Das deutsche Gesundheitssystem wird immer teurer – und damit auch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Neben dem allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent wird ein Zusatzbeitragssatz je nach gewählter Krankenkasse fällig. Gemeinsam zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber deshalb im Schnitt 17,5 Prozent vom Bruttoeinkommen an die GKV – 1,2 Prozentpunkte mehr als noch 2024!
Ein Grund für die hohen Belastungen sind die „überproportional stark steigenden Ausgaben“, sagt Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Das liege auch am medizinischen Fortschritt, hinzu komme der demografische Wandel: Immer weniger Arbeitnehmer müssen für immer mehr ältere Patienten immer teurere Behandlungen bezahlen.
Um die Kosten zu senken, fordern jetzt manche, den Leistungskatalog der Kassen einzuschränken. Andere schlagen vor, dass gesetzlich Versicherte künftig Arztrechnungen zunächst vorstrecken und sich die Kosten dann erstatten lassen: Das würde womöglich unnötige Arztbesuche verhindern. Auch über die Einführung von Karenztagen, an denen die Gehaltszahlung zu Beginn einer Erkrankung für einige Tage ausgesetzt wird, wird diskutiert.
Woran die Krankenversicherung krankt: Hohe Ausgaben, wenig Wettbewerb
Für IW-Experte Pimpertz ist vor allem der mangelnde Wettbewerb im System ein Problem – zum Beispiel in der ambulanten Versorgung. Bislang würden Ärzte und Therapeuten hier durch das System der Kassensitze vor Wettbewerb geschützt. Auch die einheitliche Gebührenordnung verhindere Vergleiche. „Aktuell können wir überhaupt nicht feststellen, ob die Praxis A eine gleichwertige Leistung günstiger bereitstellt als die Praxis B“, kritisiert der Experte. Statt Leistungen zu kürzen, sollte es Tarife mit eingeschränkter Arztwahl geben – bei gleichbleibendem Versicherungsschutz. Ärzte müssten sich dann um die Behandlung von Kassenpatienten quasi bewerben, was den Wettbewerb anfachen würde.
Bei der Finanzierung plädiert Pimpertz dafür, das Umlagesystem (bei dem junge Beitragszahler langfristig Geld verlieren) durch eine Kombi-Lösung aus GKV und verpflichtender kapitalgedeckter Vorsorge zu ersetzen. Vorbild könnte die Beihilfe mit Zusatzversicherung sein, die es für Beamte gibt: „So würde die GKV solidarisch bleiben – aber fairer zwischen den Generationen aufgestellt.“

Michael Aust berichtet bei aktiv als Reporter aus Betrieben und schreibt über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Nach seinem Germanistikstudium absolvierte er die Deutsche Journalistenschule, bevor er als Redakteur für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Mitarbeiter-Magazine diverser Unternehmen arbeitete. Privat spielt er Klavier in einer Band.
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