Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Schwache Lage: Der Weißbier-Index steigt nur minimal von 86 auf 87 Punkte, das Konjunkturbarometer bleibt deutlich unter seinem Normalwert von 100 Punkten.
  • Schlechte Aussichten: Besonders kritisch ist der Rückgang bei den Wachstumsaussichten. Auch Industrieproduktion und Beschäftigung zeigen Schwächen.
  • Dringender Reformbedarf: Die vbw fordert schnelle Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten, weniger Bürokratie sowie flexiblere Arbeitszeiten.

Bestenfalls ein Mini-Wachstum ist im laufenden Jahr für die bayerische Wirtschaft drin. „Das Glas füllt sich nicht“, sagte Wolfram Hatz, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) bei der Vorstellung des „Weißbier-Index“ für das Frühjahr. Der bildet in regelmäßigen Abständen die Lage und Perspektiven der heimischen Unternehmen ab.

Und da sieht es schon seit Längerem nicht gut aus, wie auch die aktuellen Zahlen des Indikators unterstreichen. Gegenüber dem Herbst 2025 ist der Index nur minimal von 86 auf 87 Punkte gestiegen und liegt weit unter dem „Normalniveau“ von 100 Punkten.

Das gilt auch für die vier Teilindizes, die der Weißbier-Index betrachtet. So verbesserte sich der Lageindex Wachstum, der die allgemeine Konjunkturlage beschreibt, zwar um 7 auf 84 Punkte. Er bleibt aber der schwächste der vier. Der Lageindex Beschäftigung sank um 1 Punkt auf 86 Punkte, der Prognoseindex Beschäftigung legte um 3 Punkte auf 85 Punkte zu.

Besonders kritisch sind die Wachstumsaussichten: Der Prognoseindex Wachstum sank um 5 auf 92 Punkte. „Die Wirtschaft kommt nicht vom Fleck“, fasste vbw-Präsident Hatz zusammen, „die Perspektiven haben sich sogar wieder verschlechtert.“

Die Zuversicht vom Beginn des Jahres ist verflogen

Im vergangenen Jahr ist die bayerische Wirtschaft um 0,5 Prozent gewachsen, stärker als der Bundesschnitt (0,2 Prozent) – dennoch lag das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat um 0,8 Prozent niedriger als 2022. Und: Bayerns Industrie, der Motor der Wirtschaft, ist erneut geschrumpft. Die Wertschöpfung ging 2025 um 0,4 Prozent zurück.

Die Zuversicht, die zu Beginn des Jahres auch durch die Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur zu spüren war, ist inzwischen verflogen. Grund: der Iran-Krieg und seine Folgen.

„Die wirtschaftlichen Folgen treffen die bayerische Wirtschaft in ihrer gesamten Breite“, so Hatz. Nicht nur die Energiepreise schossen in die Höhe. Auch Transport und Logistik sind betroffen. Es kam zu Preissteigerungen bei den in der Industrie dringend benötigten Grundstoffen.

„Jeder weitere Tag ohne Reformen ist ein verlorener Tag“

Wolfram Hatz, Präsident der vbw

Bei wirtschaftlicher Stagnation sieht die vbw auch keine Erholung am Arbeitsmarkt. Er ist in Bayern noch stabil. „Das täuscht aber darüber hinweg, dass wir in der Industrie ungebremst Arbeitsplätze verlieren“, so Hatz: „Diese Entwicklung müssen wir stoppen.“

An der weltpolitischen Lage lässt sich wenig ändern. Umso wichtiger sei es daher, Reformen im Inland anzupacken. Hatz: „Wir brauchen ein umfassendes und grundlegendes Reformpaket.“

Es braucht rasche Reformen

Vor allem braucht es aus Sicht der vbw Entlastungen bei den Arbeitskosten, insbesondere bei den Lohnzusatzkosten – durch zielgerichtete und rasche Reformen der sozialen Sicherungssysteme, Entlastungen bei den hohen Energiepreisen sowie eine Reform des Arbeitszeitrechts. Und statt der Diskussion um immer neue und höhere Steuern sind hier Entlastungen nötig, ebenso wie ein tiefgreifender Bürokratieabbau, mit der Vereinfachung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

„Dieses Reformpaket muss jetzt kommen“, so Hatz. „Wir verlieren Tag für Tag Wettbewerbsfähigkeit und Industriearbeitsplätze. Jeder weitere Tag ohne Reformen ist ein verlorener Tag.“

Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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