Lakal aus Saarlouis: Vom Handwerksbetrieb zur Industriemanufaktur
Rollläden, Tore, Sonnenschutz- und Smarthome-Lösungen: Lakal fertigt in Saarlouis mehr als 1.200 Produktvarianten – jedes Element wird nach Kundenwunsch geliefert. Drei Viertel des Umsatzes macht die Firma in Frankreich.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Lakal stellt in Saarlouis Rollläden, Tore und Sonnenschutzsysteme her, von denen mehr als 80 Prozent Maßanfertigungen sind.
- Das Unternehmen bietet mehr als 1.200 Varianten in über 600 Farben an. Abnehmer sind ausschließlich Fachhändler und Handwerksbetriebe.
- Die Firma produziert im Zwei-Schicht-Betrieb und verspricht die Auslieferung von Kundenaufträgen innerhalb von zehn Tagen.
Wruuum – Lanza Gaetano setzt die Kreissäge an und schneidet Aluminiumlamellen präzise auf die richtige Länge zu. Später werden sie ineinandergehakt, Glied für Glied, bis sie einen langen, beweglichen Rollladenpanzer bilden. Ein paar Meter weiter breitet Solange Henry einen solchen vor sich auf dem Tisch aus, prüft jeden Abschnitt und kontrolliert, ob die Lamellen gleichmäßig ineinandergreifen.
In der nächsten Halle schraubt Roman Sitner Akkus in Vorbaukästen – das sind die Gehäuse, die an der Fassade montiert werden und in denen der Rollladen verschwindet, wenn er hochgezogen wird. Sauber sortiert und etikettiert stehen die sogenannten Wellen bereit: Metallachsen, um die sich der Panzer wickelt. In ihren unterschiedlichen Längen erinnern sie an die Skyline einer Großstadt. Jeder Kasten bekommt seinen Antrieb eingebaut, ehe alle Teile zusammengefügt werden.
So läuft, vereinfacht erklärt, die Rollladen-Produktion bei Lakal in Saarlouis. „Wir produzieren hier oft Losgröße eins", sagt Geschäftsführer Heiko Sonnekalb beim aktiv-Besuch im Gewerbegebiet auf dem Lisdorfer Berg. Losgröße eins – das ist ein anspruchsvolles Versprechen: kundenindividuelle Einzelstücke mit viel Handarbeit zu Preisen, die sonst nur die industrielle Serienfertigung ermöglicht.
Im Angebot hat das Unternehmen mehr als 1.200 Varianten von Rollläden, Toren, Vorbaukästen, Jalousien für den Außenbereich (Raffstores) und Sonnenschutzsystemen. „Unser Ziel ist es, das komplette Spektrum an Systemlösungen in diesem Bereich anzubieten“, sagt Sonnekalb. Mehr als 80 Prozent der Produkte sind Maßanfertigungen. Über 600 Farben hält die Firma dafür ständig verfügbar.
Die 335 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwirtschaften rund 84 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Fast die Hälfte davon entfallen auf Vorbausysteme, also jene Rollladenkästen, die außen vor den Fenstern montiert werden. Und das Unternehmen wächst noch weiter und stellt derzeit gezielt neue Mitarbeiter in der Produktion ein.
Lakal: Ein Unternehmen mit Netzwerk
- Die Lakal GmbH mit Sitz in Saarlouis zählt zu den ältesten europäischen Systemhäusern für Rollläden und Tore aus Aluminium. Die Firma wurde 1924 gegründet und gehört seit 1999 zur Dr.-Arnold-Schäfer-Gruppe, einer Beteiligungsholding mit mehreren Industrieunternehmen aus dem Saarland.
- Am Lakal-Hauptsitz in Saarlouis sind Verwaltung, Produktion und Logistik gebündelt.
- Die 335 Mitarbeiter produzieren für Kunden in Deutschland, Frankreich und weiteren internationalen Märkten.
Saarländischer Hersteller mit französischem Schwerpunkt
Die Grenznähe ist für Lakal ein strategisch wichtiger Faktor. Denn rund 75 Prozent seines Absatzes erzielt das Unternehmen in Frankreich. Danach folgen Deutschland, Österreich und die Schweiz. Aber auch in Japan und Nordafrika kommen Produkte aus Saarlouis zum Einsatz. „In Frankreich werden wir als französisches Unternehmen wahrgenommen“, sagt Sonnekalb, „das ist ein großer Wettbewerbsvorteil.“
Seit 2018 beschäftigt das französische Schwesterunternehmen Lakal France S.A.S. im Nachbarland 25 Mitarbeiter in den Bereichen Vertrieb und Marketing. Die Nähe zu Frankreich prägt auch die Produktion in Saarlouis: Rund 60 Prozent der Angestellten sind Grenzgänger. Auf dem Werkgelände werden beide Sprachen – Deutsch und Französisch – gesprochen.
