Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ab Beginn der Mahd rettet die Kitzrettung Oberfranken frühmorgens Rehkitze aus Wiesen, in Abstimmung mit Landwirten und Jägern.
  • Drohnen mit Wärmebildkameras spüren die gut getarnten Kitze auf, Helfer sichern sie behutsam, damit die Mutter sie später wieder annimmt.
  • Beeindruckende Bilanz: In einer Saison wurden in Oberfranken bei 387 Einsätzen auf 5.589 Hektar Fläche insgesamt 589 Kitze gerettet.

Gummistiefel, Regenhose, Thermosflasche. So ausgerüstet, steht Marion Schuster frühmorgens um halb fünf knietief im Gras. Vor Sonnenaufgang startet ihr Einsatz mit der Kitzrettung Oberfranken. Die Vertriebsmitarbeiterin vom Robotik-Hersteller Stäubli in Bayreuth gehört der ehrenamtlichen Gruppe an. Ab Mai, wenn die Mahd beginnt, suchen die Mitglieder die Wiesen ab, sichern Kitze in Absprache mit Jägern und Landwirten und lassen sie nach den Arbeiten wieder frei.

„Mir wird jedes Mal warm ums Herz, wenn ich so ein Tier im Arm halte“

Marion Schuster, Vertriebsmitarbeiterin Stäubli

Das erspart den Kleinen oft ein grausames Schicksal: In den ersten Lebenswochen haben sie (noch) keinen Fluchtinstinkt. Droht Gefahr, drücken sich Rehkitze reglos ins Gras und sind fast nicht zu sehen – fatal, wenn ein Mähwerk naht.

Doch Technik und viele helfende Hände verhindern das möglichst. Mittels Drohne werden die Wiesen frühmorgens oder spätabends abgeflogen. Dann ist der Boden kühl und die Tiere lassen sich per Wärmebildkamera besser aufspüren.

„Nach einem Einsatz am Feld startet man mit ganz neuer Energie in den Tag“ 

Toni Schleicher, technischer Redakteur, Siemens Mobility

Das ist Toni Schleichers Job, hauptberuflich technischer Redakteur bei Siemens Mobility in Erlangen – und einer von 34 Drohnenpiloten der Kitzrettung. „Ich bin ein technikbegeisterter Mensch und hab mir das einfach zeigen lassen“, sagt er.

Plötzlich schimmern weiße Fellstreifen durchs Gras

Idealerweise melden die Landwirte zwei bis drei Tage vor der Mahd ihre zu mähenden Flächen, die Kitzretter organisieren ein Team, Treffpunkt am Feld. Die Drohne fliegt dort eine festgelegte Route ab: Da! Ein weißer Punkt! Ein „White-hot“ im Wärmebild. Durchs Teleobjektiv prüft der Pilot, ob die typischen weißen Fellpunkte durchs Gras schimmern. Per Funk dirigiert er die Helfer zur Fundstelle. Die Kitze sind gut getarnt. „Wir tasten uns langsam vor und schauen ganz genau“, so Schuster.

Superwichtig: Die Kitze niemals mit bloßen Händen anfassen! Sonst riechen sie nach Mensch, die Mutter (Ricke) nimmt sie nicht mehr an. Dicke Grasbüschel dienen als Schutzschicht. Damit hebt man das Kitz hoch und packt es in die Box. Sie wird am Feldrand im Schatten geparkt. Dort ist das kleine Reh in Sicherheit. Wieder was Gutes getan.

Übrigens: Die Bilanz der letzten Saison in Oberfranken ist beachtlich: 387 Einsätze, 5.589 Hektar abgesuchte Fläche und 589 gerette Kitze!

Stiftung Lebensgrundlagen

Organisationen, Betriebe und viele Menschen engagieren sich in Bayern für ein lebenswertes Umfeld. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zählt auch zum Selbstverständnis der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Sie setzt daher ein Zeichen und fördert diejenigen, die Nachhaltigkeitsprojekte voranbringen und zum Wohle aller umsetzen. Dazu hat die vbw 2025 die Stiftung Lebensgrundlagen gegründet. Sie stellt jährlich 600.000 Euro zur Verfügung, mit denen Projekte im Ökologischen und Sozialen gefördert werden können, die anderen als Beispiel dienen sollen.

Rehe sind Wildtiere, Eingriffe in die Natur sind nur selten nötig, da die Tiere mit guten Instinkten ausgestattet sind. Die Kitzretter greifen nur ein, wenn Wiesen direkt vor der Mahd stehen. Alles andere regelt die Natur allein.

Richtige Verhaltensweise, wenn man privat beim Spazierengehen auf ein Rehkitz trifft:

  • Das Tier nicht berühren und keinesfalls umsetzen (außer es droht akute Gefahr durch Mäharbeiten).
  • Hunde sofort wegnehmen, ruhig und zügig zurückziehen.
  • Die Stelle frühestens am nächsten Tag kontrollieren. Ist das Kitz dann noch da, die Kitzretter kontaktieren oder den zuständigen Jagdpächter informieren.

Kitzrettung in Bayern

  • Kitzretter sind in vielen Regionen Bayerns aktiv. Die Saison beginnt Anfang Mai, wenn die Rehe Nachwuchs bekommen und dauert circa acht Wochen. Viele Landwirte kooperieren mit den Rettern und lassen ihre Wiesen absuchen, denn auch sie wollen Tierleid vermeiden und sind gesetzlich in der Verantwortung für das Tierwohl auf ihren Flächen. Die Flächen werden von Helfern abgesucht, die in Reih und Glied aufgestellt und in engem Abstand das Gelände durchkämmen.
  • Meist helfen heute jedoch Drohnen. Sie sind genauer und können in der gleichen Zeit eine größere Fläche abdecken.
  • Trotzdem braucht es Begleiter und Helfer, die die georteten Kitze sorgfältig aus der Wiese holen. Die Kitzretter suchen daher laufend Menschen, die als Helfer oder Drohnenpilot unterstützen. Neue Mitglieder werden auf die Aufgabe vorbereitet, Piloten geschult, bis sie sicher eigene Einsätze übernehmen können.
  • Hilfsbedürftige Kitze werden vielerorts in Pflegestellen aufgepäppelt. Anschließend kommen sie in ein Auswilderungsgehege, bevor sie in die freie Natur entlassen werden können. Das alles geschieht ehrenamtlich, die Vereine sind auf Spenden angewiesen – zum Beispiel für Drohnen, Funkgeräte, Transportboxen, Aufzucht und Futter verletzter Tiere.
  • Eine Auswahl weiterer Kitzretter in Bayern: Rehkitz- und Wildtierrettung Allgäu, Kitzrettung Kaufbeuren, Rehkitzrettung München.
Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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