Der Wichtigste auf einen Blick:

  • Nur 14 Prozent der M+E-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bezeichnen ihre Geschäftslage als gut.
  • Monatlich gehen in der Branche rund 2.100 Arbeitsplätze verloren.
  • Politik muss bei Höhe der Sozialbeiträge gegensteuern.

Vor massiven Wohlstandsverlusten warnt der Präsident von METALL NRW, Arndt G. Kirchhoff: Die Politik dürfe „keine Zeit mehr verlieren, um grundlegende Reformen umzusetzen“, mahnte Kirchhoff bei der Vorstellung der jüngsten Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbands.

Demnach ist die Stimmung in den Unternehmen der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) weiterhin im Keller. Von den 354 Betrieben mit insgesamt fast 95.000 Beschäftigen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, bezeichnen gerade mal 14 Prozent ihre Geschäftslage als gut. Nur 10 Prozent rechnen innerhalb der kommenden sechs Monate mit einer Besserung.

„Deutschland braucht einen wirtschafts- und sozialpolitischen Befreiungsschlag“

Arndt G. Kirchhoff, Präsident von METALL NRW

Seit Juni 2024 gehen Monat für Monat rund 2.100 Arbeitsplätze in der größten Industriebranche Nordrhein-Westfalens verloren. Eine Umkehr dieses Trends ist laut Umfrage nicht zu erwarten – zumal die Produktion inzwischen um ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau von 2018 liegt.

Deutschland müsse endlich zur Kenntnis nehmen, so Kirchhoff, dass sich wichtige Volkswirtschaften der Welt nicht mehr an Handelsregeln halten und ihre Märkte mit Zöllen abschotten. Umso mehr müsse Deutschland seine Hausaufgaben machen – nötig sei „ein wirtschafts- und sozialpolitischer Befreiungsschlag“. Denn: „Geht der Anstieg der Lohnzusatzkosten ungebremst so weiter und liegen die Sozialbeiträge Mitte der 2030er Jahre bei 50 Prozent, brauchen wir uns in Deutschland über alle anderen Themen wie Energiepolitik, Sozialpolitik, Klimaschutz oder auch Wehrhaftigkeit bald nicht mehr zu unterhalten.“

Kirchhoff fordert daher eine ehrliche Debatte über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit – und appelliert an die Gewerkschaften, in dieser Frage ihre „Politik der verschränkten Arme“ zu überdenken.

Thomas Goldau
Redaktionsleiter aktiv

Thomas Goldau schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Politikthemen. Nach dem Politikstudium an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und einem Zeitungsvolontariat beim „Offenburger Tageblatt“ hat er bei Tageszeitungen und einem Wirtschaftsmagazin über den Politikbetrieb in Bonn, Berlin und Brüssel berichtet. Privat zieht es den Familienvater regelmäßig mit dem Wohnmobil in die Ferne.

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