Tunnelbauwerke sind keine Erfindung der Neuzeit: Schon in der Antike entstanden unterirdische Systeme zur Be- und Entwässerung. Doch erst mit der Erfindung des Dynamits und dem Siegeszug der Eisenbahn im 19. Jahrhundert erlebte der Tunnelbau einen enormen Aufschwung. Große Röhrenbauten unterhalb von Bergmassiven, Flüssen oder sogar Meeren sind noch immer spektakuläre Ereignisse.

Spannende Einblicke in zwölf Rekord-Röhren erhalten Sie in der folgenden Bilderstrecke:

 

Der längste Unterwassertunnel: Der Eurotunnel (Frankreich/England)

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Drei Jahre lang hatten sich Tausende Arbeiter von beiden Seiten mithilfe spezieller Bohrmaschinen aufeinander zu bewegt – bis sie sich endlich am 1. Dezember 1990 die Hände schütteln konnten. Mit rund 50 Kilometern ist der 1994 fertiggestellte Eurotunnel zwischen dem englischen Folkestone und Calais in Frankreich der längste Unterwassertunnel der Welt. Denn das Bauwerk verläuft immerhin auf einer Länge von 37 Kilometern unterhalb des Ärmelkanals. Wer mit dem Auto durch den Tunnel will, muss es verladen: Ausschließlich Züge jagen etwa 40 Meter unter dem Meeresgrund hin und her. Die Baukosten für den Eurotunnel lagen am Ende mit 15 Milliarden Euro doppelt so hoch wie geplant. Das Geld brachten ausschließlich private Investoren auf.

Der tiefste Straßentunnel der Welt: Der Eiksund-Tunnel (Norwegen)

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Nirgendwo auf der Erde gibt es eine Straße, die tiefer liegt als diese: Die norwegische Reiksvei („Reichsstraße“) 653 führt unter anderem durch den Eiksundtunnel. Dieser ist zwar nur etwa 7, 7 Kilometer lang ist, liegt aber immerhin bis zu 287 Meter unter dem Meeresspiegel – und ist damit der tiefstgelegene Straßentunnel der Welt. An der Westküste Norwegens, etwa 350 Kilometer nördlich von Bergen, verbindet er die Inselkommunen Hareid, Ulstein, Sande und Heroy mit dem Festland. Im Februar 2008 wurde die Röhre für den Fahrzeugverkehr freigegeben. Schon im Jahr danach ereignete sich ein schlimmer Autounfall, bei dem fünf Menschen starben. Am tiefsten Punkt des Tunnels stießen zwei Fahrzeuge zusammen und gingen in Flammen auf.

Der längste Straßentunnel der Welt: Der Lærdals-Tunnel (Norwegen)

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Wegen ihrer zerklüfteten Topografie mit den vielen Fjorden haben sich die Norweger zu besonders erfolgreichen Tunnel-Baumeistern gemausert. Leicht kurvig und immer wieder farbig beleuchtet führt im Südwesten eine weitere Rekordröhre des Landes durch das Gebirge. Die besondere Gestaltung soll verhindern, dass Autofahrer ermüden. Denn der Lærdalstunnel ist mit seinen 24,51 Kilometern der längste Straßentunnel weltweit – eine allzu monotone Streckenführung würde die Unfallgefahr erhöhen. Seit dem Jahr 2000 verbindet er in der Provinz Sogno og Fjordane die Orte Aurlandsvangen der Gemeinde Aurland und Lærdalsoyri in der Gemeinde Lærdal. Seit der Freigabe des Lærdalstunnels können die Orte auch im Winter gefahrlos und schnell erreicht werden. Zuvor war dies nur mit der Fähre oder über einen Weg über das Gebirge möglich.

