Die Elbphilharmonie in Hamburg ist ein imposantes Gebäude, aber wer erinnert sich nicht an die unendliche Baugeschichte? Ein – positiver – Teil davon wird in Breckerfeld erzählt. Ein kompliziertes Lüftungsbauteil machte durch Druckverluste Probleme. Auf der Suche nach einer Lösung klingelte irgendwann auch bei Maschinen- und Apparatebau Hagen (m+a) das Telefon. Das Unternehmen hat sich seit vielen Jahren auf Lüftungstechnik spezialisiert und konnte schnell helfen.
Mit Strömungssimulationen zur Problemlösung
„Wir können hier Strömungssimulationen durchführen. Innerhalb von zwei Tagen hatten wir eine Lösung“, erinnert sich Geschäftsführer Marcus Winkelsträter. „Und einen Folgeauftrag für die Luftleitungen in den 45 Luxuswohnungen“, ergänzt er stolz. So etwas spricht sich herum. „Wir haben dadurch tolle Folgeprojekte bekommen“, sagt Winkelsträter und nennt als Beispiele den Berliner Dom, das Sprengel-Museum Hannover oder das Klinikum Braunschweig.
Die passgenau gefertigten Ovalrohre und Formstücke, die da verbaut wurden, zeichnen das Unternehmen aus. Sie versorgen Gebäude aller Art mit frischer Luft, Wärme und einem guten Raumklima. m+a kann auch rund und eckig. Ein Blick in die sanierte Wikinghalle Handewitt zeigt aber die Vorteile der ovalen Lüftungsleitungen: Sie sparen durch ihre flache Form Platz, wichtig gerade bei niedrigen Raumhöhen, und sie wirken, sichtbar verbaut, als Designelement.
Auf der Höhe der Zeit ist das Unternehmen nicht nur mit der immer wieder verfeinerten Fertigungstechnik. Die Digitalisierung ist ein großes Thema. Ein „Augenöffner“ war laut Winkelsträter vor einigen Jahren eine Veranstaltung beim Märkischen Arbeitgeberverband zur digitalen Neukundengewinnung. Das Lager ging er als Erstes an. „Da wurde auch schon mal etwas nicht gefunden, das hätte da sein müssen.“ Ein Kredit finanzierte die konsequente Digitalisierung. Seitdem wurde jährlich weiter investiert und auch personelle Verstärkung für diesen Bereich in den Betrieb geholt.
Auf dem Weg zum papierlosen Betrieb
„Wir haben geändert, was geändert werden konnte“, sagt Winkelsträter. Ein Dokumentenmanagementsystem erspart das Ausdrucken, Aktenordner verschwinden: „Die Daten fließen automatisch ein. Jeder hat einen schnellen Zugriff darauf“, erklärt Nico Franke-Jantzen aus dem Digitalisierungsteam. Das Herumtragen von Unterschriftenmappen wurde überflüssig: Die Signaturen sind eingescannt.
Über ein BI-System (Business Intelligence) sind alle zwei Stunden alle Daten und Kennzahlen aus dem Betrieb aktuell abrufbar. Überall sind Scanner im Einsatz, Tablets für alle Abteilungen liegen bereit. Der Cybersicherheit wird viel Aufmerksamkeit gewidmet – ein Pentest, ein simulierter Hackerangriff, soll demnächst zeigen, ob es reicht. Online-Marketing und Website wurden modernisiert. 3D-Planung und virtuelle Bauwerksvisualisierung sind mit den m+a-BIM-Daten möglich (BIM = Building Information Modeling).
Einsatz von künstlicher Intelligenz wird geprüft
Jetzt steht die Nutzung von künstlicher Intelligenz auf der Agenda. „Wir sind dabei, einen Plan zu erstellen, was machbar ist“, sagt Franke-Jantzen. Die Website entsprechend anpassen, zum Beispiel. „Wir haben bereits Kunden, die uns über ChatGPT gefunden haben.“
Aber nicht alles wollen die Breckerfelder in die digitale Welt übertragen. „Wer das nicht hat, kann bei den Großen n0icht mitspielen“, räumt Maximilian Köser ein, der im Mai in die Geschäftsleitung aufgerückt ist. „Aber das persönliche Verhältnis zu unseren Kunden und der vertraute Umgang sind mindestens ebenso wichtig.“
Digital, verlässlich, innovativ – das half trotz Umsatzverlusten gut durch die vergangenen zwei Jahre. „Wir machen viel, wozu andere keine Lust haben“, sagt der Juniorchef. Man hat das technische Know-how auch für knifflige Lösungen. Im Maschinen- und Anlagenbau hat man viele, auch größere Kunden gewinnen können. Mit Systembaugruppen biete man Komplettlösungen von der Ingenieurleistung über das fertige Produkt bis hin zu den benötigten Montageteilen. „Massenlieferungen sind nicht unser Ding. Wir machen es lieber klein und fein“, ergänzt Winkelsträter. Einige schöne Projekte habe man da am Start. Er rechnet mit einer leichten Umsatzsteigerung in 2026.
Da sind dann alle der rund 50 Mitarbeiter gefragt. Auf ein offenes, familiäres Miteinander legen sie Wert. „Wenn Not am Mann ist, kommen alle auch samstags. Currywurst und Brötchen zahlt die Firma“,erzählt Max Köser. Kurzfristig freinehmen für einen Termin, Kind oder Hund mitbringen, wenn die Betreuung fehlt, den Firmenbus für den Umzug ausleihen, gemeinsam feiern und vieles andere mehr ist auf der anderen Seite eine Selbstverständlichkeit. Familienfreundliches Unternehmen – dafür gab es zuletzt das entsprechende Prädikat.
Wie man das wichtige Know-how im Betrieb erhalten kann, dazu startet im Frühjahr ein Projekt mit dem Fraunhofer-Institut. Da geht es dann wieder um KI: Wie kann Wissen nicht nur von Mitarbeiter zu Mitarbeiter übertragen werden, sondern so, dass alle darauf zugreifen können.

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten.
Alle Beiträge der Autorin