„Wir sind ein europäisches Unternehmen“, betont der technische Leiter Helmut Karpinski. Der Routinier hat sich mit Anfang 60 noch mal einen ganz neuen Job gesucht: Nach drei Jahrzehnten in der Automobil-Industrie entschied er sich für einen Branchenwechsel. „Das Unternehmen von einem großen Handwerksbetrieb zur Industriemanufaktur zu lenken, das finde ich eine extrem reizvolle Aufgabe“, sagt Karpinski. „Ich freue mich sehr darüber, wie aufgeschlossen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Veränderungen gegenüber sind.“
„Lakalité“: Familiäre Atmosphäre, kurze Wege, persönliche Ansprache
Diese offene Unternehmenskultur hat hier sogar einen eigenen Namen: „Lakalité“. „Diese Wortkreation beschreibt unsere familiäre Atmosphäre: kurze Wege, persönliche Ansprache in verschiedenen Sprachen, ein starkes Miteinander“, sagt Geschäftsführer Sonnekalb. „Wir sind von etwa 100 auf mehr als 300 Beschäftigte gewachsen – haben uns dieses starke Miteinander aber immer bewahrt.“
Auch Karpinski konnte das schnell festgestellen, als er im Herbst neu in den Betrieb kam: „Die Mitarbeiter hier sagen ihre Meinung, sie bringen sich konstruktiv ein. Das ist nicht selbstverständlich – und bei unseren nötigen Prozessanpassungen enorm hilfreich.“ Um diesen Spirit beizubehalten, achtet Lakal auch bei Neueinstellungen nicht nur auf Qualifikation. „Wichtig ist, dass jemand ins Team passt“, sagt Karpinski. „Einzelkämpfer haben es hier schwer. Die Zusammenarbeit steht im Mittelpunkt.“
Die Wortkreation „Lakalité“ beschreibt unsere familiäre Atmosphäre: kurze Wege, persönliche Ansprache in verschiedenen Sprachen, ein starkes Miteinander“ Heiko Sonnekalb, Geschäftsführer von Lakal
Ambitioniertes Versprechen: Lieferung innerhalb von zehn Tagen
Die drei Produktionshallen in Saarlouis haben eine Gesamtfläche von 20.000 Quadratmetern. Hinzu kommen 3.000 Quadratmeter Bürofläche. Jährlich entstehen am Standort rund 16.000 Kilometer Rollladen- und Sonnenschutzprofile – eine Strecke, mit der man Deutschland mehr als viermal umrunden könnte. Kundenaufträge werden innerhalb von nur zehn Tagen erledigt. Damit das gelingt, müssen Auftragsabwicklung, Materialversorgung, Fertigung und Logistik reibungslos ineinandergreifen.
Produziert wird im Zwei-Schicht-Betrieb, im Frühjahr und Sommer ist naturgemäß mehr zu tun als in den Wintermonaten. Flexible Arbeitszeitmodelle helfen, die saisonalen Schwankungen abzufedern. „Derzeit arbeiten wir daran, die einzelnen Produktionsschritte noch mehr miteinander in Einklang zu bringen“, erklärt Karpinski. Bis 2028 soll daher ein neues ERP-System, also eine zentrale Unternehmenssoftware, fester Bestandteil des Arbeitsalltags werden. „Unser Ziel ist es, bereits beim Auftragseingang den fertig kommissionierten Lkw konsequent mitzudenken. Das ist bisher noch nicht immer möglich.“
Automatisiert verpackt: Damit die Rollläden ohne Kratzer ankommen
Kratzer wären bei einem Rollladen ein nicht unerheblicher Mangel. Um solche Beschädigungen zu vermeiden, verpacken hier große gelbe Roboter die fertigen Rollläden in Kartons. „Diese Roboterarme haben wir vor vier Jahren für rund 1,5 Millionen Euro angeschafft“, sagt Sonnekalb. „Sie schneiden die Kartons vollautomatisch exakt auf die jeweiligen Maße zu und verpacken alles transportsicher.“
Die Zukunftsthemen Smarthome und Energieeffizienz fest im Blick
Die allermeisten Kunden entscheiden sich mittlerweile für motorisierte Rollläden und Sonnenschutzanlagen. Ein großer Teil der Lakal-Produkte wird also elektrisch betrieben. Und Solarlösungen spielen dabei eine immer größere Rolle. „Wir haben zunehmend mehr Akkus auf Lager, die in den Vorbau-Rollläden verbaut werden“, sagt Technikchef Karpinski.
Übrigens hat sich Lakal auch selbst eine Solarlösung geleistet, um den hohen Energiekosten etwas entgegenzusetzen. Auf den Dächern der Gebäude erzeugt eine Photovoltaikanlage mit rund 1,3 Megawatt Leistung jährlich bis zu 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom. Lakal bezog den Standort 2017 und verbaute die PV-Anlage direkt. 2022 folgte eine Erweiterung. Etwa 55 bis 60 Prozent des erzeugten Stroms kann das Unternehmen selbst nutzen, weil es überwiegend tagsüber produziert.
Lakal hat bei der Energieversorgung das ganze System im Blick: Im Zuge der Erweiterung wurde die Anlage durch einen Batteriespeicher mit 308 Kilowatt Leistung ergänzt. Außerdem stehen inzwischen zwölf Fahrzeugladesäulen für Kunden, Mitarbeiter und die wachsende Elektrofahrzeugflotte bereit. Insgesamt hat das Unternehmen knapp 1,5 Millionen Euro dafür investiert. „Dabei geht es nicht nur um Energiekosten: Nachhaltigkeit wird von Kunden und Öffentlichkeit immer stärker wahrgenommen und erwartet“, sagt Sonnekalb.
Die digitale Steuerung der Produkte per App gehört hier auch längst zum Angebot. „Unsere französischen Nachbarn sind beim Thema Smarthome schon deutlich weiter“, sagt Sonnekalb. Er ist sicher: „Die Vernetzung der Technik im Haus wird auch bei uns weiter zunehmen.“
Rollläden und Sonnenschutz für klimaeffizientes Bauen
Ob Rollläden, Tore, Sonnen- oder Insektenschutz: Die Branche dahinter ist wichtig für klimaeffizientes Bauen und Ausbauen, weil die Produkte Gebäude vor Überhitzung schützen, Energie sparen helfen und Insekten draußen halten. Nach Angaben des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz gibt es in Deutschland rund 4.000 Betriebe mit etwa 20.000 Beschäftigten. Der Branchenumsatz liegt bei rund 3 Milliarden Euro.
Das könnte Sie auch interessieren:










