Auch das Jahr 2025 wird wohl ohne Wirtschaftswachstum zu Ende gehen. Das prognostizierte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) bei der Vorstellung ihres „Weißbier-Index“ für den Herbst, ein Indikator für die wirtschaftliche Lage im Freistaat. Wolfram Hatz, Präsident der vbw, sieht zwar den konjunkturellen Tiefpunkt erreicht, erwartet aber keine nachhaltige Besserung.

So stieg der Index im Vergleich zum Frühjahr nur ganz leicht von 78 auf 86 Punkte, deutlich unter dem Normalniveau von 100 Punkten. „Der Index ist nicht wirklich besser als im Frühjahr, er ist nur weniger schlecht“, urteilt Hatz. „Die bayerische Wirtschaft verharrt weiter im Stillstand, die Wirtschaftswende muss zügig vollendet werden.“

Besonders kritisch sieht die Wirtschaftslage beim Bau aus. Hier sank die Produktion im Jahresverlauf um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Industrieproduktion nahm um 2,4 Prozent ab.

21.000 Arbeitslose in Bayern mehr als vor einem Jahr

Die lang anhaltende Schwächephase schlägt sich immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt nieder. Im Oktober verzeichnete der Freistaat rund 21.000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, die Arbeitslosenquote liegt bei 3,9 Prozent (Bundesdurchschnitt: 6,2 Prozent). „Fakt ist zudem: Der Beschäftigungsanstieg ist weitgehend zum Stillstand gekommen“, erklärt Hatz. „Das ist ein verheerendes Signal.“

Ein kleiner Lichtblick: Der Bau sowie die Industrie verzeichnen aktuell wieder mehr Aufträge.

Damit endlich die Konjunktur wieder in Schwung kommt, sind nach Ansicht der vbw dringende Reformen nötig. Denn auch wenn das geopolitische Umfeld schwierig ist – Zölle auf Waren in die USA, Exportkontrollen Chinas auf wichtige Rohstoffe, geopolitische Krisen –, belasten vor allem hausgemachte Hürden die wirtschaftliche Lage. Der Schlüssel für den Aufschwung sei daher die Lösung der strukturellen Standortprobleme.

In diesen Politik-Feldern sieht die vbw besonders dringenden Handlungsbedarf

Wolfram Hatz, Präsident der vbw, ist klar: „Die schwarz-rote Bundesregierung hat zwar erste wichtige Akzente gesetzt, aber für eine echte Aufbruchstimmung braucht es mehr.“ Der Reformwille müsse jetzt mit konkreten Maßnahmen gefüllt werden. In folgenden Feldern sieht die vbw besonders dringenden Handlungsbedarf:

  1. Bürokratieabbau: Digitalminister Wildberger hat mit seiner Modernisierungsagenda zwar einen guten Anfang hingelegt. Der Staat muss aber noch mehr Bürokratie abbauen, ohne an anderer Stelle wieder unnötige Regulierungen zu schaffen – etwa bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung oder dem EU-Entgelttransparenzgesetz.
  2. Echte Reform der Sozialversicherungssysteme: Hier steigen die Kosten ungebremst an – die Systeme sind nicht mehr finanzierbar. „Wir brauchen eine Lösung bei der Rente, die die Interessen der Älteren und der Jüngeren berücksichtigt“, so Hatz.
  3. Energiepreise: Zuletzt hat die Bundesregierung einen Industriestrompreis beschlossen, ein wichtiges Signal aus Sicht der vbw. Doch auch die Stromsteuer für alle Betriebe muss noch sinken.
  4. Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität: Von diesen Zukunftsinvestitionen verspricht sich die vbw echte Konjunkturimpulse. Aber: „Die neuen Schulden müssen tatsächlich und ausschließlich in zusätzliche Investitionen fließen“, so Hatz. Es dürfe keinen „Verschiebebahnhof geben“, konkret: Ausgaben aus dem regulären Haushalt dürfen nicht aus dem Sondervermögen finanziert werden. „Damit muss Schluss sein“, fordert der vbw-Präsident.
Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

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