Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das Start-up etalytics wurde von drei ehemaligen Studenten der TU Darmstadt gegründet.
  • Mithilfe von KI hilft es Unternehmen in aller Welt, massiv Energie zu sparen und CO2 zu vermeiden.
  • Mittlerweile hat etalytics 67 Beschäftigte aus zwölf Ländern.

Das ehemalige Darmstädter Start-up etalytics verbessert industrielle Energiesysteme mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) und digitaler Modelle. Das spart Energie, reduziert Emissionen und macht Anlagen widerstandsfähiger. Jetzt wurde sogar der IT-Konzern Microsoft darauf aufmerksam. aktiv sprach mit Dr. Niklas Panten, Gründer und Geschäftsführer von etalytics, über die Erfolgsgeschichte von drei ehemaligen Studenten der Technischen Universität Darmstadt.

Herr Panten, etalytics erlebt eine rasante und beeindruckende Erfolgsgeschichte. Wie fühlt man sich da?

Manchmal können wir es selbst nicht fassen und sind sehr beeindruckt, wie sich das alles seit 2019 entwickelt hat. Wir haben aus der TU Darmstadt heraus zu dritt angefangen und nun arbeiten wir für große Rechenzentren sowie Unternehmen der Automobil-, Chemie- und Pharma-Industrie. Wir haben viele Preise gewonnen, die für die Finanzierung in der Startphase wichtig waren. Inzwischen haben wir feste Kunden und nun kam der TechKonzern Microsoft auf uns zu. Über sein Risikokapitalfonds M12 unterstützt er uns nun finanziell beim Aufbau eines Standortes in den USA.

Energieintensive Unternehmen können bis zu 60 Prozent Strom einsparen

Was ist das Besondere an etalytics, dass sogar Microsoft auf Sie aufmerksam wurde?

Wir können industrielle Energiesysteme mit KI, digitalen Zwillingen und vorausschauenden Analysen optimieren. So senken unsere Kunden ihre Energiekosten, reduzieren die Emissionen und erhöhen die Resilienz der Anlagen. Energieintensive Unternehmen können so bis zu 60 Prozent Strom in ihren Prozessen einsparen. Das bedeutet deutlich weniger Kosten und ist zudem ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Microsoft hat dabei besonders unsere Anwendung in der Kälteinfrastruktur von Rechenzentren im Fokus, da der Energiebedarf der Branche durch den KI-Boom besondere Aufmerksamkeit bekommt.

Regt es Sie auf, wenn Energie verschwendet wird, etwa wenn die Heizung bollert und ein Fenster aufsteht?

Ja! Aber bei uns geht es nicht um Kleinverbraucher und den Energieverbrauch im privaten Bereich oder in einem Büro. Es ist leicht zu verstehen, dass man Energie verschwendet, wenn man im Winter bei offenem Fenster heizt. Industriebetriebe und Rechenzentren sind dagegen sehr komplexe Systeme. Auch da geht es um Heizen, Lüften und Kühlen. Aber es ist schwierig zu erkennen, wo überall in geschlossenen Produktionsprozessen und der Infrastruktur tatsächlich unwissentlich Energie verschwendet wird. Aber genau das kann die von uns entwickelte KI-Plattform etaONE®.

Strom ist in Deutschland zu teuer

Die Strompreise für Betriebe gehören zu den höchsten in Europa, so die Statistikbehörde Eurostat. Das ist ein deutlicher Wettbewerbsnachteil. Immerhin: Die Senkung der Stromsteuer wird nun auf Dauer beibehalten, die Netzentgelte sinken dank Steuergeld leicht. Und für spezielle, besonders energieintensive Unternehmen der chemischen und der Metall-Industrie, der Gummi- und Kunststoffverarbeitung, der Herstellung von Glas, Keramik, Zement, Batteriezellen und Halbleitern sowie Teile der Papier-Industrie, des Maschinenbaus und der Rohstoffgewinnung soll ab Januar ein Industriestrompreis etwas Entlastung bringen. Rund 3 Milliarden Euro will die Bundesregierung dafür aufwenden.

Wie kam die Idee, etalytics zu gründen?

