Essen/Mannheim. Es ist ein Paukenschlag, ein historischer Deal: Die beiden Marktführer und großen Rivalen auf dem Strommarkt agieren künftig als Partner. RWE bekommt eine große Menge Eon-Aktien – und gibt dafür einen großen Teil seiner Ökostrom-Tochter Innogy an Eon ab.

Während die Anlagen von Innogy bei RWE bleiben (es sind vor allem Windparks auf See und an Land), gehen an Eon sämtliche Stromnetze von Innogy sowie das gesamte RWE-Vertriebsgeschäft mit Endkunden.

Am Ende dieser Transaktion werden die beiden Kontrahenten im Schulterschluss agieren: RWE produziert Energie in konventionellen Kraftwerken, Wind- und Solarparks – und verteilt und verkauft wird diese Energie von Eon. Schon 2016 hat dieses Unternehmen, das einst aus den Stromproduzenten Preussenelektra und Bayernwerk hervorging, seine Kohle- und Gaskraftwerke in eine Tochter ausgelagert, die jetzt an den finnischen Versorger Fortum verkauft wird. Sie sind künftig ein Konkurrent für RWE.

Die Kartellbehörden müssen der RWE-Eon-Allianz noch zustimmen. Führt die am Ende zu höheren Stromtarifen? „Nein“, sagt Nikolas Wölfing, Energie-Experte am Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW in Mannheim. Auch die Versorgungssicherheit und die Ziele der Energiewende seien nicht gefährdet: „Die Allianz verändert erst mal nicht die Anreize für Investitionen. Aber die beiden fokussieren jeder für sich ihr Geschäft. Deshalb macht ihr Schritt durchaus Sinn.“

Marktanteil von RWE; Eon, EnBW und Vattenfall ist gesunken

Dass er keine Preiserhöhungen erwartet, begründet Wölfing so: „Die Marktmacht der Energiekonzerne ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Vor rund zehn Jahren kamen die vier großen Anbieter RWE, Eon, EnBW und Vattenfall auf über 80 Prozent. Zuletzt waren es nur noch etwa 50 Prozent.“ Es herrsche ein starker Wettbewerb, vor allem bei der Stromerzeugung: „Das liegt auch am starken Ausbau der Erneuerbaren. Und die Stadtwerke konnten zulegen.“

"Die Endkunden könnnen selbst viel tun, um ihre Stromrechnung zu senken." Nikolas Wölfing, Volkswirt am ZEW Mannheim

Die Verbraucher freilich haben von diesem verstärkten Wettbewerb bisher kaum profitiert: Steuern, Ökostrom-Umlage EEG und weitere Abgaben summieren sich auf mehr als 50 Prozent. Diese Posten werden nicht von den Anbietern, sondern von der Energiepolitik bestimmt. „Doch auch die Endkunden selbst können etwas tun, um ihre Rechnung zu senken.“

Nur rund jeder Zehnte vergleicht Strompreise und handelt

Denn: „Die Bereitschaft, den Anbieter zu wechseln, ist immer noch recht schwach ausgeprägt.“ Im Internet ein Strompreis-Vergleichsportal ansteuern, ein paar Klicks machen – und ganz schnell einen dreistelligen Euro-Betrag sparen: Das machten von bundesweit 40 Millionen Haushalten nur 4,6 Millionen, so die jüngsten Daten der Bundesnetzagentur für 2016.

Davon wechselte eine Million nicht einfach zum Sparen: Sie zog um.