Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Unternehmen aus dem Märkischen Kreis nutzen Hochschulkooperationen, um praxisnah und kosteneffizient in KI einzusteigen. Studierende entwickeln konkrete Lösungen direkt im Produktionsumfeld.
  • Die Beispiele zeigen: KI hilft bereits heute bei Qualitätskontrolle, Datenauswertung und Produktionsplanung.
  • Der Austausch zwischen Unternehmen, Hochschule und Nachwuchskräften stärkt die Innovationskraft und sichert die Wettbewerbsfähigkeit des regionalen Mittelstands.

Dass der Einsatz künstlicher Intelligenz von Vorteil sein könnte – davon muss man viele Unternehmen in der Region nicht mehr überzeugen. Nur: Wie geht man die Sache konkret an? Eine Lösung liegt quasi vor der Tür: die Fachhochschule Südwestfalen mit ihren Forschungsmöglichkeiten und engagierten Studierenden.

Klaus-Michael Mende, Professor an der FH und Experte der Arbeitswirtschaft beim Märkischen Arbeitgeberverband, betreute zuletzt mehrere Arbeiten rund um das Thema KI. So brachte er auch Jonathan Lennhoff und die Firma Durable zusammen.

Master-Student entwickelt automatisierte Prüfprozesse mit KI und Robotik

Für seine Masterarbeit im Studiengang Integrierte Produktentwicklung im Maschinenbau beschäftigte sich Lennhoff mit der automatisierten Qualitätskontrolle transparenter Kunststoffprodukte. Die spielen eine große Rolle bei Durable, Hersteller von Produkten und Lösungen rund um den modernen Arbeitsplatz.

Der Master-Student erarbeitete für einen hochtransparenten Prospekthalter einen automatisierten und KI-basierten Prüfprozess: Er entwickelte eine spezielle Verdunkelungskammer für die Kamera, programmierte einen kollaborierenden Roboter für die Zuführung und trainierte die KI mit Bilddaten zur Fehlererkennung. Das weitere Ziel ist jetzt, Maschinen- und Qualitätsdaten in Verbindung zu bringen, sodass die Produktion automatisch auf Fehler reagieren kann.

Industrie 4.0: Echtzeitdaten verbessern Effizienz und Qualität

Mit der Erfassung von Maschinendaten hatte sich bei Durable zuvor schon Luca Schreib beschäftigt, ein Student der Wirtschaftsinformatik an der FH. Für seine Bachelorarbeit optimierte er das Auslesen von Daten mittels einer speziellen Schnittstelle nach dem OPC-UA-Standard (das steht für „Open Plattform Communications Unified Architecture“).

Damit wird auch die Datenanalyse und -verarbeitung erleichtert. Alle relevanten Echtzeitdaten des Produktionsprozesses wie Heizdauer, Temperatur oder effektive Produktionszeit sind nun zuverlässig und präzise auszulesen und archivierbar – langfristig die Grundlage für eine computergestützte Auswertung per KI.

Innovationen in der Fertigungsplanung: Potenziale und Grenzen der KI

Bei der Firma Stauff, Hersteller von Fluidtechnik-Komponenten und Rohrleitungszubehör, beschäftigte sich mit Luis Berghoff ein Student des Wirtschaftsingenieurswesens mit der Datenerfassung. Er untersuchte im Werk Plettenberg die Möglichkeiten einer datenbasierten Fertigungsfeinplanung, um Rüstzeiten zu minimieren und Termintreue zu verbessern. Die automatisierte Planung komme zwar an die Arbeit erfahrener menschlicher Planer noch nicht ganz heran, so das Ergebnis. Der datenbasierte Ansatz sei aber eine große Hilfestellung – und die Grundlage für den zukünftigen Einsatz von KI.

Angestoßen durch diese Arbeiten und Professor Mende tauschten die Fachkräfte der beteiligten Unternehmen sich intensiv bei gegenseitigen Betriebsbesuchen darüber aus, wie der KI-Einsatz in der Praxis aussehen kann. Denn so unterschiedlich die Produkte auch sind – optische Bild- und Objekterkennung sowie die Verknüpfung von Maschinendaten sind aktuell für alle ein großes Thema.

Praxisnahe KI-Anwendungen sind ein Wettbewerbsvorteil

Wenn KI flächendeckend Einzug in den deutschen Mittelstand hält, wirkt sich das unmittelbar auf Produktivität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts aus. Sie ist ein zentraler Baustein der Industrie 4.0, in der Daten, Maschinen und Prozesse intelligent vernetzt sind. Laut einer Bitkom-Analyse nutzen bereits 41 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI. In der Praxis zeigt sich der Erfolg: 77 Prozent dieser Betriebe berichten, dass sich ihre Wettbewerbsposition durch KI verbessert hat. Doch 61 Prozent nutzen ihr Datenpotenzial bislang kaum oder gar nicht. Praxisnahe KI-Projekte und Kooperationen helfen, diesen „Datenschatz“ zu heben.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten. 

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