Das Wichtigste auf einen Blick:

  • EU-Handelsabkommen erleichtern den Zugang zu Rohstoffen und Komponenten und machen Lieferketten stabiler.
  • Unternehmen der Industrie profitieren von größeren Absatzmärkten, weniger Bürokratie und niedrigeren Kosten.
  • Freihandel reduziert Abhängigkeiten und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und den USA.

Was ist Freihandel einfach erklärt?

Freihandel bedeutet: Waren und Dienstleistungen passieren die Ländergrenzen ohne große Hindernisse. Zu solchen Hindernissen gehören:

  • Zölle,
  • Höchstmengen für die Ein- oder Ausfuhr,
  • technische Hindernisse, zum Beispiel Sicherheitsstandards.

Die Idee des Freihandels ist hingegen: Jedes Land soll frei liefern, was es am günstigsten anbieten kann. Für Unternehmen bedeutet dies zum Beispiel:

  • Sie erhalten vorteilhafteren Zugang zu Rohstoffen aus dem Ausland.
  • Auch Vorprodukte sind günstiger.
  • Der Markt für die eigenen Produkte wird größer.
  • Ohne Zölle und komplizierte Vorschriften gibt es weniger Bürokratie.

Für Verbraucher auf beiden Seiten senkt Freihandel tendenziell die Preise. Weitere Vorteile:

  • Das Angebot an Waren und Dienstleistungen wird vielfältiger.
  • Steigen die Exporte, erhöht sich die Produktion im Inland. Das kann auch heißen: mehr Jobs, höhere Jobsicherheit.

Freihandel versus Protektionismus

Das Gegenteil von Freihandel ist Protektionismus. Das ist eine Politik, die

  • die eigene Volkswirtschaft abschottet oder
  • einzelne Wirtschaftsbereiche abschirmt oder
  • durch unfaire Maßnahmen Vorteile auf Auslandsmärkten erzielt.

Das Ziel ist häufig, die heimischen Unternehmen vor Konkurrenz zu schützen. Manchmal spielt auch politischer Druck eine Rolle. Die Folgen des Protektionismus:

  • Zölle machen Importwaren teurer. Davon können die geschützten inländischen Wirtschaftsbereiche profitieren – vorläufig.
  • Meist steigen aber die Preise und damit die Inflation.
  • Ohne ausländische Konkurrenz haben Unternehmen weniger Anreiz zu Effizienz und Innovation.
  • Die Bürokratie beim Warenaustausch nimmt zu.
  • Ein Handelskrieg bedeutet Vertrauensverlust.

Für Verbraucher auf beiden Seiten senkt Freihandel tendenziell die Preise. Weitere Vorteile:

  • Das Angebot an Waren und Dienstleistungen wird vielfältiger.
  • Steigen die Exporte, erhöht sich die Produktion im Inland. Das kann auch heißen: mehr Jobs, höhere Jobsicherheit.

Fakten & Hintergründe

Vorteile und Nachteile des Freihandels für Deutschland

Deutschland ist eine Exportnation. Rund 43 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung sind auf die Exporte zurückzuführen. Darum hat der internationale Handel für Deutschland eine enorme Bedeutung. Vor allem diese Warengruppen leben vom Export:

  • Maschinen und Elektrotechnik,
  • Chemie- und Pharmaprodukte sowie
  • unedle Metalle und Waren daraus.

Wichtige Zielmärkte dieser Produkte sind die USA und China. Zugleich stellt China eine immer stärkere Konkurrenz dar.

Freihandel und offene Märkte können auch Nachteile haben. So spüren selbst innovative deutsche Unternehmen den Druck chinesischer Wettbewerber. Die Folgen sind:

  • Einheimische Unternehmen können Marktanteile verlieren.
  • Sinken dann die Gewinne, drohen Produktionskürzungen. Dies betrifft auch Arbeitsplätze.
  • Etliche europäische Unternehmen produzieren in China. Dies ist aus mehreren Gründen günstiger. Exportieren sie von dort aus zurück in die EU, verschärft sich die Konkurrenz.
  • Und: Freihandel erleichtert zwar internationale Lieferketten. Das bedeutet, Rohstoffe und Vorprodukte aus aller Welt zu beziehen. Doch je verzweigter die Lieferketten sind, umso anfälliger sind sie auch. Dies hat sich zum Beispiel in der Pandemie gezeigt.

