Intelligente Fertigung – made in Töging. Das ist Spangler Automation. Für seine Innovationskraft wurde das Familienunternehmen aus dem Altmühltal jetzt mit dem Bayerischen Mittelstandspreis ausgezeichnet. Mit seinen Automatisierungslösungen ist es wichtiger Zulieferer für Maschinen- und Anlagenhersteller weltweit, die Steuerungen sind unverzichtbar für die Digitalisierung. „Die Vielfalt bringt’s“, sagt Tina Lambert, seit gut zehn Jahren geschäftsführende Gesellschafterin von Spangler. Sie leitet die Firma mit Christian Brandmüller, er verantwortet den Vertrieb.
Beide haben täglich viele Projekte im Blick. Maschinensteuerungen, Energiemanagement- und Leitsystemen von Spangler begegnet man in der Agrarwirtschaft ebenso wie in der Umwelttechnik, Trinkwasserversorgung oder der Herstellung von Lebensmitteln. „Das Besondere ist, dass wir so viele Branchen bedienen“, sagt Brandmüller und ergänzt: „Wir bleiben dran, bis wir für jeden Kunden eine Lösung finden.“
Technik für die Welt – im Freistaat daheim
Im Altmühltal denkt man international. Die Hälfte der Anlagen ist für den Export bestimmt. Etwa zum Plastikrecycling auf Hawaii, um die Sortiermaschinen und Pressen zu steuern. Oder für eine solare Klärschlammtrocknung in Ägypten, das bisher größte Projekt des Unternehmens. Spangler lieferte die elektrotechnische Steuerung für 128 Maschinen, die nun in riesigen Glashäusern mitten in der Wüste den Schlamm trocknen und wenden.
Technik für die Welt, im Freistaat daheim. „Hier von Bayern aus planen, programmieren und fertigen wir alle unsere Anlagen“, betont Lambert. Die Diplom-Betriebswirtin und Tochter des Firmengründers Franz Spangler hat internationale Erfahrung, ist zugleich in der Region fest verankert. Als ihr Vater früh verstarb, kehrte sie ins Unternehmen zurück und schloss einen MBA und eine Ausbildung als Elektronikerin mit Fachrichtung Automatisierungstechnik an, ein klassischer M+E-Beruf.
Das Wissen nutzt sie, um die Firma stetig weiterzuentwickeln. „1987 haben wir hier die erste Schaltanlage gebaut“, sagt sie und freut sich: „Den Kunden haben wir immer noch!“
Vom Kartoffel- bis zum Meisenknödel
Oft gelingt es, Know-how von einer Branche auf die andere zu übertragen. „Eine Pumpe für ein Klärwerk wird auf gleiche Weise angesteuert wie eine Wasserpumpe in der Lebensmittel-Industrie“, weiß Kollege Brandmüller. „Wir müssen uns also nicht immer neu erfinden.“
Bestes Beispiel sind Knödel. Spangler automatisierte die neue Kartoffelverarbeitungslinie des bayerischen Herstellers Burgis, inklusive Bedienstationen in der Fertigung, Kapazität: 250 Tonnen Kartoffeln am Tag. Hier wird geschält, gekocht, gerieben und gerollt, Spangler hilft bei intelligenten Fertigungsschritten.
Das war offenbar gut gelöst, denn ein weiteres Unternehmen fragte an, ebenfalls zu einem runden Produkt: Meisenknödel für Vögel! Für den Mix aus Nüssen, Fett und Sonnenblumenkernen müssen „die Gebläse, Schnecken und Förderbänder genau aufeinander abgestimmt sein, damit das eine runde Sache wird“, so Lambert.
Ein Herz für Umwelt und Natur
Und von dieser kann man nie genug haben, wie man in Töging am Zaun ums Firmengelände sieht. Die Geschäftsführerin lässt an der Futterstelle regelmäßig nachlegen, sie hat ein Herz für Umwelt und Natur. Das Unternehmen ist „Blühender Betrieb“, eine Auszeichnung der bayerischen Staatsregierung. „Innen digital – außen Natur“, so die Devise von Spangler. Es gibt Lavendel, Eidechsen, Bienen und ein Biotop.
Positiver Nebeneffekt: Mittagspause im Grünen für die Mitarbeitenden. Auch für sie tut Spangler viel. Es gibt Angebote zu Gesundheit, Sport, Gemeinschaft und eine Notfallbetreuung für Kinder. Das ist Lambert, selbst Mutter, wichtig.
Weil sich die Branche schnell verändert, wurden jüngst zudem 60 Kolleginnen und Kollegen zum Thema künstliche Intelligenz geschult. KI hilft in Marketing und Vertrieb und im Bereich Programmierung bei der Generierung von Codes.
Portfolio für erneuerbare Energien
Zukunftsfähigkeit ist ein weiteres Stichwort, das Lambert und Geschäftskollege Brandmüller aus der Seele spricht. Das Unternehmen ist auf wichtigen Zukunftsfeldern präsent. So gehört die Umwelttechnik zu den bedeutendsten Branchen im Portfolio. Spangler liefert Schaltanlagen für erneuerbare Energien, etwa zur Steuerung von Biogasanlagen oder der Ausrichtung von Solarpaneelen je nach Sonnenstand. Noch größere Dimensionen verlangt die Bau-Industrie bei Fertigungsleitsystemen für Halbschalen, aus denen Windradtürme entstehen.
Und noch einen Schritt weiter ist Spangler dabei, wenn Wasserstoff umweltfreundlich aus Windkraft erzeugt wird. Die Schalt- und Steuertechnik wird zum Betrieb von Elektrolyseuren gebraucht, die grünen Strom in Wasserstoff umwandeln. Automatisierung ist an vielen Stellen gefragt.
Das Unternehmen Spangler
- Der 1981 gegründete Familienbetrieb beschäftigt 150 Mitarbeitende, sie betreuen über 500 Projekte in 50 Ländern im Jahr.
- Seine Kernkompetenz ist die Planung und Programmierung von Automatisierungsanlagen.
- Das umfasst Leitsystemprogrammierung, Soft- und Hardware, Montage, Inbetriebnahme sowie die Wartung.
„M+E ist mein Ding“

- Das habe ich gelernt: Ich bin Diplom-Betriebswirtin, habe einen MBA und einen Abschluss als Elektronikerin.
- Damit kenne ich mich aus: Mal bin ich auf der Tunnelbaustelle, dann in einem Lebensmittelwerk oder in einem Klärwerk. Immer was Neues.
- Das ist bei uns echt gut: Wir sind ein klassisches inhabergeführtes Unternehmen. Bei uns geht es sehr familiär zu. Zur Geschäftsleitung gehören neben Christian Brandmüller und Prokurist Thomas Zenk auch Cornelia Hofmann, meine Cousine.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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