Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Künstliche Intelligenz lernt aus großen Datenmengen, erkennt Muster und wird bereits in Alltag, Industrie und vielen Anwendungen wie Navigation, Diagnostik oder automatisierten Prozessen eingesetzt.
  • KI verändert die Arbeitswelt, indem sie vor allem Routineaufgaben übernimmt, Prozesse effizienter macht und neue Anforderungen sowie Berufsbilder schafft. Ob Tätigkeiten überflüssig werden, hängt aber nicht allein von Automatisierbarkeit und KI ab.
  • Trotz Risiken wie Wirtschaftlichkeit, Qualifikationsbedarf und Datenschutzfragen überwiegt das Potenzial, das KI bietet.

Mal ehrlich, haben wir uns das nicht alle schon mal gewünscht? So ein kleines Helferlein wie in unserem Bild oben? Das mitdenkt und uns Rat zuflüstert? Das sortiert, ergänzt, vielleicht sogar vorausdenkt … Das Helferlein ist längst Realität: Hallo, künstliche Intelligenz!

Was ist KI, einfach erklärt?

Künstliche Intelligenz ist Software, die aus riesigen Datenmengen lernt. Um bestimmte Funktionen zu erfüllen, wird sie gezielt mit diesen Datenmengen trainiert. Sie erkennt Muster und assoziiert. Sie kann, wenn sie entsprechend trainiert wurde, unerwünschte Abweichungen erkennen.

Von generativer KI spricht man, wenn diese vermeintlich kreative Ergebnisse produziert. Dazu zählen

  • Texte,
  • Bilder,
  • Audios,
  • Videos,
  • Programmier-Codes
  • 3D-Modelle und
  • Simulationen.

So hilft sie, Aufgaben schneller oder besser zu erledigen. KI prägt bereits jetzt unser Leben. Ein paar Beispiele:

  • Das Navi kennt den schnelleren Weg.
  • Der Streamingdienst weiß, was wir als Nächstes schauen oder hören möchten.
  • Schülerinnen und Schüler machen Hausaufgaben mit ChatGPT.
  • Das E-Mail-Postfach sortiert Mails vor.
  • Autos bremsen selbsttätig.
  • Maschinen wissen, wann sie gewartet werden müssen.
  • Software wertet Röntgenbilder präzise aus.

„KI verändert vollständig, wie wir leben und arbeiten, sogar, wie wir denken. Sie wird immer selbstverständlicher. Und so alltäglich wie Strom!“

Barbara Engels, Ökonomin und KI-Expertin im Institut der deutschen Wirtschaft

„Künstliche Intelligenz ist vermutlich die größte Revolution, die wir je hatten – größer als alle industriellen Revolutionen zuvor“, sagt Barbara Engels, Ökonomin und KI-Expertin im Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Was ist ChatGPT für eine KI?

ChatGPT ist eine Sprach-KI. Das heißt: Es handelt sich um eine Anwendung, die mit Text arbeitet. Sie kann geschriebene oder gesprochene Sprache „verstehen“ und liefert Antworten.

ChatGPT basiert auf einem sogenannten Large Language Model (LLM, deutsch: großes Sprachmodell). LLMs wurden mit riesigen Datenmengen trainiert, um Muster in Text und Sprache zu erkennen. Sie funktionieren wie Vorhersagemaschinen: Mit enormen Trainingsdaten gefüttert, erzeugen sie eine Sprache, die den gelernten Mustern folgt.

LLMs erkennen Zusammenhänge, Feinheiten und Argumente. Das ermöglicht eine natürliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

Dabei ist wichtig zu wissen: Die Antworten von LLMs wie ChatGPT beruhen immer auf der statischen Wahrscheinlichkeit, welche Formulierung wohl als Nächstes folgt. Das ist ein Grund, warum LLM-Ergebnisse gut formuliert, aber in der Sache komplett falsch sein können. Solche überzeugenden Falschaussagen kommen sogar häufig vor. Man nennt sie Halluzinationen.

ChatGPT stammt von dem US-Unternehmen OpenAI. Weitere beliebte LLMs sind:

Auch diese Anbieter sind US-amerikanisch.

KI-Anwendungen, die ganz anders funktionieren als ChatGPT & Co.