Thomas Weber und ich haben uns an der TU Darmstadt kennengelernt. Im Rahmen unserer Promotion arbeiteten wir in der ETA-Fabrik und bauten sie mit auf. Sie ist ein Technologie- und Anwendungszentrum, in dem Maschinen, Versorgungssysteme und das Gebäude selbst als ein Gesamtsystem gesehen werden. Hier wird daran geforscht, wie man Energie und Ressourcen effizienter nutzen kann. Da die ETA-Fabrik eng mit Unternehmen kooperiert, haben wir schnell begriffen, dass es dort bei der Energieeffizienz großen Handlungsbedarf gibt. Eben weil die Prozesse dort so komplex sind. Also beschlossen wir, KI-basierte Software nicht nur zu entwickeln, sondern auch zu verkaufen. Björn König kam aus dem persönlichen Netzwerk von Thomas dazu. Er ist ein genialer Softwarearchitekt und stieg als Gründer mit ein, da er wie wir das Potenzial unserer Plattform erkannte. Uns drei eint unsere Leidenschaft für Deep Tech und nicht zuletzt das Thema Nachhaltigkeit.

Wie kamen Sie zum Ingenieurstudium?

Schon in der Schule hat mich die Logik hinter Mathe und Physik fasziniert und ich habe meine Leistungskurse entsprechend gewählt. Mit 16 habe ich mein erstes Unternehmen gegründet, eine Webdesign-Agentur. Um Technik und Wirtschaft zu verbinden, habe ich nach dem Abitur Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik an der Uni in Kiel studiert. Dort brachte mich dann der Forschungsschwerpunkt Windkraft zum Thema Energie. Da ich wissen wollte, wie man damit effizient umgeht, kam ich als Nordlicht nach Darmstadt. Mir fehlt immer noch das Meer, auch wenn ich mich in Darmstadt sehr wohlfühle.

Hat Sie das Kooperationsangebot von Microsoft in diesem Jahr sehr beeindruckt?

Ja klar, wir alle und eigentlich das ganze Team waren davon schon beeindruckt. Andererseits setzen wir aber sehr bewusst auf Investoren, um etalytics voranzubringen. Darunter ist zum Beispiel auch der deutsche Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. Wir wissen, dass unser Produkt gut ist und in der ganzen Welt gebraucht wird. Und Risikokapitalgeber wie Microsoft M12 oder Carsten Maschmeyer suchen ja nach Investitionsmöglichkeiten mit guten Chancen, damit sich ihr finanzieller Einsatz für sie auch irgendwann rentiert. Das ist für uns schon Druck und ein enormer Antrieb. Für mich persönlich bedeutet das Ganze zudem eine besonders große Umstellung. Schon Anfang 2026 werde ich mit meiner Familie in die Nähe von San Francisco ziehen, um dort persönlich unseren US-Standort aufzubauen.

Bedeutet das, etalytics geht ganz in die USA?

Nein, es wird nur unser erster Standort außerhalb Deutschlands sein. Wir planen außerdem weitere Standorte in Deutschland und in Asien. KI-Modelle wie ChatGPT verarbeiten riesige Datenmengen und Informationen und brauchen dazu leistungsstarke Grafikprozessoren. Für die Beantwortung einer einfachen Frage benötigt eine KI zehnmal mehr Strom als eine Suchmaschine wie etwa Google. Man geht derzeit davon aus, dass sich allein der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird. Umso wichtiger ist es, dass man jede Möglichkeit zum Energiesparen nutzt. Wir helfen Rechenzentren dabei und davon sind gerade nicht nur in den USA jede Menge geplant - inklusive teilweise eigenen Kraftwerken. Aber von all dem ganz abgesehen hat uns alle drei unser Sommerfest in diesem Jahr sehr beeindruckt und schwer motiviert.

Was war das Besondere am diesjährigen Sommerfest von etalytics?

Wir sind 2019 zu dritt gestartet und zählen inzwischen 67 Beschäftigte aus zwölf Nationen. Fast alle kamen mit ihren Familien zu unserem diesjährigen Sommerfest. Das waren eine ganze Menge Menschen und genau das war uns bis dahin gar nicht so bewusst. Der Blick auf die bunte Gesellschaft hat uns klar gemacht, wie viel Verantwortung wir inzwischen tragen. Weil sie alle sich darauf verlassen, dass etalytics läuft und sie ihr Auskommen haben. Ich bin überzeugt, wir alle werden gemeinsam erstaunliche Dinge erreichen und unsere Träume von einer nachhaltigen Zukunft verwirklichen.

Zur Person

  • Niklas Panten, geboren 1987 in Aachen.
  • 2007 Abitur in Kaltenkirchen, Schleswig-Holstein.
  • Ingenieurstudium mit Masterabschluss 2014 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel.
  • Auslandsaufenthalte in Schanghai und den USA.
  • Promotion 2019 an der TU Darmstadt, zuletzt Forschungsleiter der ETA-Fabrik.
  • Gründer und CEO von etalytics seit 2019.
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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