Das Darmstädter Familienunternehmen Göckel mit 90 Mitarbeitern ist bei Maschinenbauern in der ganzen Welt bekannt als innovativer Hersteller hochwertiger Präzisionsschleifmaschinen. aktiv erfuhr im Gespräch mit den Geschäftsführern Uwe und Marco Zimmer, wo diese Maschinen im Einsatz sind und für exzellente Schärfe sorgen.

Herr Zimmer, der Name Göckel steht für Präzisionsschleifmaschinen und die sind in der ganzen Welt gefragt. Wofür werden sie benötigt?

Uwe Zimmer: Die werden gebraucht, wenn Messer wirklich scharf sein müssen. Dabei reden wir nicht über Küchenmesser, sondern über Werkzeuge zum Schneiden oder auch Zerkleinern von den unterschiedlichsten Materialien in den Produktionsprozessen der Industrie. Solche Werkzeuge werden auf unseren Maschinen geschliffen. Wenn Sie so wollen, liefern wir mit unseren Maschinen erstklassige Schärfe.

Wo wird die Schärfe gebraucht?

Marco Zimmer: Bei der Verarbeitung von Stahl, Glas, Keramik, Leder, Holz und vielem mehr. In der Medizintechnik, beim Verarbeiten von Lebensmitteln und rund um die Verarbeitung von Papier, etwa bei Verpackungen, Taschentüchern, Toiletten- und Zigarettenpapier. Auf modernen Maschinen werden heute pro Minute bis zu 18.000 Zigaretten produziert, alle exakt gleich. Das gelingt nur mit einem scharfen Messer, das immer wieder nachgeschliffen wird. Idealerweise dann auf einer Maschine von uns.

Wodurch heben Sie sich vom Wettbewerb ab?

Uwe Zimmer: Bei unseren Maschinen bewegt sich der Schleifkopf, ein zu schleifendes Werkstück steht still. Selbst bei sehr großen Werkstücken erreichen wir dadurch eine außergewöhnlich hohe Präzision. Mit unserer Technologie kann man anspruchsvollste Schleifaufgaben bewältigen. Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen, perfekt auf den Bedarf abgestimmt. Durch den technischen Fortschritt ergeben sich für unsere Maschinen immer wieder neue Einsatzmöglichkeiten.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Marco Zimmer: In den 1970er Jahren begann man in Deutschland Müll zu trennen. Daraus hat sich eine ganz neue Branche entwickelt, nämlich die Recycling-Industrie. Die ist für uns inzwischen ein wichtiger Zukunftsmarkt. So stecken zum Beispiel in einem Schredder zum Zerkleinern von Kunststoff 240 Messer, die regelmäßig nachgeschliffen werden müssen. Und mal schauen, welche Entwicklungen es noch geben wird.

War es für Sie selbstverständlich, die Firma weiterzuführen?

Uwe Zimmer: Ja. Am 6. September 1883 wurde Theo geboren, der erste Sohn von Gustav Göckel. Noch am gleichen Tag gründete Gustav seine Firma in der Hoffnung, dass die einmal mit Theo weitergeht. Dafür wollten dann später auch mein Bruder Steffen, der leider schon verstorben ist, und ich gerne sorgen. Und ich finde es toll, dass nun meine Söhne Sören und Marco Göckel in die Zukunft führen möchten.

Marco Zimmer: Wie viele Unternehmerkinder sind auch wir mit der Firma groß geworden. Aber es gab nie den Zwang, hier einzusteigen. Deshalb konnten wir wohl beide gut Ja sagen. Mein Bruder ist hier heute verantwortlich für den Vertrieb. Ich bin gelernter Industriemechaniker und war sechs Jahre als Servicetechniker in der ganzen Welt unterwegs. Als bei Göckel ein Meister ausfiel, hat mich mein Vater gebeten, einzusteigen. Ich begann als Montageleiter, bildete mich weiter und bin nun in der Geschäftsleitung. Am Ende ist es vielleicht doch der Geist unserer Vorfahren, der meinen Vater und nun auch mich antreibt.