Es gibt viele KI-Systeme, die keine Sprache erzeugen. Doch auch sie brauchen große Mengen an Trainingsdaten, damit sie Muster erkennen. Beispiele für KI-Anwendungen, die nicht auf LLM beruhen, sind:

  • Bilderkennung in der Medizin: Die KI wird mit Bildern trainiert, die, einfach gesagt, gesunde und kranke Zustände eines Körperbereichs zeigen und entsprechend gekennzeichnet sind. Aus massenhaften Daten lernt sie und kann dann Medizinprofis bei Befunden unterstützen.
  • Überwachungskameras: Die KI lernt anhand von Aufnahmen, was normal und unbedenklich aussieht und was davon abweicht. So kann sie Eindringlinge erkennen und Alarm auslösen.
  • Empfehlungen, zum Beispiel bei Onlineshops: Die KI erfasst, was sich User bereits angesehen, gemerkt oder gekauft haben. Mit jeder beobachteten Verweildauer oder Klicks wird sie klüger. Dann kann sie Empfehlungen abgeben.

Deutschland hat die Chance auf einen Spitzenplatz im KI-Anwendungsbereich

Deutschland hat Chancen auf Markterfolge mit KI-Anwendungen, „wenn wir unsere Hausaufgaben machen und vor allem auch aufs Tempo drücken“, so Expertin Engels. Was nicht unbedingt bedeutet, dass das nächste ChatGPT aus Deutschland kommen muss. Denn: Was die KI-Grundlagenforschung angeht, sind uns Amerika und auch China laut Engels weit enteilt.

Aber: „Auf der Anwendungsebene sind wir sehr gut aufgestellt.“ Deutschland verfügt noch immer über eine starke Industrie. Und diese wiederum über einen immensen Datenschatz. „Wenn wir den mit künstlicher Intelligenz verweben, haben wir die Chance, im industriellen Anwendungsbereich weltweit führend zu sein.“

Wie groß der Hebel ist, lässt sich auch in Zahlen fassen: Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnten hierzulande schon bis 2034 durch KI-Einsatz zusätzliche 440 Milliarden Euro an Wertschöpfung entstehen.

Mit KI gegen den Fachkräftemangel

Erheblicher Fachkräftemangel, lahmende Produktivität, spärliche Innovationen: Hier könnte KI ein Teil der Lösung sein. Wenn wir es richtig anstellen. „KI ist so etwas wie der größte Werkzeugkoffer aller Zeiten“, macht Expertin Engels klar. Die passenden Werkzeuge an der richtigen Stelle einzusetzen – auch davon hänge zukünftig Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ab. Dafür müssten wir lernen, KI nicht nur zu nutzen, sondern auch zu verstehen und zu gestalten.

Abwarten ist für Engels jedenfalls keine Option. „Die künstliche Intelligenz kann man nicht mehr kleinhoffen. Sie ist da – und wenn wir sie nicht nutzen, dann macht es jemand anderes. Und zwar zu unserem Nachteil.“

Wo und wie KI bei uns schon munter im Einsatz ist, das hat aktiv hier zusammengetragen.

KI in der Arbeitswelt: So verändert sie Unternehmen in der Industrie

KI kann im Industriebetrieb eine übergreifende Rolle mitsamt Entscheidungen übernehmen – natürlich mit festgelegten Regeln. Zum Beispiel: Ein Fertigungs-KI-Agent, der Zugriff auf alle Produktionsdaten und Aufträge hat, erledigt die komplette Fertigungs- und Einsatzplanung. Und bestellt sogar die Ersatzteile. Kollege Mensch muss nur noch bestätigen. Oder: Industrie-Roboter erledigen Aufgaben eigenständig. Das gibt’s in Teilen der Industrie bereits heute.

In der Industrie ginge noch viel mehr

42 Prozent der deutschen Industrieunternehmen setzen bereits KI in der Produktion ein. Dies meldet der Digitalverband Bitkom. Aber: Die Betriebe steigern damit bisher oft nur die Effizienz in einzelnen Bereichen. Strategische Effekte bleiben dann aus.

5 Prozent der hiesigen Unternehmen nutzen KI auch gezielt für neue Geschäftsmodelle oder große organisatorische Veränderungen. In anderen Staaten liegt dieser Anteil deutlich höher, in Großbritannien zum Beispiel mehr als doppelt so hoch. Dies zeigte eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte.

Beim Thema Industrie 4.0 sieht knapp die Hälfte der von Bitkom befragten Unternehmen unser Land als Nachzügler. Die meisten halten China für den Spitzenreiter, gefolgt von den USA. Als Bremsfaktoren wirken:

  • die wirtschaftliche Krise der deutschen Industrie und
  • die Rahmenbedingungen: sicherer Rechtsrahmen ja, übermäßige Regulierung nein.

