Ehrenamt

Rettungshunde trainieren beim Kabelhersteller Bayka: Luna, bitte übernehmen!

Spürnasen aufgepasst: Kabelrollen, Gittertreppen, Metallgeruch – auf dem Gelände des Kabelherstellers Bayka trainiert die Johanniter-Rettungshundestaffel, unterstützt von Mitarbeiterin Karin Nugis.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Rettungshundestaffel trainiert mehrmals im Jahr auf dem Werkgelände des Kabelherstellers Bayka.
  • Das Unternehmen unterstützt damit das regionale Ehrenamt der Johanniter.
  • Fabrikhallen sind ideale Suchgelände. Sie stellen die Hunde mit ungewohnten Gerüchen vor besondere Herausforderungen.

Hinter einer großen Kabelrolle sitzt Karin Nugis und macht keinen Mucks. Mal sehen, ob Luna sie findet. Die Hündin gehört zur Rettungshundestaffel der Johanniter – und sie ist gut in ihrem Job. Heute dürfen Zwei- und Vierbeiner aufs Firmengelände des Kabelherstellers Bayka in Roth. Das Werk bietet viele Verstecke und in einem davon wartet Karin Nugis darauf, dass der Hund sie aufspürt.

Fakten & Hintergründe

Getränke und frisches Wasser für den Hundenapf

Normalerweise versorgt die Kantinenmitarbeiterin die Belegschaft mit Essen. Mehrmals im Jahr empfängt sie jedoch besonderen Besuch: die Hundestaffel. Dann stellt sie Getränke für Hundeführerinnen und -führer bereit – und frisches Wasser für den Hundenapf. Manchmal spielt sie selbst „Suchopfer“. Stillhalten ist Pflicht, bis das Tier einen findet. Das dauert mal zehn Minuten, mal länger.

„Das Werk ist eine ideale Übungsstätte, eine geniale Zusammenarbeit"

Ingrid Bierschneider, Leiterin Johanniter-Rettungshundestaffel

„Toll, dass wir hier trainieren dürfen“, sagt Ingrid Bierschneider, Leiterin der Staffel mit 21 Hunden. Darunter Jagdhunde wie Luna, Australian Shepherds (Pearly, Migky), Mischlinge und Schäferhunde. Einzig Rassen mit platter Nase scheiden aus. „Die kriegen ja kaum Luft.“

Firmengelände wie bei der Bayka sind eine willkommene Abwechslung zur Flächensuche im Wald. Fabriken riechen nach Metall und Kunststoff, da stehen Maschinen, Tore gehen auf. „Die Witterung zu finden, ist da richtig schwierig für den Hund“, so Bierschneider. Ebenso schwierig: offene Gittertreppen, „die sind für die Tiere eine echte Überwindung“.

Für Marketingleiter Thomas Sorge ist die Zusammenarbeit selbstverständlich: „Ein Beitrag zur Unterstützung des regionalen Ehrenamts.“ Sonntags, wenn die Staffel trainiert, arbeite ohnehin niemand auf dem Gelände. Kleiner Nebeneffekt: Bayka stellt Kupferkabel her, ein begehrtes Diebesgut. Da schadet es nicht, wenn Uniformierte über das Gelände laufen.

30-mal im Jahr rückt die Hundestaffel aus, oft, um vermisste Menschen zu finden

Die Staffel ist in Mittelfranken aktiv, mehrere Hilfsorganisationen arbeiten zusammen, alarmiert wird per Polizei. Rund 30 Einsätze sind es im Jahr, oft nachts. Gesucht werden verirrte, teils demente Personen, Kinder oder auch mal ein Pilzesammler, der nicht nach Hause gekommen ist.

Als Belohnung gibt es Quark mit Leberwurst

Der feine Geruchssinn der Hunde hilft: 150 bis 300 Millionen Riechzellen haben sie, Menschen nur 5 bis 10 Millionen. Frei stöbern ist für die Tiere zudem ein Riesenspaß. Als Belohnung gibt’s Würstel – oder Quark mit Leberwurst. Alles, was motiviert.

Engagierte Unternehmen

Unternehmen in Deutschland engagieren sich vielfältig für das Ehrenamt, vor allem mit Geld- und Sachspenden, der Bereitstellung von Räumen oder Geräten sowie durch sogenanntes Corporate Volunteering: Beschäftigte helfen während der Arbeitszeit in Vereinen und Initiativen oder bringen ihr berufliches Know-how ein. Laut dem „Monitor Unternehmensengagement 2025“ des Stifterverbands haben 88 Prozent der befragten Unternehmen Geld gespendet, 75 Prozent Sachspenden geleistet und 55 Prozent Fahrzeuge oder andere Ressourcen zur Verfügung gestellt, zum Beispiel auch eigene Räume oder das Werkgelände.

Gerade Werkgelände sind beispielsweise für Rettungshundestaffeln ein ideales Gelände. Sie bringen Abwechslung für die Helferinnen und Helfer und ihre Tiere, die regelmäßig trainieren müssen, um Vermisste im Ernstfall schnell aufspüren zu können. Etwa Menschen mit Demenz oder Kinder, die sich verlaufen haben. Jogger, Mountainbiker oder Reiterinnen, die im Gelände verunglückten, Wanderer und Pilzsucher oder auch suizidgefährdete Personen.

Übrigens: Je nach Einsatz setzt man verschiedene Hunde ein. Flächensuchhunde durchstreifen Wälder und Wiesen und suchen in nur 15 Minuten ein Gebiet von bis zu 30.000 Quadratmetern ab. Trümmerhunde suchen Verschüttete in eingestürzten Gebäuden oder nach Explosionen. Personensuchhunde (Mantrailer, kennt man aus TV-Krimis) können eine Person anhand ihres Geruchs über weite Strecken und lange Zeit verfolgen, selbst in dicht besiedelten Gebieten.

Friederike Storz

aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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