Ist Nachhaltigkeit auch bei Ihnen im Haus ein Thema?

Marco Zimmer: Natürlich. Beim Energiesparen, bei Photovoltaik und vielem mehr sind auch wir gut dabei. Unabhängig von all dem sind unsere Maschinen auf Langlebigkeit und höchste Effizienz ausgelegt. Deshalb kaufen wir alte Maschinen zurück, restaurieren sie und bringen sie wieder in den Markt. Manche davon waren mehr als 30 Jahre in Betrieb. Elektronik, Kabel und auch Lager fliegen komplett raus. Aber wichtige Bauteile wie Tisch und Schleifwagen sind aus hochwertigem Stahl gefertigt und werden aufbereitet. Auch das ist eine gute Form von Nachhaltigkeit. Die generalüberholten Maschinen stehen für Göckel-Qualität und kommen gut an. Ein ausländischer Kunde bekam tatsächlich mal Probleme mit dem Zoll, weil dort beim ersten Blick keiner glauben wollte, dass man eine gebrauchte Maschine vor sich hatte. Das konnten wir dann aber schnell klären.

Wie viele Ihrer Maschinen gehen in den Export und welche Rolle spielen Zölle?

Uwe Zimmer: Die Exportquote liegt bei über 70 Prozent. Wir haben Kunden in der ganzen Welt und unterhalten Servicezentren in den USA und in Thailand. Fast jede fünfte Maschine von uns geht in die USA. Früher haben wir die Maschinen schlüsselfertig und verzollt angeboten und geliefert. Aktuell wagen wir das nicht mehr, weil die Zollgebühren unkalkulierbar sind.

Was tun Sie, um in Deutschland noch wettbewerbsfähig produzieren zu können?

Uwe Zimmer: Auch bei uns geht es nur durch die Optimierung von Prozessen, die Digitalisierung und den ständigen Blick auf die Kosten. Uns hilft der Eigenfertigungsanteil von über 65 Prozent. Wir kaufen nur etwa ein Drittel der benötigten Teile zu. Alles andere produzieren wir selbst, vom Drehen, Fräsen und Schweißen bis zum Motorenbau und der Lackiererei. Hier im Werk stoßen wir allerdings an unsere Grenzen und planen deshalb einen Neubau außerhalb der Stadt.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Marco Zimmer: Unsere Maschinen selbst stimmen mich schon sehr zuversichtlich, da man sie eben in sehr vielen Branchen braucht. Unsere Märkte sind noch längst nicht ausgereizt. In 142 Jahren gab es viele Höhen und Tiefen. Im Zweiten Weltkrieg starben allein am 11. September 1944 in Darmstadt mehr als 20.000 Menschen und die Stadt wurde zum Trümmerhaufen. Auch unsere Fabrik war nur noch Schutt. Aber Theo Göckel baute sie wieder auf. Sein Mantra war: Es geht immer weiter. Und das motiviert auch mich.

Zum Junior

Marco Zimmer, geboren 1986 in Heppenheim.

  • 2002 Ausbildung zum Industriemechaniker bei Carl Schenck in Darmstadt, Übernahme als Servicetechniker.
  • 2011 Einstieg als Meister und Montageleiter bei Göckel.
  • 2012 Betriebsleiter, später berufsbegleitend Weiterbildung zum Betriebswirt.
  • Seit Januar 2025 Mitglied der Geschäftsleitung.

Zum Senior

Uwe Zimmer, geboren 1959 in Jugenheim (Rheinland-Pfalz).

  • Ausbildung zum Bankkaufmann, anschließend Wehrdienst bei der Bundeswehr.
  • 1981 Einstieg bei Gustav Göckel als Einkäufer.
  • 2000 Uwe und Steffen Zimmer (†2017) übernehmen gemeinsam die Geschäftsleitung.
  • Seit Januar 2025 gemeinsame Geschäftsführung mit Marco Zimmer.
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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