Welche Vor- und Nachteile hat KI in der Arbeitswelt?

„KI-basierte Technologien sind dazu da, Menschen zu unterstützen. Das müssen sie auch spüren“

Nicole Ottersböck; Institut für angewandte Arbeitswissenschaft

Viele Beschäftigte nutzen KI bereits im Alltag, oft ohne es direkt zu merken. Die Technik steckt mittlerweile in vielen Programmen und Maschinen.

Dies sind die Vor- und Nachteile auf einen Blick:

Vorteile:

  • Entlastung bei Routineaufgaben,
  • schnellere Prozesse,
  • Entscheidungsunterstützung,
  • mehr Effizienz in Produktion und Logistik.

Nachteile:

  • Neue Anforderungen an Qualifikation,
  • Unsicherheit bei Beschäftigten,
  • Datenschutz- und Sicherheitsfragen,
  • Investitionskosten für Unternehmen.

Der Hauptvorteil von KI in der Arbeitswelt: Entlastung bei Routine-Tätigkeiten

  • Mit KI gegen Monotonie: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat gezeigt: Rund 85 Prozent der Unternehmen wollen KI vor allem bei Routinearbeiten einsetzen. Das spart Zeit und entlastet Beschäftigte.
  • KI in der Produktion: Hier kann KI zum Beispiel früh erkennen, wann Maschinen gewartet werden müssen. Sie hilft bei der predictive Maintenance (vorausschauende Wartung). So lassen sich Wartungen planen und Ausfälle oft vermeiden.
  • Routenplanung leicht gemacht: Auch in der Logistik kommt KI schon an vielen Stellen zum Einsatz. Die Systeme helfen etwa bei der Planung von Lieferwegen oder bei der Steuerung von Warenströmen.
  • Automatisiertes Lagermanagement: Viele Lager arbeiten ebenfalls bereits mit KI-Systemen. Wird ein Bauteil entnommen, kann dies automatisch eine Nachbestellung auslösen. Das spart Zeit und verhindert Engpässe.
  • Unterstützung im Büro: Programme können Informationen sortieren, Texte zusammenfassen oder Besprechungen vorbereiten. Viele Unternehmen sehen hier großes Potenzial.

KI: Nachteile und wie man sie überwinden kann

  • Sorge um den Job: Manche Menschen machen sich Gedanken um ihre berufliche Zukunft. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass KI viele Berufe eher verändert als komplett ersetzt.
  • Permanentes Lernen: Beschäftigte müssen lernen, mit neuen Programmen und Systemen umzugehen. Abläufe und Tätigkeiten sind im Wandel. Wichtig ist deshalb, Beschäftigte beim Einsatz der neuen Technik mitzunehmen.
  • Datenschutz und -sicherheit: Unternehmen müssen darauf achten, dass sensible Daten geschützt bleiben. Gerade beim Einsatz externer KI-Programme spielt Datensicherheit eine wichtige Rolle. KI ist manipulierbar.
  • Qualität sicherstellen: Vor allem bei Entscheidungen und auch im direkten Kundenkontakt spielt der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle. Er trägt die Verantwortung.
  • Wann lohnt es sich? Neue KI-Systeme kosten Geld. Firmen müssen oft in Software, Prozesse, Technik und Schulungen investieren. Es gilt daher, das Verhältnis von Aufwand und Nutzen genau zu kalkulieren.
  • Ungenutztes Potenzial: Viele Unternehmen nutzen KI bisher nur in einzelnen Bereichen. Manchmal fehlen Daten oder Fachkräfte, um KI-Lösungen auf breiter Basis einzusetzen.

KI-Jobs: Wie sich Arbeit verändert

KI gehört mittlerweile in fast jedem Arbeitsbereich dazu 

Laut einer aktuellen Bitkom-Studie setzen Unternehmen generative KI am häufigsten in diesen Bereichen ein:

  • Kundenkontakt (88 Prozent),
  • Marketing und Kommunikation (57 Prozent),
  • Forschung und Entwicklung (21 Prozent),
  • Produktion (20 Prozent).

