Dicker Velours, Steinfliesen, Parkett, Holzdielen mit Ritzen. Alles da im Testzentrum der BSH Hausgeräte GmbH. Schließlich sind wir im internationalen Kompetenzzentrum für Bodenpflege des Hausgeräteherstellers BSH. Entwicklungsleiter Silvio Hamm schnappt sich eins der neuesten Modelle. Es wischt feucht – mit rotierenden Pads, 200 Umdrehungen pro Minute. Es ist einer von 80 Millionen Staubsaugern, die seit der Gründung des Werks Bad Neustadt an der Saale im Jahr 1937 vom Band gelaufen sind.

Der fränkische Standort hat heute rund 480 Mitarbeitende, über die Jahre kam viel Staubsauger-Know-how zusammen. Und doch fällt den 85 Entwicklern immer noch etwas Neues ein, um Böden von Staub, Schmutz und Keimen zu befreien. Wie in vielen Unternehmen geht es auch bei der BSH aktuell um Transformation, Wettbewerbsfähigkeit und Anstrengungen für Nachhaltigkeit – rund um Fertigung und die Produkte. Standortleiter Johann Ossner und Entwicklungschef Silvio Hamm nahmen aktiv mit auf eine Reise ins „Mekka der Staubsauger“ in Unterfranken.

Mit dem Knickrohr unters Sofa – ganz ohne sich zu bücken

„Wir zeigen, dass man Staubsauger auch in Deutschland wettbewerbsfähig fertigen kann“, betont Johann Ossner – trotz der hohen Kosten. Ossner leitet den Standort seit knapp drei Jahren. Der Wirtschaftsingenieur kennt sich in der Welt von BSH bestens aus, war Werkstudent im Unternehmen, startete 2007 in Traunreut im Bereich Kochen. Von da ging es nach Spanien, China und wieder in die Heimat zurück. Jetzt sind Staubsauger seine Welt. Ossner zeigt sein Lieblingsmodell „Unlimited 7“. Den Akku-Sauger mit LED-Düse „fährt“ er auch privat zu Hause unter Schrank und Sofa – dank Knickrohr ohne Bücken. „Dem entgeht kein Staubkörnchen“, freut sich der Standortleiter, der sichtlich Spaß am Saubermachen hat.

„So macht Krümeljagen Spaß.“

Johann Ossner, BSH, Standortleiter

Kein Wunder, die kleinen, leichten Akkugeräte am Stab entwickeln sich immer mehr zum Renner, neben den klassischen Bodenstaubsaugern mit Kabel und Beutel. Diese stellt BSH ebenfalls in Bad Neustadt her. „Sie sind ebenfalls ausgezeichnete Geräte, die ein sehr wichtiges Standbein unserer Flotte darstellen“, so Ossner.

Der Anteil der Akku-Staubsauger (man nennt sie im Fachjargon „Multi-Use-Handstick“) betrage im europäischen Markt derzeit etwa 40 Prozent, sagt Entwicklungschef Hamm.

Dank hoher Drehzahl wird der Boden sauber

Kernkompetenz im Staubsaugerwerk Bad Neustadt sind spezielle Motoren, Stückzahl pro Jahr: drei Millionen. „Die bauen wir alle selbst“, sagt Ossner. Denn Staubsaugen verlangt hohe Drehzahlen von bis zu 100.000 Umdrehungen pro Minute (ein Umluftgebläse im Backofen kommt auf 1.500).

In die hochautomatisierte Fertigungslinie für Motoren flossen vergangenes Jahr 2,7 Millionen Euro. Jedes Lüfterrad wird per Laser präzise vermessen und anschließend durch automatisierte Verfahren optimal ausgewuchtet. So läuft alles rund, die Garantie auf den Motor beträgt zehn Jahre – ebenso lange sind Ersatzteile für die Geräte verfügbar – Longevity für Staubsauger!

Mit Nachhaltigkeit meint es BSH ernst und setzt an vielen Stellen an. Das zeigt ein Blick aufs Werk im Ganzen: Seit 2020 ist der Energieverbrauch pro produziertem Gerät um rund ein Drittel gesunken, beim Wasserverbrauch waren es sogar rund 45 Prozent.

Möglich wurde das unter anderem durch neue Kühltechnologie für Kunststoffanlagen, Prozessoptimierung im Deckeldesign sowie den Austausch von Maschinen. Ein Drittel des Maschinenparks, vor allem Spritzgussmaschinen, läuft jetzt vollelektrisch. Neue Druckluftstationen senken zudem den Verbrauch pro Gerät. Die Abwärme wird zum Heizen genutzt, Leckagen elektronisch aufgespürt und beseitigt.

Die Lackierung lässt man heute einfach weg

Ressourcen sparen gelingt mit Rezyklaten. Seit 2011 hat sich die BSH in Bad Neustadt intensiv mit dem Thema beschäftigt und den Anteil recycelter Kunststoffe auf knapp ein Drittel gebracht. Da sich lackiertes Material schlecht recyceln lässt, ersetzte man den Schritt komplett. Beimischung kleiner Pigmente erzeugt nun den Glanzeffekt, Schmuckteile werden aufgeprägt.

Auch die Verpackung ist umweltgerecht. Die Umverpackungen sind kompostierbar, auf Plastiktütchen um das Zubehör wird verzichtet. Das hilft auch den beiden Cobots, die in der Endmontage unterstützen. Sie können die Teile ohne Kunststoff viel besser handeln und in die Kartons einsortieren.

Standort für Bodenpflege

  • Das Werk Bad Neustadt wurde 1937 von Siemens gegründet. Seit 1996 gehört es zur BSH Hausgeräte GmbH.
  • 2,4 Millionen Staubsauger werden hier jährlich produziert, rund 11.000 Stück am Tag, etwa ein Gerät alle acht Sekunden.
  • Der Standort in Unterfranken ist internationales Kompetenzzentrum für Bodenpflege. Die Entwickler vor Ort sorgen dafür, dass die elektrischen Helfer im Haushalt noch leiser, energieeffizienter und emissionsärmer werden.
Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

Alle Beiträge der Autorin