Der höchstgelegene Eisenbahn-Tunnel der Welt: Der Fenghuoshan-Tunnel (China)

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Laut „Guinness Buch der Rekorde“ gibt es keinen anderen Tunnel weltweit, der höher liegt als dieser: der Fenghuoshan Tunnel im chinesischen Hochgebirge. Seine Länge (1,3 Kilometer) ist zwar nicht der Rede wert, aber seine Höhe von 4.905 Metern über dem Meeresspiegel ist einzigartig. Der Fenghuoshan Tunnel gehört zur Qinghai-Tibet-Zugstrecke, die die chinesische Provinz Qinghai im Nordwesten des Landes mit Lhasa verbindet, der Hauptstadt des Autonomen Gebiets Tibet. Die Zugstrecke ist etwa 2.000 Kilometer lang und mit mehr als 5.000 Höhenmetern die höchste der Welt. Die dort verkehrenden Züge werden auch „Raketen zum Dach der Welt“ genannt. Ab einer bestimmten Höhe werden die Abteile mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt, um die Gefahr von Höhenkrankheit zu mindern.

Der längste – und vielleicht speziellste – Straßentunnel Frankreichs: Duplex in Paris

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Der längste komplett auf französischem Gebiet liegende Straßentunnel ist zudem eine bauliche Besonderheit: Der „Duplex“-Tunnel als Teil der Ringautobahn A 86 um Paris ist zehn Kilometer lang und die beiden Fahrbahnen liegen aus Platzgründen nicht nebeneinander, sondern übereinander. Wegen seiner begrenzten Ausmaße sind nur Pkws mit maximal zwei Meter Höhe zugelassen, Lkws und Motorräder sind verboten. Der Duplex ist die einzige mautpflichtige Strecke auf der Ringautobahn, allerdings würde die Alternativstrecke etwa eine halbe Stunde mehr Zeit kosten. 2011 wurde der Duplex-Tunnel für den Verkehr freigegeben, die Kosten betrugen 2,4 Milliarden Euro. Bei einem europaweiten Tunnel-Sicherheitstest des ADAC schnitt er vor einigen Jahren am besten ab. Unter anderem werde Feuer und Rauch sofort mit Wassernebel bekämpft, hieß es.

Der längste Kanaltunnel der Welt: Der Riqueval-Tunnel (Frankreich)

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Eine weitere französische Tunnelrarität befindet sich nordöstlich von Paris. Der Riquevaltunnel ist mit 5,7 Kilometern der längste Tunnel eines Kanals und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts unter Kaiser Napoleon gebaut. Die technische Meisterleistung gehört zum Canal de Saint-Quentin, über den einst vor allem belgische Kohle per Schiff nach Frankreich importiert wurde. Anfangs zogen die Schiffer ihre Boote noch selbst durch den Tunnel, was rund 20 Stunden dauerte. Später gab es einen Treideldienst, der diese Aufgabe weitaus schneller erledigte. Seit 1906 werden elektrisch getriebene Schleppschiffe eingesetzt, nun dauert die Durchfahrt immerhin noch zwei Stunden. Der Riquevaltunnel führt unter dem Dorf Bellicourt im Departement Aisne hindurch.

Der älteste U-Bahn-Tunnel der Welt: Atlantic Avenue Tunnel (USA)

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In Betrieb ist er zwar schon lange nicht mehr, aber es gibt den laut „Guinness Buch der Rekorde“ ältesten U-Bahn-Tunnel der Welt noch immer: Im New Yorker Stadtteil Brooklyn wurde 1844 unterhalb der Atlantic Avenue ein Tunnel für die Dampfzüge der Eisenbahngesellschaft Long Island Rail Road fertiggestellt. Denn die Bremsen der Lokomotiven waren zu schwach für den wuseligen Straßenverkehr. 1861 wurde der Atlantic Avenue Tunnel – auch Cobble Hill Tunnel genannt – schon wieder geschlossen und geriet in Vergessenheit. Alle Experten gingen davon aus, das Bauwerk sei zerstört, bis der Ingenieursstudent Bob Diamond 1981 die 767 Meter lange Röhre wiederentdeckte und restaurierte. Viele Jahre bot Diamond Besichtigungen an, doch 2010 verboten dies die Behörden wegen Sicherheitsbedenken. Ob sich, wie manche vermuten, in einer Kammer des Tunnels noch immer eine verschüttete Dampflokomotive befindet, wird wohl niemals ans Tageslicht kommen.