Thomas Prinz, Experte für Arbeitsrecht bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ergänzt dazu im Gespräch mit aktiv: „KI hat mittlerweile in vielen Arbeitsbereichen Einzug gehalten – und das oft fast unmerklich.“

Der Einfluss von KI auf den eigenen Job wird oft unterschätzt 

Viele Arbeitnehmer merken also gar nicht, dass KI bereits Teil ihrer täglichen Arbeit ist. Und wenn sie es merken, dann unterschätzen sie oft den Einfluss der neuen Technologie. Das zeigt eine aktuelle Studie des Tüv-Verbands in Berlin: Demnach glauben fast drei von vier Befragten, dass ihre berufliche Tätigkeit nicht durch KI ersetzbar sei. 

KI könnte zu Stellenstreichungen führen

Ob KI bestimmte Jobs komplett übernehmen kann, darüber wird viel diskutiert. Laut einer Ifo-Umfrage 2025 denkt etwa ein Viertel der Unternehmen (27,1 Prozent), dass künstliche Intelligenz in den kommenden fünf Jahren zum Abbau von Stellen führen wird.

„Unternehmen, insbesondere die Industrie, erwarten einen durch KI beschleunigten Strukturwandel“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Nur 5,2 Prozent der Unternehmen rechnen mit zusätzlichen Jobs.

Soll KI in Zukunft gezielt eingesetzt werden, um Mitarbeiter zu ersetzen?

Professorin Verena Nitsch, Direktorin des Instituts für Arbeitswissenschaft (IAW) der RWTH Aachen, sagt dazu: „Einige Untersuchungen, wie der International Labour Organization zeigen, dass viel mehr Jobs durch KI unterstützt werden, als durch ihren Einsatz wegfallen.“ Das heißt: Der Einsatz von KI-Systemen bietet ein großes Potenzial, um Arbeit zu erleichtern.

Und das sehen auch viele Mitarbeitende so. „Es scheint jetzt schon so zu sein, dass viele Mitarbeitende von sich aus nach KI-Anwendungen suchen und diese nutzen, um sich die Arbeit zu erleichtern“, sagt die Expertin. 

Wie verändert KI unseren Arbeitsalltag? 

Wenn die KI Routinearbeiten übernimmt, bleibt dem Menschen mehr Zeit für andere und auch anspruchsvollere Aufgaben.

KI im Arbeitsalltag: Beispiele

Ein einfaches Beispiel: Der Techniker eines Herstellers für Industrietore besucht einen Kunden, der einen Schaden an seinem Tor festgestellt hat. Vor Ort kann der Techniker Bilder des Schadens machen und in das eigene Firmennetzwerk einspeisen. Eine KI erkennt, um welchen Schaden es sich handelt und schlägt dem Techniker die passenden Ersatzteile vor. Mit einem Klick kann er die Ersatzteile aus dem Lager bestellen, wo ebenfalls eine KI für die Nachbestellung des Teils sorgt. Die Informationen zu dem Schaden werden außerdem direkt der Kundenkartei zugeordnet. Somit hat der Techniker mehr Zeit für die Kundenbetreuung und Beratung vor Ort, die vielen organisatorischen Aufgaben im Hintergrund übernimmt eine KI.

Solche Beispiele lassen sich in fast jedem Berufsfeld finden. So könnte eine KI auch in der Produktion eines Maschinenherstellers das Sortieren einzelner Bauteile übernehmen. Das spart dem Fertigungsmitarbeiter Zeit. Diese Zeit kann er in die Montage des Produkts investieren – eine Tätigkeit, die nicht einfach so von einer KI übernommen werden kann.

Welche Arbeitsplätze schafft KI?

Durch KI entstehen auch neue Jobs. Denn um KI-Systeme zu entwickeln und später in den Arbeitsalltag zu integrieren, ist viel Fachwissen nötig. Es wundert also nicht, dass in diesem Bereich auch ganz neue Berufe entstehen oder schon vorhandene Jobs wichtiger werden.

Zu den Jobs, die durch den Einsatz von KI laut der Bundesagentur für Arbeit wichtig sind und bleiben, gehören:

  • Softwaretechniker,
  • Anwendungsentwickler,
  • Daten- und Prozessanalytiker,
  • Fachinformatiker für digitale Vernetzung und
  • Digitalisierungsmanager.

Zudem sind einige neue Berufsbilder entstanden, etwa diese hier:

  • Data Scientist,
  • Chatbot-Entwickler,
  • KI-Manager,
  • KI-Engineer und
  • KI-Prompter.