Freihandel kann auch bedeuten, dass eigene Sicherheits-, Qualitäts- und Umweltstandards überprüft werden müssen. Gerade die EU-Landwirtschaft hat diese Argumente gegen das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur vorgebracht.

Trotzdem wurde dieses Abkommen mit vier südamerikanischen Mercosur-Staaten beschlossen. Für bestimmte Agrarprodukte gelten demnach Importbegrenzungen.

Damit solche Regelwerke insgesamt funktionieren, ist vor allem eines wichtig: dass sich die Beteiligten daran halten.

Was versteht man unter einem Handelsabkommen?

Ein Handelsabkommen ist ein Vertrag zwischen zwei oder mehr Ländern. Man unterscheidet folgende Haupttypen von Handelsabkommen:

  • Bilateral: Zwei Partner schließen einen Vertrag, zum Beispiel die EU und Japan.
  • Multilateral: Mehr als zwei Partner schließen einen Vertrag. Solche regionalen Handelsabkommen (Regional Trade Agreements, RTA) werden in aller Regel der Welthandelsorganisation (WTO) gemeldet. Die WTO verzeichnet aktuell 381 RTA, die in Kraft sind. Der Freihandelsteil des Assoziierungsabkommens der EU mit Zentralamerika ist ein Beispiel dafür. Er gilt seit 2013. Auch das EU-Mercosur-Abkommen ist ein solches RTA.

Freihandelsabkommen bauen Handelshemmnisse ab. Dies geschieht zum Beispiel durch:

  • geringere oder gar keine Zölle,
  • einheitliche Handelsregeln,
  • Anerkennung von Vorgaben wie Sicherheits- und Produktstandards, Zertifizierungen und Herkunftsnachweise,
  • bessere Marktzugänge, etwa für Investitionen und öffentliche Ausschreibungen,
  • politische Zusammenarbeit: Die Partner können weitere wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit vereinbaren. Dies geht über den Freihandel hinaus.

„Für uns ist die WTO der Kern und bilaterale Handelsabkommen wirken wie Stützpfeiler um diesen Kern herum.“

Ngozi Okonjo-Iweala, Generaldirektorin der WTO

Die Welhandelsorganisation WTO (World Trade Organization, siehe Infobox weiter unten) hat den Freihandel zum Ziel. Der ungehinderte Austausch von Waren und Dienstleistungen soll weltweit mehr Wohlstand schaffen. Dafür hat die WTO zentrale Prinzipien:

  • Liberalisierung: Barrieren wie Zölle und andere Handelsschranken sollen fallen.
  • Nichtdiskriminierung: Vorteile, die ein Land einem Handelspartner gewährt, sollen auch für die anderen Länder gelten.
  • Gegenseitigkeit: Für Vergünstigungen gibt es Gegenleistungen. Auf diese Weise profitieren alle Seiten.
  • Dialog: Die WTO legt Handelskonflikte geordnet bei.

Dazu bekennen sich die 166 Mitgliedsländer der WTO. Auch die USA zählen seit 1995 dazu. Deren aktuelle Handelspolitik bricht allerdings die WTO-Regeln.

EU-Handelsabkommen – ein Überblick

Gut zu wissen: Für die Handelspolitik ist die EU zuständig, nicht die einzelnen Mitgliedsstaaten. So steht es im Vertrag über die Arbeitsweise der EU (AEUV).

Die EU entscheidet, wie die gemeinsame Handelspolitik aussieht. Dies gilt zum Beispiel für Zölle, Handelsabkommen, Investitionen oder Schutzmaßnahmen. Das Ziel dabei: einheitliche Standards anstelle unterschiedlicher Regelwerke der 27 Mitgliedsstaaten. Mit einer Stimme zu sprechen, verschafft der EU zudem bei Verhandlungen mehr Gewicht.

Die EU-Zuständigkeit für den Handel gibt es seit 1957. Damals entstand die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) auf der Basis der Römischen Verträge. Die Gründerländer waren:

  • Belgien,
  • Deutschland,
  • Frankreich,
  • Italien,
  • Luxemburg
  • und die Niederlande.

Seitdem wurde die Gemeinschaft größer, die Kooperation enger. Die EU hat heute den größten Binnenmarkt der Welt. Das heißt: Der Handel von Waren und Dienstleistungen funktioniert ohne Zölle und weitgehend ohne Hürden.

Mit wem schließt die EU Handelsabkommen?

