Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Diehl Defence investiert rund 400 Millionen Euro in Nonnweiler und schafft neue Produktions- und Logistikflächen, um die wachsende Nachfrage nach Verteidigungstechnik zu bedienen.
  • Am Standort werden aktuell etwa 50 Jugendliche in elf Berufen ausgebildet – mit hoher Übernahmequote, moderner Ausstattung und einer Jobgarantie für die Beschäftigten.
  • Um Nachwuchs zu gewinnen, setzt das Unternehmen verstärkt auf Social Media und regionale Kooperationen.

Mit seiner Größe von 1,98 Meter ragt Johannes unter den rund 20 jungen Menschen heraus, die hier gerade schweißen, drehen und fräsen. „Wir lernen viel. Die technische Ausstattung ist top“, sagt der 20-Jährige beim aktiv-Besuch in der Ausbildungswerkstatt von Diehl Defence in Nonnweiler.

Im September hat Johannes seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei dem Rüstungsunternehmen begonnen. „Gerade baue ich einen Schwenker“, erklärt er. Was hat ein Schwenkgrill mit Verteidigungstechnik zu tun? „Natürlich gar nichts“, sagt Ausbilder Stefan Petto. „Im ersten Lehrjahr wollen wir unsere Azubis mit alltagsnahen Produkten an die Maschinen heranführen.“ Der allseits beliebte Grill ist dafür selbstverständlich bestens geeignet. Die einzelnen Fertigungsabteilungen durchlaufen die Auszubildenden dann ab dem zweiten Lehrjahr.

Diehl Defence: Hohe Investitionen für Europas Sicherheit

  • Diehl Defence ist ein Teilkonzern der Diehl-Gruppe und ging 2004 aus der Fusion von Diehl Munitionssysteme und Bodenseewerk Gerätetechnik hervor.
  • Derzeit arbeiten rund 5.500 Beschäftigte an 22 Standorten in vier Staaten.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Überlingen (Baden-Württemberg) macht 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.
  • Als Anbieter von Lenkflugkörpern, Systemen für bodengebundene Luftverteidigung, Munition und weiteren wehrtechnischen Produkten ist das Unternehmen weltweit führend.
  • Seit 2022 schützt das von Diehl Defence entwickelte und hergestellte Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite IRIS-T SLM die Truppen und die Bevölkerung in der Ukraine. Auch die Bundeswehr setzt das System seit 2023 mit Nato-Soldaten zu Ausbildungszwecken ein.
  • Allein in den vergangenen vier Jahren hat Diehl Defence rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Karriere bei Diehl Defence: „Ein Unternehmen mit Zukunft“

„Diehl Defence ist aus meiner Sicht ein Unternehmen mit Zukunft“, sagt Johannes. Ihm ist bewusst, was das bedeutet. „Wir bauen hier für das Militär – und das wird gerade an mehreren Stellen dringend gebraucht. Wir müssen uns jedenfalls verteidigen können“, findet der junge Mann.

Gerade auch in Nonnweiler wird das derzeitige Wachstum von Diehl Defence schnell spürbar. In den beiden Werken Mariahütte und Maasberg werden insgesamt mehr als 20 Bauvorhaben umgesetzt. Ein neues Flugkörperintegrationszentrum mit allein 3.400 Quadratmeter Produktionsfläche wurde gerade in Betrieb genommen, ein Neubau für die Logistik soll bald fertig werden. „Einzelheiten zu den Neubauten oder der Produktion geben wir nicht öffentlich bekannt“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Die Sicherheitsvorschriften sind in der Rüstungsindustrie natürlich besonders hoch (daher lesen Sie in diesem Bericht auch nur die Vornamen der Azubis).

„Diehl Defence ist aus meiner Sicht ein Unternehmen mit Zukunft“

Johannes, Auszubildender am Standort Nonnweiler

Starkes Wachstum in Nonnweiler

Derzeit beschäftigt das Unternehmen im Saarland rund 800 Menschen, darunter etwa 50 Auszubildende in elf Ausbildungsberufen. „Allein 2025 ist die Belegschaft um 20 Prozent gewachsen“, betont Personalleiter Frank Edelmann. „Schon bis 2028 könnten hier rund 1.200 Menschen arbeiten. Und die Zahl der Ausbildungsplätze wollen wir auf 70 erhöhen.“

Diehl Defence bildet bedarfsorientiert aus, in der Regel werden also alle Auszubildenden übernommen. Das Unternehmen legt großen Wert auf langfristige Beschäftigungsverhältnisse. Zahlreiche Mitarbeitende sind bereits seit mehreren Jahren im Betrieb tätig.

Mit Social Media Marketing gegen den Fachkräftemangel

„Ein guter Hauptschulabschluss reicht, um die Ausbildung machen zu können“, erklärt Ausbilder Petto. Man schaue beim Einstellungstest ganz individuell auf die Fähigkeiten. Um junge Menschen zu gewinnen, betreibe Diehl einen hohen Aufwand: „Wir fahren auf Messen, haben einen Tag der Ausbildung, besuchen Kooperationsschulen, setzen seit drei Jahren Social Media strategisch ein“, so Petto. „Aber die Bewerbungen gehen trotzdem zurück. Früher waren schon im Dezember alle Stellen für das nächste Ausbildungsjahr besetzt. Heute bekommen wir viele Bewerbungen erst im Sommer, also auf den letzten Drücker.“

Diehl Defence ist ein Best Place to Learn

Petto ist 33, er kennt das Unternehmen, das seinen Standort im Saarland schon seit 1958 zur Herstellung von Munition betreibt, praktisch sein ganzes Leben: „Mein Opa hat hier im Werkzeugbau gearbeitet.“ Petto selbst kam 2008 für seine Ausbildung zum Konzern. „Mit jungen Menschen zu arbeiten, macht mir Spaß“, sagt er. „Mit 16 war ich schon Jugendtrainer im Fußballverein. Manche Azubis von heute kenne ich von früher, weil ich sie als Kinder trainiert habe.“ Als Diehl Defence 2019 sein Ausbildungskonzept erneuerte und die Werkstatt renovierte, wurde Petto hauptamtlicher Ausbilder.

Um junge Menschen möglichst zielgruppengerecht und authentisch anzusprechen, bezieht Diehl Defence seine Azubis aktiv in die Nachwuchsgewinnung ein. Jeremy hat im September seine Ausbildung zum Industriemechaniker angefangen. Auf Instagram berichten der 16-Jährige und andere Azubis humorvoll aus dem Unternehmen. So lernen sie es selbst noch besser kennen. „Vor Kurzem haben wir unseren rund 1.100 Followern einen Überblick über die Nonnweiler Werke gegeben“, sagt Jeremy. „Beeindruckend, wie der Standort wächst!“

Übrigens: Im November 2025 wurde Diehl Defence vom Portal Aubi-plus als Best Place to Learn ausgezeichnet. Das Siegel wird an überdurchschnittlich gute Ausbildungsbetriebe vergeben.

Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie

Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie wächst seit der Zeitenwende deutlich und gewinnt an Bedeutung für Europa. Sie sorgt mit Innovationen für die Ausrüstung der Bundeswehr und stärkt die deutsche Industrie. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium beschäftigt die Branche rund 387.000 Menschen und setzt etwa 47 Milliarden Euro um – mit stark steigender Tendenz. Die Branche besteht vor allem aus mittelständischen Firmen, die mit großen Unternehmen wie Rheinmetall, Airbus, Krauss-Maffei, Hensoldt oder Diehl zusammenarbeiten.

Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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