Mehr IT-Sicherheit ist gefragt – und entsprechende Jobs

Darüber hinaus steigen unter anderem durch KI die Cyber-Risiken. Darum investieren Unternehmen immer stärker in IT-Sicherheit. Dies meldet der Branchenverband Bitkom. Aufgaben wie diese werden gefragter:

  • Cybersecurity Awareness Manager (sie befähigen Unternehmen und ihre Beschäftigten, bei Vorfällen kompetent zu handeln),
  • Cloud Security Engineers (sie sind Experten unter anderem für Identitäts- und Zugriffsverwaltung sowie für den Einsatz von Cloud-Technologien zum Schutz von Daten),
  • Cyber Risk Manager (sie erkennen, priorisieren und überwachen Risiken für Informationssysteme),
  • Zero Trust Architects (sie überwachen und prüfen den Datenverkehr genaustens),
  • Incident Responder (sie schreiten als eine Art „Cyber-Feuerwehr“ bei Cyberangriffen ein).

Welche Berufsgruppen werden in Zukunft durch KI überflüssig?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat errechnet: Durch die Digitalisierung werden in Deutschland bis 2040 rund 2,1 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Zugleich werden aus demselben Grund rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze entstehen. Das ergibt unterm Strich ein Plus an neuen Jobs.

Fachleute sprechen von Substituierbarkeit (Ersetzbarkeit), wenn eine neue Technologie eine Tätigkeit übernehmen könnte. Sie prüfen alle paar Jahre, welche Tätigkeiten wie stark betroffen sind. Im Moment gilt laut IAB:

  • Fertigungsberufe haben die höchsten Potenziale, durch Digitalisierung ersetzt zu werden.
  • Am stärksten steigen diese Möglichkeiten jedoch in anderen Berufen: in IT und naturwissenschaftlichen Dienstleistungen.
  • Tätigkeiten, die durch KI ersetzt werden können, finden sich demnach immer stärker auf dem Expertenlevel. Das sind Tätigkeiten mit hohem Theorie- und Fachwissen, meist mit Studium. Allerdings gilt auch für genau dieses Level: Wer KI-Kompetenzen mitbringt, ist im Vorteil.

Wichtig: Substituierbar heißt nur technisch machbar. Ob dies auch sinnvoll ist oder sich rechnet, steht auf einem anderen Blatt. Drei Beispiele, unter anderem mit Zahlen des IAB-Job-Futuromaten:

Mechatroniker/in: Zu 88 Prozent automatisierbar. Unter anderem Cobots, Augmented Reality, KI-gestützte Wartung und Wearables könnten diesen Beruf deutlich verändern. Der Beruf ist ein Engpassberuf. Seit Jahren übertrifft die Zahl der offenen Stellen die Zahl der Jobsuchenden um ein Vielfaches. Die attraktiven Berufsperspektiven sind ein Grund dafür, dass die sehr gefragten Azubis ihre Ausbildung durchziehen und ihrem Ausbildungsbetrieb treu bleiben.

Ingenieur/in Informations-, Kommunikationstechnik: Zu 75 Prozent automatisierbar. Cobots, Simulationstechnologien und KI-Programmierassistenten könnten diesen Beruf deutlich verändern. Dem aktuellen Ingenieurmonitor zufolge ist dieser Beruf ein Engpassberuf. Das heißt: Es gibt deutlich mehr offene Stellen als qualifizierte Arbeitslose. Zwar verschlechtert sich im Moment der Arbeitsmarkt für Ingenieure im Berufsfeld Informatik – wegen der Wirtschaftsflaute in Deutschland. Langfristig sind die Perspektiven jedoch günstig. Die Gründe: Digitalisierung (!), Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie demografischer Wandel.

Kaufmann/-frau für Büromanagement: Zu 75 Prozent automatisierbar. KI-gestütztes Dokumentenmanagement und unternehmensweite Systeme mit KI-Funktionen könnten diesen Beruf deutlich verändern. Er ist kein Engpass-Beruf. Im Gegenteil: Seit Jahren gibt es deutlich mehr Arbeitslose als offene Stellen. Bis 2040 werden viele Bürokaufleute in Rente gehen. Der Beruf ist beliebt. Es rücken mehr Neue nach als ausscheiden.

Fazit zu angeblich überflüssigen Berufen

Die Beispiele zeigen, dass nicht KI allein über die Jobchancen bestimmt. Es werden meistens Tätigkeiten ersetzt, nicht komplette Berufsgruppen. Ob man in einem Beruf gute Perspektiven hat, hängt noch von anderen Faktoren ab. Dazu zählen das Verhältnis von Fachkräften zu offenen Stellen, der künftige Bedarf und der demografische Wandel.

Welche Berufe wird KI nicht ausüben können?

