Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ali Ahmadi und Manuela Schenk haben ihre Teilqualifizierung zum Maschinen- und Anlagenführer bestanden. Beide übernehmen künftig zusätzliche Aufgaben und stärken so den Betrieb.
- Nach vier Modulen mit Theorie-Unterricht in der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne in Plettenberg und anschließendem Praxismonat im Drahtwerk Elisental haben sie ihren Berufsabschluss geschafft.
- Ahmadi ist seit 2016 in Deutschland und empfand trotz guter Deutschkenntnisse die Sprache als herausfordernd. Schenk, die seit 37 Jahren im Betrieb arbeitet, tat sich bei technischen Zeichnungen schwer.
Bestanden! Als diese Nachricht kam, fiel Manuela Schenk und Ali Ahmadi ein Riesenstein vom Herzen. Die Noten waren gar nicht so wichtig. Viel mehr zählte, dass sich die insgesamt 16 Monate des Lernens, die Anstrengungen und manch schlaflose Nacht ausgezahlt hatten.
Vier Module in der Teilqualifizierung: Von Ungelernten zu Fachkräften
Im August 2024 starteten die beiden ungelernten Mitarbeiter des Neuenrader Drahtwerks Elisental W. Erdmann in die Teilqualifizierung zum Maschinen- und Anlagenführer. Da hatte Märkisch aktiv die beiden schon einmal getroffen. Jetzt konnten sie entspannt erzählen, wie es ihnen ergangen ist.
Sie sind die Ersten und bislang Einzigen, die in der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne (ABG) in Plettenberg auf diesem Weg ihren Berufsabschluss nachgeholt haben. Vier Module gehören zur Teilqualifizierung, mit jeweils drei Monaten in der ABG plus anschließendem Praxismonat im Betrieb. Der Lerninhalt ist identisch mit dem der regulären Ausbildung.
Sprach- und Technik-Hürden: Starke Unterstützung durch ABG und Arbeitgeber
„Es war schon schwer“, sagt Ahmadi. Er kam 2016 nach Deutschland, arbeitet seit fünf Jahren im Drahtwerk. Trotz guter Deutschkenntnisse war die Sprache eine Herausforderung. Schenk ist seit insgesamt 37 Jahren im Betrieb, sie kämpfte unter anderem mit den technischen Zeichnungen.
„Als ich all die Bücher gesehen habe, habe ich gedacht, ich bin im falschen Film“
Manuela Schenk, Maschinen- und Anlagenführerin im Drahtwerk Elisental
Beide mussten sich erst einmal wieder ans Lernen gewöhnen. „Als ich all die Bücher gesehen habe, habe ich gedacht, ich bin im falschen Film“, sagt Manuela Schenk lachend. Nach jedem Modul hätten sie aufhören können. Beide waren immer wieder mal kurz davor, hinzuschmeißen. „Aber wir sind ein gutes Team. Wir haben uns gegenseitig gestärkt“, sind sie sich einig. Viel Unterstützung gab es zudem durch die ABG-Ausbilder und ihren Arbeitgeber.
Per Teilqualifizierung zur Fachkraft
- Mit einer Teilqualifizierung können un- oder angelernte Arbeitskräfte einen Berufsabschluss in rund 40 Berufen nachholen. Die Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne bietet dies für den Maschinen- und Anlagenführer an.
- Die Lerninhalte sind in Module aufgesplittet, die flexibel nacheinander absolviert werden können. Jedes Modul endet mit Prüfung und Zertifikat. Wer alle Module abschließt, kann bei der Industrie- und Handelskammer als Externer an den regulären Abschlussprüfungen teilnehmen.
- Die Maßnahme ist für Beschäftigte kostenlos. Die Agentur für Arbeit erstattet Betrieben einen Großteil der Kosten. Infos: abg-mk.de
Die TQ-Maßnahme als gute Alternative zur Kurzarbeit
Im Drahtwerk Elisental ist man stolz auf die „neuen“ Fachkräfte. Dort passte die TQ-Maßnahme perfekt. Ahmadi und Schenk arbeiten vor allem im Bereich thermische Drähte, überwiegend für Automotive-Kunden. „Da gab es zu dem Zeitpunkt weniger zu tun als üblich. Die Qualifizierung war die beste Alternative zur Kurzarbeit“, erklärt Personalleiter Christof Bergmann.
Ein Vorteil sei, dass die Module zeitlich flexibel absolviert werden können. So konnten Ahmadi und Schenk in der Sommerzeit im Betrieb einspringen. Nun sind sie auch fit für andere Aufgaben dort: Sie wissen mehr, schauen genauer hin. Und zeigen, was man schaffen kann – wenn man will.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
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