Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Firma Johannes Hüber in Gießen gilt als Technologieführer in der Gebertechnik.
- Drehgeber messen Drehbewegungen und wandeln diese in elektrische Signale um.
- So werden gefährliche Kettenreaktionen etwa im Braunkohletagebau verhindert.
Wenn es um extreme Einsätze in der Schwerindustrie geht, in der Hafenlogistik, auf Großbaustellen und nicht zuletzt auch im Bergbau, sind die Produkte der Gießener Firma Johannes Hübner nicht weit. Der Mittelständler entwickelt und produziert mit seinen 120 Beschäftigten führende Produkte und Systemlösungen rund um die Gebertechnik, die auch unter extremen Einsatzbedingungen funktionieren – und gilt als der Technologieführer in dieser Branche.
„Unser Drehgeber
reagiert schon auf
winzigste Veränderungen
der Drehzahl“Oliver Rüspeler, Geschäftsführer
Drehgeber messen Drehbewegungen und wandeln diese in elektrische Signale um. Für Schaufelradbagger, die im Tagebau eingesetzt werden, hat das Unternehmen eine besondere Drehgebertechnik entwickelt, die rund um die größten Bagger der Welt für mehr Sicherheit sorgt. „Unser Drehgeber FGH 40 überwacht mit bis zu einer Million Impulsen pro Umdrehung das Baggerrad und kann es bei einem Abfall der gewünschten Drehzahl sofort abschalten“, erläutert Hübner-Geschäftsführer Oliver Rüspeler.
Gefahr durch Steinnester wird gebannt
Schaufelradbagger können bis zu 100 Meter hoch und mehr als 200 Meter lang sein. Die Schaufelräder dieser Riesen arbeiten sich langsam, aber stetig durch Braunkohleflöze und fördern kontinuierlich bis zu 200.000 Tonnen Kohle am Tag. Zu den größten Förderländern zählt neben China, der Türkei, Russland, Indonesien und Polen auch Deutschland. Die Flöze selbst können bis zu 100 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Gefährlich wird der Abbau-Prozess immer dann, wenn die Drehbewegung plötzlich stockt, weil das Schaufelrad im Flöz auf ein Steinnest, einen von außen nicht zu sehenden Steinhaufen trifft. Denn auf das sich drehende Schaufelrad am Ende des Auslegers wirkt eine enorme Kraft. Solange sich das Rad ungehindert drehen kann, läuft alles reibungslos.
Trifft es aber auf ein Steinnest und wird blockiert, kann eine Kettenreaktion ausgelöst werden. Durch den plötzlichen Drehzahlabfall am Schaufelrad bäumt sich der Schaufelradausleger nach oben und kann nicht nur den Antriebsstrang des Baggers schwer beschädigen, sondern auch das Personal in große Gefahr bringen.
Rüspeler: „In einer eigenen Fallstudie haben wir diesen Prozess deshalb genau analysiert und eine leistungsstarke Lösung entwickelt, die hilft, solche Gefahrensituationen schneller zu erkennen und zu entschärfen.“ Der daraus entstandene hochauflösende Drehgeber überwacht nun die Drehbewegung des Schaufelrads sehr genau über eine optische Abtastung und erzeugt dabei bis zu eine Million Signale pro Umdrehung. Selbst winzigste Änderungen der Drehzahl kann er so zuverlässig erkennen – und das in feuchten wie staubigen Umgebungen und bei Temperaturen von minus 25 bis plus 85 Grad Celsius.
Schaufelrad wird innerhalb einer einzigen Umdrehung gestoppt
Wenn die Drehzahl des Schaufelrads nur geringfügig abnimmt, zum Beispiel um 0,5 Umdrehungen pro Minute, reagiert das System sofort und das Schaufelrad kann innerhalb einer einzigen Umdrehung nahezu vollständig gestoppt werden. Der Stillstand erfolgt dabei mit einer Genauigkeit von weniger als zwei Grad. So lassen sich Schäden am Antriebsstrang frühzeitig vermeiden. Rüspeler: „Wir erhöhen nicht nur die Betriebssicherheit der Maschine, sondern verbessern vor allem auch die Sicherheit des Baggerpersonals.“

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.
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