Als schwer automatisierbar gelten derzeit Berufe mit viel Hand- und Körperarbeit, etwa in Tanz- und Berufssport, Pflege, Fracht oder Bau. Drei Beispiele, unter anderem mit Zahlen des IAB-Job-Futuromaten:

Industriekletterer/in: Zu 0 Prozent automatisierbar. Seit Jahren gibt es in diesem Beruf mehr Arbeitslose als offene Stellen. Zwar werden bis 2040 viele Erwerbspersonen aus dieser Berufsgruppe in Rente gehen. Doch es rücken mehr Neue nach als ausscheiden.

Fachkraft für Arbeitssicherheit: Zu 11 Prozent automatisierbar. Digitales Dokumentenmanagement, Drohnentechnik und KI-gestützte Wartung könnten diesen Beruf verändern. Das Stellenangebot hat sich sehr positiv entwickelt. Zwar ist der Altersdurchschnitt in dieser Berufsgruppe nicht so hoch wie in anderen Berufsgruppen. Doch es rücken noch weniger Neue nach als ausscheiden.

Werkfeuerwehrfrau/-mann: Zu 30 Prozent automatisierbar. Lösch- und Rettungsroboter, Gefahrenmanagementsysteme und Wearables könnten den Beruf künftig deutlich verändern. Seit Jahren gibt es in diesem Beruf mehr offene Stellen als Arbeitslose.

Fazit zu angeblich KI-festen Berufen

Dass ein Beruf wenig von der Digitalisierung betroffen ist, macht ihn nicht unbedingt zukunftsfest. Denn das Verhältnis von Fachkräften und offenen Stellen, Wachstums- oder Schrumpfungstrends und auch generelle Krisenanfälligkeit beeinflussen die Jobchancen. Das haben zum Beispiel Kulturschaffende in der Pandemie zu spüren bekommen. Damals gab es mit einem Schlag keine Jobs mehr für sie.

KI-Anwendungen in Schule und Unterricht

KI kann im Schulalltag die Lehrkräfte entlasten. Doch das ist ein Balanceakt zwischen

  • dem sinnvollen Einsatz der Technologie im Unterricht und
  • der Sorge, dass Jugendliche deshalb grundlegende Skills nicht mehr erlernen.

Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte befürchten: Die Fähigkeit zu kritischem Denken und zum Einordnen der Informationsquellen könnte abnehmen. Dies besagt das Deutsche Schulbarometer.

Wobei es den meisten Lehrkräften selbst an digitalen Skills mangelt: Nur 38 Prozent der Befragten fühlen sich im Umgang mit KI-Tools im Beruf sicher. So wundert es nicht, dass eine knappe Mehrheit Fortbildungen fordert. Etwa dazu, wie KI die Unterrichtsgestaltung erleichtern kann.

In der pädagogischen Arbeit kann KI unterstützen, etwa bei der individuellen Förderung. Mit den neuen Tools lassen sich Angaben über den Lernstand und die speziellen Herausforderungen einzelner Schulkinder schneller und präziser erheben.

Der Bitkom-Index zu digitalen Kompetenzen zeigt: Insgesamt hat Deutschland Nachholbedarf. Im EU-Vergleich erreicht Deutschland nur Platz 15.

KI in der Gesundheit: Länger fit bleiben?

Teams aus medizinischem Fachpersonal und KI erstellen viel genauere Diagnosen als bisher. Das zeigen Studien. In Praxen und Kliniken wird KI schon punktuell eingesetzt, zum Beispiel, um

  • Bilder zu analysieren,
  • Gewebeproben auszuwerten,
  • Werte zu überwachen,
  • bei Operationen zu unterstützen,
  • Gespräche zu dokumentieren oder
  • Arztbriefe zu formulieren.

Zur Diagnoseunterstützung und bei Behandlungen ist KI aber bisher nur in 12 Prozent der Praxen und in 18 Prozent der Kliniken im Einsatz. Das ergab eine Bitkom-Umfrage unter Ärzten. 82 Prozent dieser Mediziner meinten: Deutschland hängt bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems im Vergleich zu anderen Staaten zurück.

Die Zulassung KI-gestützter Medizinprodukte läuft in den USA oft viel schneller als in Europa. Bei uns bremsen vor allem langsame Zulassungsverfahren und höhere regulatorische Hürden.

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation zeigt, dass in Deutschland KI eher in einzelnen Anwendungen eingesetzt wird. Es gibt keine einheitliche nationale KI-Strategie speziell fürs Gesundheitswesen. So eine Strategie haben in Europa erst wenige Länder. Dazu gehören Frankreich, Finnland und Schweden.