Heute hat die EU laut der Europäischen Kommission mehr als 40 Abkommen mit über 70 Staaten und Regionen weltweit. Mit wem sie Freihandelsabkommen schließt, hängt von bestimmten Kriterien ab. Die wichtigsten sind:

  • Wirtschaftliches Interesse: Marktchancen und Abbau von Handelshemmnissen.
  • Geopolitische und strategische Erwägungen: Dazu zählt, Abhängigkeiten zu mindern, etwa von bestimmten Rohstoff-Lieferländern. Auch gegen Handelskonflikte möchte sich die EU besser wappnen.
  • Einhaltung von Menschenrechten, Arbeits- und Umweltstandards: Die EU hat versucht, soziale und ökologische Kriterien zum Bestandteil ihrer Abkommen zu machen.
  • Rechtsfragen: Ist der Partnerstaat bereit, Regeln anzuerkennen? Dies betrifft beispielsweise technische Vorschriften, Investitionsschutz und öffentliche Aufträge. Viele EU-Freihandelsabkommen reichen daher weit über den Abbau von Zöllen hinaus.

Diese Beispiele gibt es für Freihandelsabkommen

  • Südkorea – in Kraft seit 2011: Fast alle Zölle sind abgebaut. Das Abkommen sorgte für vereinfachte Verfahren und harmonisierte technische Regeln. Der Zugang zu Services wie Telekommunikation, Umwelt oder Finanzdienste ist leichter. Besonders profitieren beispielsweise Maschinenbau, Chemie, Landwirtschaft, Textil und Stahl.
  • Kanada – teilweise in Kraft: Das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) gilt seit September 2017 vorläufig. Es hat 98 Prozent der Zölle abgeschafft. Zudem verbessert es den Zugang zum Markt und zu öffentlichen Ausschreibungen. Besonders profitieren: Maschinenbau, Chemie, Pharma und Agrar. Einige EU-Mitgliedsstaaten müssen das Abkommen noch ratifizieren. Erst dann kann es vollständig in Kraft treten.
  • Japan – in Kraft seit 2019: Das Japan-EU Free Trade Agreement (JEFTA) hat einen großen Wirtschaftsraum geschaffen: Er deckt 20 Prozent des Welthandels ab. Über 90 Prozent der Zölle zwischen der EU und Japan fallen schrittweise weg. Beide Parteien handeln ähnliche Produkte miteinander, darunter Maschinen, Autos und Chemikalien. 2023 haben die EU und Japan zudem ein Abkommen über grenzüberschreitende Datenströme geschlossen.
  • Singapur – in Kraft seit 2019: Der Stadtstaat ist der zweitwichtigste Handelspartner in Südostasien. Besonders stark ist Singapur im Dienstleistungshandel. Außer dem EU Singapur Freihandelsabkommen (EUSFTA, 2019) gibt es das Digitale Handelsabkommen (EUSDTA, 2024). Sie erleichtern Handel und Investitionen. In digitalem Handel, Finanzen und Hightech kooperieren beide Seiten strategisch.
  • Großbritannien – in Kraft seit 2021: Das Trade and Cooperation Agreement garantiert zoll- und quotenfreien Handel für EU-Waren. Es umfasst auch Dienstleistungen, digitalen Handel, Verkehr und Energie. Durch Regeln zu staatlichen Beihilfen, Umwelt und Sozialstandards soll es für Fairness sorgen. Zudem wollen beide Seiten in Sicherheits- und Justizfragen eng zusammenarbeiten.

Neue Handelsabkommen der EU

Die EU arbeitet mit Nachdruck an neuen Abkommen. Dies sind einige aktuelle Meilensteine und Vorhaben:

Das Handelsabkommen EU–Schweiz

Anfang März unterzeichneten die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und der Präsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft Guy Parmelin ein Abkommen, um die Wirtschaftsbeziehungen zu stärken. Dazu zählen die Angleichung von Vorschriften, leichterer Grenzverkehr und Updates bestehender Abkommen. Ein neues Abkommen bezieht sich auf die Beteiligung der Schweiz an EU-Programmen, etwa zu Weltraum, Euratom und Digitales Europa. Die weiteren Schritte zur Ratifizierung stehen noch aus.

EU–Indien

Ende Januar verkündeten die EU und Indien den Abschluss eines Handelsabkommens. Indien hat rund 1,5 Milliarden Einwohner und ein dynamisches Wirtschaftswachstum. Die nächsten Schritte sind nun: rechtliche Prüfung der Textentwürfe, Übersetzung in alle Amtssprachen, Annahme durch den Europäischen Rat, Unterzeichnung des Vertrags und Zustimmung des Europaparlaments. Auch Indien wird dann das Abkommen noch in Kraft setzen.

