Das Wichtigste auf einen Blick:
- Raps wird auf rund 7 Prozent der deutschen Äcker angebaut, das ergibt circa vier Millionen Tonnen Rapsernte.
- Hauptsächlich wird Raps hierzulande zu Biodiesel verarbeitet, Deutschland ist EU-Marktführer bei der Produktion dieses Treibstoffs.
- Forschende entwickeln aktuell eine Methode, um aus Raps auch einen heimischen Protein-Lieferanten zu machen.
Gelb, so weit das Auge reicht. Wer in diesen Tagen im Umland unterwegs ist, kommt an ihm nicht vorbei: Brassica napus – der Winterraps. Wie ein gelber Teppich ziehen sich die Felder durchs ganze Land. Laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft wächst die gelb blühende Pflanze auf etwa 7 Prozent unserer Äcker.
Für die deutsche Wirtschaft spielt Raps vor allem als Ölsaat eine entscheidende Rolle – also als Pflanze, aus deren Samen Öl gewonnen wird. Wer dabei vor allem an Rapsöl zum Braten oder auch an Margarine denkt, liegt knapp daneben! Denn nur etwa ein Sechstel der rund 4,3 Millionen Tonnen Rapsöl, die 2024 in Deutschland verarbeitet wurden, kommen in der Nahrungsmittel-Industrie zum Einsatz. Der weitaus größere Teil wird zur Energiegewinnung genutzt oder für technische und chemische Zwecke.
Ohne Raps kein Biodiesel
55 Prozent des hierzulande produzierten Biodiesels werden aus Raps gemacht
Mit unserer heimischen Produktion von rund vier Millionen Tonnen im Jahr können wir nur rund 44 Prozent unseres jährlichen Raps-Bedarfs decken. Mehr als die Hälfte wird importiert, vor allem aus der Ukraine, aus Frankreich und an dritter Stelle, Achtung, sogar aus Australien!
Auch die Industrie profitiert
Vier Fünftel des insgesamt verbrauchten Raps fließen laut Zahlen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in die Produktion von Biodiesel, was uns zum Marktführer bei der Herstellung dieses Treibstoffs in der EU macht. Und auch technische Öle für die Industrie, wie Schmierstoffe und Hydraulik- oder Getriebeöle werden auf Basis von Rapsöl hergestellt, eine biologisch abbaubare Alternative zu Erdölen.

Raps statt Soja
Raps hätte außerdem auch das Potenzial, ein heimischer Protein-Lieferant zu werden. Das Problem: In der konventionellen Verarbeitung wird die Rapssaat unter starkem Druck, bei hohen Temperaturen und unter zeitweiser Hexan-Zugabe verarbeitet. Dabei denaturieren jedoch die sogenannten funktionellen Proteine und verlieren ihren Nutzen für Mensch und Tier.
Um das besser zu machen, haben Forschende am Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnische Prozesse in Leuna ein spezielles Verfahren entwickelt. Dabei wird der Raps schonend verarbeitet – und der natürliche Proteingehalt von rund 50 Prozent (!) bleibt erhalten. Derart verwendeter Raps könnte eine sinnvolle Alternative zu Soja werden, heimisch und unabhängig von Lieferketten: für Tofu etwa oder auch für Tierfutter. Für den Leiter der Fraunhofer-Forschungsgruppe steht fest: „Wir können aus Raps so viel mehr gewinnen, als es bisher geschieht!“
Übrigens: Der Winterraps heißt so, weil er im Spätsommer ausgesät wird und über den Winter hinweg in Boden verweilt. Erst im darauffolgenden Frühjahr entwickelt sich die Rapspflanze weiter. Geerntet wird im Juli und August. Sommerraps gibt es auch, macht auf unseren Feldern aber nur einen Bruchteil der Rapspflanzen aus. Der Sommerraps wird im Frühjahr ausgesät.
Bioenergie – erneuerbar und unterschätzt
Was oft unterschätzt wird: Energie aus Biomasse (wie zum Beispiel Raps) ist unter den erneuerbaren Energien der wichtigste Energieträger! Biomasse steuerte 2024 mit 50 Prozent den größten Beitrag zur grünen Energiegewinnung bei, vor der Windkraft (24 Prozent) und der Sonnenenergie (12 Prozent). Dies hat die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow-Prüzen (Mecklenburg-Vorpommern) errechnet. Bei der grünen Stromerzeugung liegen natürlich Wind und Sonne vorn, hier liegt der Bioenergieanteil nur bei rund 18 Prozent. Bei der Wärmebereitstellung steht die Biomasse mit über 83 Prozent an der Spitze.

Nadine Keuthen stürzt sich bei aktiv gerne auf Themen aus der Welt der Wissenschaft und Forschung. Die Begeisterung dafür haben ihr Masterstudium Technik- und Innovationskommunikation und ihre Zeit beim Kinderradio geweckt. Zuvor wurde sie an der Hochschule Macromedia als Journalistin ausgebildet und arbeitete im Lokalfunk und in der Sportberichterstattung. Sobald die Sonne scheint, ist Nadine mit dem Camper unterwegs und schnürt die Wanderschuhe.
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