Chancen für Risiko-Erkennung und Prävention

Dabei liegt in der KI viel Potenzial für unser Gesundheitssystem! Etwa, damit wir schlimme Krankheiten gar nicht erst bekommen: KI-Systeme können Krankheitsrisiken wohl schon bald früher, genauer und individueller erkennen als klassische Prävention.

Das sieht dann zum Beispiel so aus: Bernd (52) ist Herzinfarkt-Risikoperson. Ein KI-System gleicht laufend die Infos seines Fitness-Trackers, der elektronischen Patientenakte und seine Daten zu Stress und Bewegung ab. Und warnt frühzeitig, falls das Risiko sich stark erhöht hat.

KI in der Forschung – Ideen: ja, Produkte: noch zu selten

Gerade in der Metall- und Elektro-Industrie zeigt sich, was KI in Forschung und Entwicklung (F&E) bringt: Sie

  • wertet Versuchsdaten aus,
  • simuliert neue Materialien,
  • prüft Konstruktionen, bevor ein Prototyp entsteht.

Das spart Zeit und senkt Kosten. Laut Arbeitgeberverband Gesamtmetall leistet M+E fast drei Viertel der industriellen F&E-Ausgaben.

Doch zwischen Labor und Markt bleibt oft eine Lücke. Firmen in den USA und in China übersetzen Forschung häufiger in Produkte. Das gelingt hierzulande bisher seltener.

Immer mehr KI-Patentanmeldungen für Deutschland

Die Zahl der KI-Patentanmeldungen für Deutschland ist seit 2019 um rund 40 Prozent gestiegen

Der Startup-Verband meldet 3.568 Neugründungen für 2025. Das waren 29 Prozent mehr als 2024. Bei jeder vierten Gründung ist KI zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Die Dynamik wächst. Jetzt muss sie sich im Markt beweisen.

Wie kann KI in der Logistik eingesetzt werden?

Wenn die Sendungsverfolgung exakt ankündigt, wann der Bote klingelt, steckt KI dahinter. Genauso, wenn ein Lager nachordert, ehe Regale leer sind. Oder wenn ein Lkw schon vor der Abfahrt die effizienteste Route kennt.

Deutschland steht bei der Logistik-Leistung auf Platz 3 von 139 Staaten. Das zeigt der Logistics Performance Index der Weltbank.

Doch beim KI-Einsatz gibt es Nachholbedarf. Laut IW nutzt bisher nur ein knappes Viertel der Unternehmen aus Großhandel und Logistik KI. Das sind so wenige wie in keiner anderen untersuchten Branche.

Auch in der innerbetrieblichen Logistik spielt KI bislang kaum eine Rolle. Vom unternehmenseigenen Lager bis zur Auslieferung: Die KI-Einsatz-Quote liegt bei lediglich 4,9 Prozent. „KI könnte gerade in der Logistik enorme Hebel ansetzen – doch vielen Betrieben fehlen die Datenqualität und das Know-how, um überhaupt loszulegen“, sagt IW-Ökonomin Barbara Engels.

Welche Weiterbildungen gibt es im Bereich KI?

Weiterbildungen im Bereich künstliche Intelligenz reichen von

  • KI-Grundlagenkursen über
  • Schulungen zu generativer KI bis hin zu
  • spezialisierten Angeboten in Datenanalyse, Programmierung, Automatisierung oder Machine Learning.

Für viele Beschäftigte sind vor allem Kurse sinnvoll, die erklären, wie KI-Systeme funktionieren, wie man KI-Tools im Beruf einsetzt und wie sich Ergebnisse prüfen lassen.

Fortgeschrittene KI-Weiterbildungen richten sich dagegen häufig an Beschäftigte, die mit Daten, Software, Prozessen oder digitalen Geschäftsmodellen arbeiten. 

KI-Schulungen sind ein wichtiges Thema für Beschäftigte und Betriebe

Dass KI-Kompetenz für Unternehmen wichtiger wird, zeigen aktuelle Zahlen: Laut Tüv-Weiterbildungsstudie 2026 nutzen bereits 56 Prozent der Unternehmen generative KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot im Arbeitsalltag – aber nur 27 Prozent haben ihre Beschäftigten bereits im Umgang mit KI geschult.

