Das Wichtigste auf einen Blick:
- Niedersachsen gelingt es nicht gut, Fachkräfte und Investoren von seiner wirtschaftlichen Stärke zu überzeugen.
- Bei einer Allensbach-Umfrage landete das Bundesland im Ländervergleich nur im Mittelfeld.
- Das Land will jetzt mit einer Image-Kampagne gegensteuern.
Harz, Heide und die Nordsee – daran denken die meisten Menschen, wenn sie Niedersachsen hören. Das ist nicht schlimm, Niedersachsen hat als Urlaubs- und Freizeitregion viel zu bieten. Als Wirtschafts- und Industriestandort bleibt das Bundesland in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings erstaunlich blass. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall in Auftrag gegeben hat.
Nur 9 Prozent der Bundesbürger außerhalb Niedersachsens geben an, eine konkrete Vorstellung vom Land zu haben. Jeder Dritte beschreibt sein Wissen sogar als gering oder sehr gering. Vor allem jüngere Menschen unter 30 Jahren tun sich schwer, Niedersachsen klar einzuordnen. Mehr als 40 Prozent von ihnen haben kaum ein Bild vom Bundesland. „Für einen Industriestandort, der im Wettbewerb um Fachkräfte, Investitionen und Innovationen steht, muss das ein Weckruf sein“, sagt NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. „Wer nicht wahrgenommen wird, findet auch nicht statt.“
Die Innovationskraft der Industrie prägt bisher nicht das Image
Auch bei der Bewertung der wirtschaftlichen Stärke schneidet Niedersachsen nur mittelmäßig ab. Im bundesweiten Vergleich liegt das Land deutlich hinter Bayern und Baden-Württemberg zurück. Zumindest Volkswagen wird mit dem Land assoziiert, sogar stärker als noch vor zwei Jahren, und erreicht mit 76 Prozent Platz zwei direkt hinter der Lüneburger Heide. Aber die Vielfalt der niedersächsischen Industrie, ihre Innovationskraft und ihre Bedeutung im internationalen Wettbewerb werden kaum wahrgenommen.
„Wer nicht wahrgenommen wird, findet auch nicht statt“
Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall
Bemerkenswert: Selbst die eigene Bevölkerung schätze die Wirtschaftskraft Niedersachsens nicht positiver ein als der Rest der Republik. Nur gut ein Viertel der Befragten hält das Land für wirtschaftlich besonders stark. „Das ist ein Warnsignal“, so Schmidt.
Zwar wissen viele, dass Niedersachsen eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung spielt und über eine leistungsfähige Industrie verfügt. Doch Attribute wie Innovation, Modernität und Zukunftsfähigkeit werden dem Land nur selten zugeschrieben. Nur rund jeder Fünfte verbindet Niedersachsen mit Innovationen, noch weniger mit einem modernen Wirtschaftsstandort. Auch Zweifel an der Qualität des Bildungssystems und an der Sicherheit von Arbeitsplätzen prägen das Bild.

Der Slogan „Niedersachsen. Klar“ könnte bald verschwinden
Aus Sicht von Hauptgeschäftsführer Schmidt ein klares Signal, dass die niedersächsische Landesregierung dringend etwas für das Image des Landes tun muss. Einen ersten Ansatz gibt es zumindest schon: Die Regierung hat zu Jahresbeginn beschlossen, 10 Millionen Euro für eine neue Image-Kampagne auszugeben. Dann dürfte sich demnächst auch der bisherige Slogan „Niedersachsen. Klar“ ändern.
Für Schmidt ein überfälliger Schritt. Der Claim habe dem Land in der Außendarstellung bislang wenig Profil verliehen, kritisiert er. Stattdessen brauche es eine professionelle, faktenbasierte Image- und Standortkampagne, die Ergebnisse der Allensbach-Umfrage sollen diesen Prozess unterstützen. „Unsere Umfrage zeigt deutlich, wo Niedersachsen steht und wo es sichtbarer, selbstbewusster und lauter werden muss.“
Die größten Branchen in Niedersachsen
Niedersachsens Wirtschaft ist stark industriell geprägt:
- Die größten Branchen sind der Automobilbau, die Land- und Ernährungswirtschaft und der Maschinenbau.
- Auch Unternehmen aus der Chemie- und Rohstoff-Industrie, aus der Wasserstofftechnologie und aus dem wachsenden Bereich der erneuerbaren Energien prägen das Land.
- Größter Arbeitgeber ist Volkswagen, aber mehr als 99 Prozent der niedersächsischen Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe.