EU–Mercosur

Im Januar 2026 unterzeichneten die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für die EU sowie die Mercosur-Vertreter zwei Abkommen: eine Freihandelsvereinbarung und ein umfassendes Partnerschaftsabkommen. Die vier Mercosur-Partnerländer haben zusammen rund 269 Millionen Einwohner. Das Inkraftsetzen verzögert sich allerdings. Denn der Europäische Gerichtshof soll die Vereinbarkeit der Abkommen mit EU-Recht prüfen. Zwar könnte der Handelsteil vorläufig in Kraft gesetzt werden. Ob und wann dies geschieht, ist nicht sicher.

EU–Indonesien

Im September 2025 einigten sich Indonesien und die EU auf ein Wirtschaftspartnerschafts- und ein Investitionsschutzabkommen. Indonesien hat rund 286 Millionen Einwohner und ein dynamisches Wirtschaftswachstum. Die Abkommenstexte werden dem Europäischen Rat zur Annahme vorgelegt. Dann können die Handelspartner sie unterzeichnen. Anschließend stimmen das Europäische Parlament und die Mitgliedsländer zu. Auch Indonesien ratifiziert das Abkommen noch. Damit kann es, so die Hoffnung in Jakarta, Ende 2026 oder im Jahr 2027 in Kraft treten.

„Von Kanada bis Indien, von Lateinamerika bis Südostasien suchen Länder nach einem Modell, das Offenheit bewahrt und Abhängigkeiten reduziert“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

EU–Vietnam

Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam ist bereits 2020 in Kraft getreten. Ende Januar 2026 vereinbarten die EU und Vietnam, diese guten Beziehungen weiter zu stärken. In einer strategischen Partnerschaft wollen sie unter anderem bei Investitionen, Digitalisierung, Sicherheit sowie Klima und Energie eng zusammenarbeiten. Für die deutsche Industrie sind dabei die Aspekte kritische Rohstoffe und Halbleiterfertigung besonders interessant. Vietnam hat rund 102 Millionen Einwohner und ein sehr dynamisches Wirtschaftswachstum.

EU–Australien/Neuseeland

Die Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen laufen seit 2018. Sie wurden 2023 abgebrochen, kürzlich wieder aufgenommen und sollen bald mit Erfolg zu Ende gehen. Kritische Rohstoffe aus Australien spielen dabei eine besondere Rolle. Zugleich stellt eine mögliche Obergrenze für Fleischimporte aus Down Under ein heikles Thema dar.

EU–Vereinigte Arabische Emirate 

Im Frühjahr 2025 erklärten die EU und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihren Wunsch nach einem Freihandelsabkommen. Inzwischen laufen die Gespräche. Bessere Bedingungen für den Austausch von Waren und Dienstleistungen sind dabei zentral. Ebenso auf der Agenda: mehr Kooperation bei erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff und kritischen Rohstoffen. Die wirtschaftsstarken VAE sind reich an Öl. Das Wirtschaftswachstum fußt jedoch auch auf anderen Faktoren.

EU–Pazifikstaaten (CPTPP)

Das frühere Freihandelsabkommen TTP (Trans-Pacific Partnership) heißt nun Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership. Seit die USA 2017 austraten, machten die übrigen elf Länder ohne sie weiter. Es handelt sich um: Australien, Kanada, Japan, Malaysia, Mexiko, Peru, Vietnam, Chile, Brunei, Singapur und Neuseeland. Sie bilden mit der CPTPP eine der größten Freihandelszonen der Welt. 2024 trat Großbritannien bei. Ende 2025 starteten die EU und die CPTPP einen Handels- und Investitionsdialog. Im Mittelpunkt: gegenseitige Erleichterungen, digitaler Handel, stabilere Lieferketten sowie die Zukunft des regelbasierten Handels.

Freihandel mit den USA und China: Es ist kompliziert

US-Freihandelsabkommen nicht in Sicht

Von 2013 bis 2016 versuchten EU und USA, ein Freihandelsabkommen auszuhandeln: die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Die US-Administration unter Donald Trump brach 2016 die Gespräche ab. Unter der jetzigen, zweiten Trump-Administration setzen die USA auf Protektionismus. Eine Basis für ein Freihandelsabkommen ist nicht in Sicht.

