Dass es in der öffentlichen Debatte wieder Überlegungen gibt, die Wochenarbeitszeit noch weiter zu senken, ist eine gefährliche Entwicklung. Ohnehin wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden – bei den jungen Leuten wegen der Demografie und bei den Älteren wegen der politischen Weichenstellung, siehe Rente mit 63. Dabei müssen unsere Betriebe zum Teil schon jetzt lukrative Aufträge ablehnen.

Übrigens geht das Ganze auch an den Wünschen der Beschäftigten vorbei. Eine Umfrage aus dem Januar 2017 unter Industrie-Mitarbeitern hat ergeben, dass die meisten eher mehr als weniger arbeiten wollen. Sie wünschen sich nicht kürzere, sondern flexiblere Arbeitszeiten. 77 Prozent können es sich vorstellen, an bestimmten Tagen auch länger als zehn Stunden zu arbeiten. Hier besteht der eigentliche Handlungsbedarf!

Die neue Debatte um die Wochenarbeitszeit ist nicht von dieser Welt. Sie ignoriert die grassierende Knappheit an Fachkräften, und sie untergräbt alle Bemühungen, den Flächentarifvertrag gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen attraktiv zu halten.