Auch Bitkom sieht Nachholbedarf: Zwar bieten viele Unternehmen Weiterbildungen zu Digitalthemen an. Doch nur 14 Prozent schulen alle oder fast alle Beschäftigten. Eine Strategie für digitale Weiterbildung hat nur jedes zweite Unternehmen.  

KI: Von der Grundbildung zum Spezialistenwissen

Barbara Engels, Senior Economist für nachhaltige Digitalisierung und KI am Institut der deutschen Wirtschaft, betont deshalb: „Jeder sollte heutzutage eine gewisse Grundbildung haben, weil KI in sehr vielen Bereichen unseres Lebens eine zunehmende Rolle spielt.“

Nötig sei „KI-Bildung auf allen Ebenen“ – ausdrücklich auch „in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung“. Eine passende KI-Weiterbildung sollte deshalb zum eigenen Tätigkeitsfeld passen. Klären Sie daher mit Ihren Vorgesetzten und der Personalentwicklung:

  • Brauche ich Grundlagenwissen?
  • Geht es um den sicheren Einsatz von Sprachmodellen wie ChatGPT und anderen KI-Tools?
  • Gibt es Qualifizierungsbedarf bei rechtlichen Fragen, Haftung, Datenschutz und der kritischen Prüfung von KI-Ergebnissen?
  • Stehen Datenanalyse, Automatisierung oder Machine Learning im Fokus?

Meilensteine der KI-Entwicklung

  • 1637: Der französische Philosoph René Descartes ist seiner Zeit weit voraus: Er fragt sich, ob Maschinen eines Tages fähig wären, selbstständig zu denken und zu lernen.
  • 1950: Alan Turing, ein britischer Mathematiker, ersinnt den Turing-Test: Kann ein Mensch im Gespräch nicht erkennen, ob er mit einem Computer spricht, gilt die Maschine als intelligent. Damit liefert Turing eines der einflussreichsten Konzepte der Informatik.
  • 1966: Der US-Informatiker Joseph Weizenbaum entwickelt mit ELIZA den ersten Chatbot. Das Programm simuliert ein Gespräch, etwa mit einem Psychotherapeuten. Die Antworten sind noch simpel. Aber viele User reagieren verblüffend emotional auf die Maschine.
  • 1996: IBM-Supercomputer Deep Blue schlägt in Philadelphia den russischen Schachweltmeister Garri Kasparow. Das ist der erste Sieg einer Maschine in einer hochkomplexen Disziplin. Das komplette Match gewinnt Kasparow aber mit 4:2. Das Rematch 1997 verliert er dann.
  • 2022: Mit dem Large Language Model ChatGPT wird KI plötzlich für Millionen Menschen verfügbar. Texte schreiben, Fragen beantworten, Ideen entwickeln – alles in Sekunden.
Barbara Auer
aktiv-Redakteurin

Barbara Auer berichtet aus der aktiv-Redaktion Baden-Württemberg vor allem über die Chemieindustrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara nicht für aktiv im Einsatz ist, streift sie am liebsten durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft.

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Elke Bieber
Elke Bieber
aktiv-Redakteurin

Elke Bieber schreibt bei aktiv vor allem über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Sie studierte Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz, Berlin und Washington, D.C. Nach einem Magazinvolontariat in Berlin zog es sie in die Unternehmenskommunikation, print und digital, mit den Schwerpunkten Industrie und Logistik. Jenseits des Schreibtisches umgibt sie sich gern mit Büchern, aktiven Menschen und Natur.

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Ulrich Halasz
aktiv-Chefreporter

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte Uli Halasz an drei Universitäten Geschichte. Ziel: Reporter. Nach Stationen bei diversen Tageszeitungen, Hörfunk und TV ist er jetzt seit zweieinhalb Dekaden für aktiv im Einsatz – und hat dafür mittlerweile rund 30 Länder besucht. Von den USA über Dubai bis China. Mindestens genauso unermüdlich reist er seinem Lieblingsverein Schalke 04 hinterher. 

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Nadine Keuthen
aktiv-Redakteurin

Nadine Keuthen stürzt sich bei aktiv gerne auf Themen aus der Welt der Wissenschaft und Forschung. Die Begeisterung dafür haben ihr Masterstudium Technik- und Innovationskommunikation und ihre Zeit beim Kinderradio geweckt. Zuvor wurde sie an der Hochschule Macromedia als Journalistin ausgebildet und arbeitete im Lokalfunk und in der Sportberichterstattung. Sobald die Sonne scheint, ist Nadine mit dem Camper unterwegs und schnürt die Wanderschuhe. 

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