Ein EU-Handelsabkommen mit China? Es sollte fair zugehen

„Es braucht dort umfassende Ausgleichszölle, wo chinesische Wettbewerbsverzerrungen nachweisbar sind und europäische Produktion durch chinesische Niedrigpreise bedroht ist“

Jürgen Matthes, Institut der deutschen Wirtschaft

Ein klassisches Freihandelsabkommen mit China existiert nicht. Zwar gibt es seit 2020 ein Investitionsabkommen (EU-China Comprehensive Agreement on Investment, CAI). Doch zahlreiche aktuelle Spannungen verhindern seit 2021, dass es in Kraft treten kann.

Zu den Konflikten gehören:

  • Marktzugangshürden in China,
  • staatlich subventionierte chinesische Unternehmen als harte Konkurrenz,
  • eine künstliche Unterbewertung des Yuan gegenüber dem Euro: Das macht chinesische Waren noch billiger.

Das Ungleichgewicht im Handel mit China war 2025 so hoch wie nie:

  • Chinas Ausfuhren nach Deutschland stiegen auf einen Warenwert von rund 171 Milliarden Euro.
  • Zugleich brachen die deutschen Exporte nach China ein – auf rund 81 Milliarden Euro.
  • Damit ist China bei den deutschen Exportpartnern nur noch auf dem sechsten Platz – hinter Italien. 2021 stand China noch auf Platz zwei.

Davon unbenommen war China 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner.

Wie beeinflussen EU-Handelsabkommen die Lieferketten deutscher Hersteller?

Das Beispiel der engen wirtschaftlichen Beziehungen zu Kanada zeigt erneut:

  • Zollfreiheit und leichter Marktzugang stärken den Handel.
  • Deutsche Hersteller können Rohmaterialien und hochwertige Komponenten günstiger und zuverlässiger beschaffen.
  • Das macht Lieferketten widerstandsfähiger. Dies ist vor allem für Branchen wie die M+E-Industrie gut, die ihre Materialien global einkaufen.

Vorteile für Unternehmen der Industrie:

  • mehr und größere Absatzmärkte,
  • bessere Wettbewerbssituation auf internationalen Märkten,
  • leichterer Rohstoffzugang,
  • einfachere Beschaffung hochwertiger Komponenten,
  • schnellere Abwicklung an Grenzen,
  • stabilere Planung für Zulieferbetriebe,
  • geringere Kosten für importierte Rohmaterialien.

„Durch eine engere Zusammenarbeit stärken wir unsere Industrie, diversifizieren Beschaffungswege und machen unsere Volkswirtschaften widerstandsfähiger gegenüber globalen Risiken.“

Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

Vorteile vor allem für kleine und mittlere Unternehmen:

  • einfachere Zertifizierungen,
  • weniger Bürokratie,
  • reduzierte Exportkosten,
  • neue Absatzmärkte auch für Spezialprodukte.

Welche europäischen Handelsabkommen betreffen den Automobilsektor?

Das neue Mercosur-Abkommen zeigt die vielen Vorteile für den Automobilsektor. „Insbesondere die Automobilwirtschaft oder der Maschinenbau erwarten, dass ihre Exporte in die Mercosur-Staaten steigen würden“, sagt die Außenhandelsexpertin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft. „In beiden Branchen sind die Exporte durch die Zölle der USA und die chinesische Handelspolitik stark unter Druck.“

Sobald das Abkommen gilt, fällt der Zoll auf Elektroautos sofort von 35 auf 25 Prozent. Damit hätten europäische Hersteller in den Mercosur-Staaten einen direkten Preisvorteil von 10 Prozentpunkten gegenüber China. In den folgenden 18 Jahren soll der Zoll auf europäische Elektro- und Hybridfahrzeuge schrittweise weiter sinken. Dieser Vorteil betrifft dann gleich mehrere Sparten:

  • Fahrzeugbau,
  • Zulieferer,
  • Elektronik,
  • Batterieproduktion.

Wichtige Abkommen für die Auto-Industrie – weitere aktuelle Beispiele

Das Handelsabkommen mit Indien eröffnet der Auto-Industrie Zugang zu einem bisher abgeschotteten Markt: Es senkt die Zölle für 250.000 importierte Autos zuerst von bis zu 110 Prozent auf 40 Prozent. Später weiter auf 10 Prozent. Für Autoteile sollen die Zölle nach fünf bis zehn Jahren komplett wegfallen.