Der längste Fluchttunnel Berlins: Der „Tunnel 57“

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Viele Fluchttunnel wurden in den 1960er und 1970er Jahren in Berlin gebuddelt, um Menschen aus dem Ostteil der Stadt in den Westen zu verhelfen. Die meisten wurden von West-Berlin aus gegraben. So auch der „Tunnel 57“, der so heißt, weil 57 DDR-Bürger durch ihn „rübermachten“. Von April bis Oktober 1964 gruben Fluchthelfer den Schacht von der Bernauer Straße in West-Berlin bis zur Strelitzer Straße im Osten. Der Tunnel unterhalb der Berliner Mauer war 145 Meter lang, zwölf Meter tief und führte von einer leer stehenden Bäckerei in ein altes Toilettenhäuschen. Kein anderer Fluchttunnel aus DDR-Zeiten erreichte diese Ausmaße. Am 3. und 4. Oktober 1964 konnten die 57 Männer, Frauen und Kinder in den Westen krabbeln, aber schon kurze Zeit später entdeckten Stasi-Mitarbeiter die geheime Aktion. Es kam zum Schusswechsel zwischen den Fluchthelfern und herbeigerufenen DDR-Grenzsoldaten, von denen einer von einem seiner Kameraden versehentlich erschossen wurde.

Der längste Autobahntunnel Deutschlands: Der Rennsteigtunnel

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Wer Deutschlands längsten Autobahntunnel erleben möchte, muss die Autobahn 71 über Sangerhausen und Erfurt bis nach Schweinfurt nehmen. Dort, zwischen den Anschlussstellen Gräfenroda und Oberhof, liegt unterhalb des Thüringer Waldes der Rennsteigtunnel. In zwei Röhren kann man ihn durchfahren, die westliche ist 7.916 Meter lang, die östliche 7.878. Damit handelt es sich um den längsten Autobahntunnel Deutschlands. Zwischen 1998 und 2003 wurde er als Teil des Verkehrsprojekts „Deutsche-Einheit-Straße Nummer 16“ gebaut, die Kosten betrugen rund 200 Millionen Euro. Teuer kann es auch für Raser werden: Erlaubt ist maximal Tempo 80. Pro Fahrtrichtung wurden zwei Anlagen zur Geschwindigkeits-Messung installiert. Es handelt sich um spezielle Infrarotblitzanlagen, die der Fahrer nicht wahrnimmt. So wird er zwar registriert, aber nicht durch grelles Licht aufgeschreckt.

Der kürzeste und älteste Autobahn-Tunnel Deutschlands: Der Nasenfelstunnel

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Wegen seiner geringen Länge verfügt er weder über Beleuchtungs- noch über Belüftungsanlagen. Gerade einmal 36 Meter lang ist Deutschlands kürzester Autobahn-Tunnel und damit fast schon wieder zu Ende, bevor er überhaupt angefangen hat. Der Nasenfelstunnel – Teil der Autobahn 8 zwischen Kirchheim unter Teck und Ulm in Baden-Württemberg – feiert in diesem Jahr zudem seinen 80. Geburtstag. Am 30. Oktober 1937 wurde er als Teil des Reichsautobahn-Baus der Nationalsozialisten freigegeben und ist damit zudem Deutschlands ältester Autobahn-Tunnel. Die Mini-Röhre mit ihren beiden Fahrspuren führt durch den Nasenfels, einem Tuffsteinfels-Vorsprung oberhalb des Quellbereichs des Baches Gos.

Der längste menschliche Tunnel, durch den ein Hund gefahren ist (Peru)

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Dies ist zugegebenermaßen ein ziemlich abgefahrener Tunnel-Rekord: Am 8. November 2015 fuhr die damals dreijährige Bulldogge Otto in einem Park in Perus Hauptstadt Lima durch einen Tunnel, den 30 Helfer mit ihren Beinen gebildet hatten. Und zwar durchrauschte der zerknautschte Vierbeiner den Gang auf abschüssiger Strecke mit einem Skateboard. „Der längste menschliche Tunnel, durch den ein Hund auf einem Skateboard gefahren ist“, lautet der offizielle Eintrag im „Guinness Buch der Rekorde“. Ottos Besitzer förderten das Talent ihrer Dogge, nachdem sie Videos von Kunststücken anderer Hunde gesehen hatten. Auf dem Skateboard fühlte sich Otto offenbar pudelwohl.