Die Chemie-Industrie, eine wichtige Schlüsselindustrie für Baden-Württemberg, bleibt auch weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Woran liegt das? aktiv fragte Patrick Krauth, den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands Chemie Baden-Württemberg.
Herr Krauth, wie wichtig sind die Chemie- und Pharma-Industrie für Baden-Württemberg?
Der Wohlstand hier steht und fällt mit der Stärke unserer Industrie. Unser Arbeitgeberverband Chemie vertritt in Baden-Württemberg die Interessen von rund 78.000 Beschäftigten. Unsere Branche ist eine Schlüsselindustrie – schließlich sind wir Lieferanten fast aller anderen Industriebranchen – und für die Transformation unverzichtbar: Ob Elektromobilität oder Klimaschutz, wir liefern dafür wichtige Produkte und Innovationen.
Wie geht es der Branche aktuell?
Wir stecken immer noch im Sturm der Krise. Seit 2021 beobachten wir insbesondere in der chemischen Industrie einen Rückgang bei der Produktion um 21 Prozent. In der Pharma-Industrie sieht es zwar besser aus, aber auch diese Teilsparte leidet unter den aktuellen Unsicherheiten und einem hohen Kostendruck.
Ist ein Ende der Krise in Sicht?
Leider nein! Denn die Krise hat nicht nur konjunkturelle Ursachen. Die Krux ist, dass Standortnachteile wie Bürokratie, hohe Arbeitskosten und die Abgabenlast unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Laut einer Umfrage des Bundesarbeitgeberverbands Chemie ist das Hemmnis Nummer eins die Bürokratie: 88 Prozent der Unternehmen sehen sich davon schwer oder sogar sehr schwer belastet, gefolgt von den Arbeitskosten mit 72 Prozent und den hohen Steuern und Abgaben mit 69 Prozent.
Was erhoffen Sie sich von der Politik?
Sie muss für eine Entlastung der Industrie und für mehr Planungssicherheit sorgen, damit wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Und zwar nicht erst mittelfristig, sondern jetzt!
Die Bundesregierung hat bereits wichtige Reformen angestoßen, setzt sie aber nicht schnell genug um. Energie- und Verwaltungskosten müssen runter, Innovationen erleichtert werden – und jeder Tag zählt.
2026 steht die Tarifrunde an. Was sind Ihre Ziele?
Wir Sozialpartner haben eine besondere Verantwortung. Damit unsere Branche ihre Stärke zurückgewinnt und Arbeitsplätze erhalten bleiben, brauchen wir einen Tarifabschluss, der unserer besonderen Lage gerecht wird. Daran müssen wir gemeinsam intensiv arbeiten. Ob Unternehmer oder Beschäftigte: Wir sitzen alle in einem Boot und haben es gemeinsam in der Hand, auf Kurs zu bleiben.

Barbara Auer berichtet aus der aktiv-Redaktion Baden-Württemberg vor allem über die Chemieindustrie. Nach dem Studium der Sozialwissenschaft mit Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre volontierte sie beim „Münchner Merkur“. Wenn Barbara nicht für aktiv im Einsatz ist, streift sie am liebsten durch Wiesen und Wälder – und fotografiert und filmt dabei, von der Blume bis zur Landschaft.
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