Ohne Satelliten geht heute nichts mehr, sagt Anke Pagels-Kerp, Bereichsvorstandsmitglied Raumfahrt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Was das für Europa bedeutet, erklärt sie im aktiv -Gespräch.
Frau Pagels-Kerp, warum sind Satelliten im All ein Thema für jeden?
Sie sind einfach wichtig. Ein Beispiel: Falls das Navigationssystem Galileo ausfallen sollte, gehen bei uns buchstäblich die Lichter aus. Umspannwerke arbeiten mit dem Zeitsignal der Satelliten. Viele andere Dinge, etwa Geldautomaten oder der Börsenhandel, wären ebenso betroffen. Der Verkehr sowieso.
Und das bedeutet?
Wir sollten uns klarmachen: Europas Souveränität entscheidet sich im All. Wir müssen in Zukunft Satelliten eigenständig entwickeln, bauen und in den Orbit bringen können, um nicht verwundbar und von anderen Staaten abhängig zu sein.
Kann Europa das schaffen? Und welche Rolle spielt Deutschland dabei?
Deutschland bringt schon heute seine Kompetenzen an entscheidenden Stellen in wichtige europäische Projekte ein, etwa beim Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Bei Infrarot- oder Radartechnik sind wir weltweit ganz vorn mit dabei. Navigation und Kommunikation können wir auch.
Woran fehlt es bislang?
An günstigen Transportkapazitäten. Aktuell ist uns Elon Musk mit Space X bei der Landetechnik von Raketen voraus. Wer Teile wiederverwenden kann, senkt die Kosten.
Wie sieht es bei militärischen Fähigkeiten aus?
Die fachlichen Kompetenzen haben wir. Die sind grundsätzlich auch die gleichen wie bei zivilen Projekten, allerdings haben die militärischen Satellitenprojekte einen etwas anderen Schwerpunkt. Hier müssen wir jetzt aktiv unsere Lücken schließen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat gerade Milliarden-Investitionen angekündigt.
Das ist wirklich eine Riesensache! Jetzt gilt: Wir müssen aus der Manufaktur in die Serienfertigung kommen. Und das schnell.
Wird sich in den kommenden Jahren eigentlich unser Umgang mit Satelliten grundlegend ändern?
Wir werden auf jeden Fall vermehrt Satelliten in einem sehr niedrigen Orbit sehen, also etwa in einer Höhe von 100 bis 300 Kilometern. Dort bleiben sie dann nicht von allein oben wie in höheren Umlaufbahnen, sondern müssen immer wieder aktiv an Höhe gewinnen. Sonst stürzen sie ab und verglühen in der Atmosphäre.
Was ändert das?
Die Technik der Satelliten veraltet mittlerweile sehr schnell. Man kann immer die neueste Technik in den Orbit bringen und sich damit auch den Anforderungen anpassen. Fällt mal ein Satellit aus, stürzt dieser nach kurzer Zeit ab und wird nicht zu gefährlichem Weltraumschrott.
Der ist ein Problem?
Es wird jedenfalls immer voller da oben. Selbst kleine herumfliegende Teile, die bei hoher Geschwindigkeit mit Satelliten kollidieren, können diese zerstören und so noch mehr Schrott produzieren. Langfristig wäre das schon problematisch – zumal das Aufräumen im All derzeit technisch sehr schwierig und teuer ist.

Michael Stark schreibt aus der Münchner aktiv-Redaktion vor allem über Betriebe und Themen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Darüber hinaus beschäftigt sich der Volkswirt immer wieder mit wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Das journalistische Handwerk lernte der gebürtige Hesse als Volontär bei der Mediengruppe Münchner Merkur/tz. An Wochenenden trifft man den Wahl-Landshuter regelmäßig im Eisstadion.
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