Kanada verfolgt eine neue E Mobilitätsstrategie: strengere Emissionsstandards, hohe Kaufprämien für E-Autos und Milliardeninvestitionen in Ladeinfrastruktur und Transformation. Für EU-Autobauer und Zulieferer bietet das große Chancen. Dank CETA können sie zollfrei liefern und sind preislich klar im Vorteil. Denn Fahrzeuge aus Ländern ohne Freihandelsabkommen – darunter China – sind künftig von kanadischen Kaufprämien ausgeschlossen.

Helfen die neuen EU-Handelsabkommen gegen Zollstreit zwischen den USA und Europa?

Eine Untersuchung des Ifo-Instituts von 2025 zeigt: Eine europäische „Freihandelsoffensive“ könnte die Auswirkungen der US-Zollpolitik nicht nur ausgleichen. Die deutsche Wirtschaft könnte dadurch sogar zulegen!

Die Analyse bezieht nicht nur die unterschriebenen Freihandelsabkommen mit den Mercosur Staaten und Indien ein, sondern auch die möglichen Abkommen mit Australien, Indonesien, Malaysia, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Trotz erhöhter US Zölle könnten die deutschen Exporte mit diesen Abkommen um bis zu 4 Prozent steigen. Besonders die exportstarken Branchen könnten ihre Wertschöpfung erhöhen:

  • der Maschinenbau um 2,7 Prozent,
  • die Chemie-Industrie um 3,1 Prozent und
  • die Automobilbranche um 3,2 Prozent.

Was ist die WTO und was macht sie?

Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) entstand 1994 mit dem Ziel, den Freihandel zu fördern. Sie ist die Nachfolge-Organisation des General Agreement on Tariffs and Trade GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) von 1948. Die WTO ist eine Organisation der Vereinten Nationen. Sie setzt sich unter anderem für fairen Wettbewerb und höheren Lebensstandard für alle ein. Dafür hat die WTO verbindliche Regeln für den Handel geschaffen. Sie beziehen sich auf Waren, Dienstleistungen und geistiges Eigentum. Die wichtigsten Prinzipien sind:

  • Freien Handel stärken – durch Zollabbau und weniger Handelsschranken.
  • Vorteile zum gegenseitigen (nicht einseitigen) Nutzen schaffen.
  • Handelspartner gleich und fair behandeln.
  • Konflikte im Dialog lösen – dafür ist die WTO die internationale Plattform.

Die WTO hat 166 Mitgliedsländer. Sie decken 98 Prozent des Welthandels ab. 22 weitere Länder wollen beitreten. Die aktuelle US-Handelspolitik verletzt die WTO-Regeln. Dies geschieht unter anderem durch willkürliche Zollerhöhungen.

Das wichtigste Entscheidungsgremium der WTO ist die Konferenz der zuständigen Minister aus den Mitgliedsländern. Diese Ministerkonferenz findet alle zwei Jahre statt. Die WTO-Mitglieder treffen ihre Entscheidungen einvernehmlich. WTO-Übereinkünfte werden dann in allen Parlamenten der Mitgliedsländer in Kraft gesetzt. Eine Kritik an der WTO lautet: Sie ist zu langsam. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala räumt gegenüber dem Handelsblatt ein: „Die WTO muss schneller, flexibler und reaktionsfähiger werden.“ Zudem haben einige WTO-Mitglieder gegensätzliche Interessen und blockieren einander. Dies und weitere Faktoren stehen dem Freihandel entgegen.

Dennoch bilanziert Okonjo-Iweala: „Trotz aller Zölle und bilateralen Maßnahmen finden noch immer rund 72 Prozent des Welthandels unter WTO-Regeln statt. Anfang 2025 waren es 80 Prozent.“

Elke Bieber
Elke Bieber
aktiv-Redakteurin

Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.

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Niklas Kuschkowitz
aktiv-Redakteur

Niklas Kuschkowitz schreibt bei aktiv über Wirtschafts- und Politikthemen. Studiert hat er Germanistik, Geschichte und Neuere Geschichte in Osnabrück und Köln. Nach einem journalistischen Fernsehvolontariat arbeitete er als Redakteur für das Redaktionsnetzwerk Deutschland, Sendungen der ARD und in der Unternehmenskommunikation. Privat lösen volle Fußballstadien und gemütliche Kinosäle große Freude in ihm aus. 

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