werden aber hier konstruiert und dann von Auftragsfertigern erstellt. „Mit den meisten arbeiten wir schon lange zusammen“, so Behringer, „das sind alles hochspezialisierte Metallbaubetriebe aus Bayern.“

Vor Aufstellen und Inbetriebnahme beim Kunden wird alles in der Montagehalle im technischen Service Center in Pörnbach aufgebaut. Die Anlagen werden getestet, vorverdrahtet und mit aufgesteckten Schläuchen ausgeliefert.

„Für die Tests nehmen wir Substitute“, so Standortleiter Wolfgang Holzner. Nur einmal, da wollte ein Kunde sein Originalpulver nutzen. „Danach war alles gelb.“ Gut, dass die Anlage auf Knopfdruck gereinigt wird: automatische Spülfunktion.

Das Unternehmen

  • Hecht Technologie steht für Planung, Realisierung und Betreuung von Maschinen zum sicheren Schüttguthandling.
  • Die Standardlösungen wie Befüll- und Entleersysteme, pneumatische Förderer sowie Dosier- und Verwiegebehälter können vielseitig miteinander kombiniert werden.
  • Gestartet 1978 als Ein-Mann-Betrieb, entwickeln heute 150 Spezialistinnen und Spezialisten innovative Anlagen für weltweit über 1.000 Food-, Pharma- und und Chemieunternehmen.
Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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