Einsteigen, Gurt schließen und zurücklehnen. Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie entwickeln einiges an Technik, damit wir künftig entspannter und auch nachhaltiger fliegen können. Drei Beispiele aus der Luftfahrt.

Diehl Aviation setzt auf digitales Kabinendekor und barrierefreie Bordtoilette

Das Unternehmen Diehl Aviation in Nürnberg zeigt, wie die Flugzeugkabine von morgen aussehen könnte. Der Systemlieferant setzt auf elektronisches Design, umweltfreundliche Materialien sowie durchdachte Lösungen für Reisende mit besonderen Bedürfnissen.

Innovation Nummer eins ist „eDecor“. Das Verfahren kennt man vom E-Book, wo elektronische Tinte für gute Lesbarkeit und Kontraste sorgt. Winzige Farbstoff-Mikrokapseln in einer Folie reagieren auf elektrische Impulse. Damit lässt sich das Dekor von Wandverkleidungen und Trennwänden im Flugzeug ganz einfach verändern, ohne dass das Material ausgetauscht werden muss. Das elektronische Kabinendesign eignet sich für neue Maschinen und zum Nachrüsten älterer Verkehrsflugzeuge.

„Space hoch drei“ nennt sich die nächste Innovation aus dem Hause Diehl. Dahinter verbirgt sich eine besondere Bordtoilette für Langstreckenflugzeuge, entwickelt für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Zwei WC-Abteile lassen sich flexibel verbinden, um Platz für Rollstuhlfahrer zu schaffen. Berührungslose Bedienung sowie Sprach- und sogenannte lichtgeführte Assistenz erleichtern Passagieren mit Sehbehinderung das Fliegen. Recyclingfähige biobasierte Materialien gehören ebenso zum Flugzeuginnenraum der Zukunft.

Kleine Kraftprotze: Spezialfahrzeuge von Goldhofer fahren elektrisch

Guter Ground Support am Flughafen ist wichtig, damit Reisende pünktlich und bequem abheben können. Das Unternehmen Goldhofer in Memmingen im Allgäu ist hierfür Spezialist. Der Hersteller von Schwerlast- und Spezialtransportfahrzeugen entwickelt und fertigt auch Ausrüstung zur Abfertigung am Airport. Dazu gehören etwa Flugzeugschlepper, Bergesysteme sowie Transportfahrzeuge für Gepäck und Fracht.

Aushängeschild der Goldhofer-Flotte ist der „Phoenix“. Der sogenannte stangenlose Schlepper, der die riesigen Flieger Richtung Rollfeld zieht, hat sich als Standard im Markt etabliert. Der Kraftprotz ist heute in über 60 Ländern und bei weltweit über 140 Airlines und Flughäfen im Einsatz. Mehr als 1.000 Stück wurden bereits produziert.

Das Fahrzeug gibt es inzwischen auch als emissionsfreie Elektro-Variante. Der Münchner Flughafen hat gleich mehrere dieser modernen E-Schlepper bestellt und will damit bis 2028 den emissionsfreien Ground Support am „MUC“ einläuten.

Das Vorfeldfahrzeug verfügt über ein starkes Batterie- und Antriebssystem, das für das präzise und effiziente Manövrieren der schweren Flugzeuge gebraucht wird. Ein Thermomanagement-System optimiert den Energieverbrauch und sorgt so für mehr Reichweite. Durch Rekuperation wird zudem Energie beim Bremsen zurückgewonnen.

Enorme Energie: Null Emissionen beim Flug mit der Brennstoffzelle von MTU

Nachhaltiger Fliegen – daran tüfteln derzeit Entwickler beim Münchner Triebwerkhersteller MTU Aero Engines. Mitte Juni verkündete das Unternehmen, dass es wichtige Meilensteine vor allem bei seiner innovativen „Fliegenden Brennstoffzelle“ (Flying Fuel Cell, FFC) erreicht hat.

Der Antrieb erfolgt hier mit elektrischer Energie, indem Wasserstoff und Sauerstoff reagieren. So entstehen keine klimaschädlichen Emissionen. Zunächst, so der Plan, soll die Brennstoffzelle für Kurzstrecken ab 2035 im Regionalverkehr dienen, ab 2050 soll sie reif für Kurz- und Mittelstrecken sein. Um dieses Ziel zu erreichen, forscht MTU mit sieben weiteren europäischen Partnern.

Immerhin: Das Design der Brennstoffzelle steht inzwischen, der E-Motor hat seinen ersten Test erfolgreich bestanden. Am Standort München hat der erste Prüfstand seinen Betrieb aufgenommen. „Mit dem erfolgreich abgeschlossenen Critical Design Review für unseren ersten elektrischen 600-Kilowatt-Antriebsstrang lassen wir die Designphase hinter uns und starten in die Fertigung und Montage“, so Barnaby Law, MTU-Chefingenieur für die Brennstoffzelle.

Auch herkömmliche Antriebe macht MTU Aero Engines nachhaltiger. So verbrauchen moderne Triebwerke weniger Treibstoff und stoßen weniger Emissionen aus. Ein innovativer Turbofan soll zusätzlich Abgaswärme nutzen, das erhöht den Wirkungsgrad.