Spot on: So düster ist die Lage

Konjunktur-Umfrage: Die bayerischen Metall- und Elektro-Unternehmen sehen besorgt in die Zukunft

Kaum Gewinne, weniger Produktion, Stellenabbau: Die Konjunkturumfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zeigt, wie stark die Betriebe unter Druck stehen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • 4 Prozent der Betriebe der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie erwarten in diesem Jahr eine Rendite unter 2 Prozent, zu wenig für dringend nötige Investitionen.
  • Produktion und Beschäftigung schrumpfen weiter: 2026 droht erneut der Abbau von fast 20.000 Arbeitsplätzen.
  • Ausland statt Inland: Fast 39 Prozent der Unternehmen wollen Investitionen jenseits der Grenzen ausweiten, am Heimatstandort planen nur 17 Prozent eine Erhöhung.

Wann wird’s mal wieder besser in der bayerischen Wirtschaft? Klare Antwort: Nicht so bald! Das sehen auch die Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) so. 

In der halbjährlichen Konjunkturumfrage der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände bayme vbm schrauben sie ihre Erwartungen für die Zukunft deutlich herunter. Im Vergleich zur Umfrage im Winter hat sich die Hoffnung weiter verringert, dass sich die Geschäfte bald verbessern könnten. Die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage führt dazu, dass Unternehmen weniger produzieren und Stellen abbauen. Wer weniger produziert, verkauft und verdient auch weniger – und hat folglich kein Kapital, das er in Investitionen stecken könnte.

Ohne Gewinne fehlt Betrieben das Geld für Investitionen

Dabei sind gerade jetzt Investitionen dringend nötig – vor allem vor dem Hintergrund der vier Megatrends Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie und Deglobalisierung. Die Unternehmen brauchen Geld, um die Transformation zu stemmen. Doch knapp die Hälfte (44 Prozent) der bayerischen M+E-Betriebe rechnet mit einer Rendite von unter 2 Prozent.

Falls Unternehmen dennoch investieren, entscheiden sie sich deutlich häufiger für ausländische Standorte – denn die Herausforderungen am heimischen Standort bleiben drückend: allen voran hohe Arbeits-, Energie- und Bürokratiekosten.

Besonders stark von Verlagerungen ins Ausland betroffen ist die Auto- und Zulieferindustrie, wie auch die jüngst veröffentlichte Befragung der IG Metall Bayern unter Betriebsräten aus 325 bayerischen Unternehmen bestätigt. Demnach haben in den vergangenen zwölf Monaten 74 Prozent der Betriebe Tätigkeiten in der Produktion und 65 Prozent in der Entwicklung ins Ausland verlagert.

Wie genau die Unternehmen ihre Lage bewerten, darauf wirft aktiv einen genauen Blick. Also: Spot on!

Geschäftserwartungen: Negativer Trend

Der Abwärtstrend setzt sich fort: Nach wie vor geben mehr Unternehmen der Lage schlechte Noten als gute. Rechnet man die Antworten gegeneinander, ist der Saldo seit drei Jahren ungebrochen negativ.

Auch im Ausland wird es rauer: US-Zölle, die chinesische Handelspolitik und die Einschränkungen aufgrund des Iran-Kriegs hinterlassen Spuren. 40 Prozent der Befragten stellen dem Auslandsgeschäft ein negatives Zeugnis aus.

Keine Hoffnung auf Besserung: Nur etwa 16 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass es aufwärtsgeht – das gilt sowohl für das Inlands- wie das Auslandsgeschäft. Der Saldo ist negativ.

Fast alle Branchen betroffen: Nur die Hersteller elektrischer Ausrüstungen bewerten die aktuelle Lage gut. Auf Besserung hoffen zumindest auch Hersteller von Metallerzeugnissen, der Maschinenbau und der Sonstige Fahrzeugbau.

Produktion: Der Abwärtstrend setzt sich fort

Talfahrt: In den vergangenen acht Jahren hat Bayerns M+E-Industrie 15 Prozent an Produktion verloren. Dieser Trend hat sich in den ersten Monaten 2026 fortgesetzt.

Ungünstige Perspektiven: Die Produktion im Inland kommt nicht voran. Auch für das Gesamtjahr wird ein Rückgang erwartet.

Auslandsstandorte: Da sind die Produktionspläne klar positiv. 42 Prozent der Unternehmen wollen ihre Produktion dort ausweiten.

Beschäftigung: Betriebe streichen Arbeitsplätze

Abbau: 2025 wurden fast 20.000 Stellen in Bayerns M+E-Industrie abgebaut. 2026 werden Arbeitsplatzverluste in ähnlicher Größenordnung erwartet – ebenso 2027!

Kaum neue Jobs: Nur 12 Prozent der Unternehmen wollen in der zweiten Jahreshälfte Stellen schaffen, fast 29 Prozent müssen welche streichen.

Auto-Industrie: Besonders trifft es die Automobil- und Zulieferindustrie. Sie ist eng verflochten mit anderen Branchen, daher sind auch dort Jobs gefährdet.

Weitere Branchen: Bei Maschinenbau und Metallerzeugnissen sind die Pläne für Beschäftigung ebenso negativ, in der Elektronik-Industrie halten sich positive und negative Pläne die Waage. Einzig bei Elektrischen Ausrüstungen und im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeugbau und Verteidigungsindustrie) sowie an Auslandsstandorten bauen Betriebe Stellen auf.

Fakten & Hintergründe

Erträge: Unternehmen fehlen die Gewinne

Drohende Verluste: 44 Prozent der M+E Unternehmen befinden sich beim Ertrag im kritischen Bereich. Knapp 17 Prozent befürchten sogar Verluste im laufenden Jahr.

Schwache Erträge: 12,5 Prozent kommen über eine schwarze Null nicht hinaus, weitere 15 Prozent müssen mit einer Rendite unter 2 Prozent auskommen – zu wenig für Investitionen.

Umsatzrendite: Nur 36 Prozent der Unternehmen rechnen mit 4 Prozent Rendite oder mehr.

Investitionen: Ausland ist attraktiver

Inland schwach: Fast ein Drittel der bayerischen M+E Unternehmen wollen ihre Investitionen zurückfahren. Nur 17 Prozent planen hier 2026 eine Erhöhung.

Ersatz statt Erweiterung: Von den wenigen im Inland geplanten Investitionen fließen nur 11 Prozent in Erweiterungen, der niedrigste Wert seit Umfragebeginn. Der Großteil ist für Ersatz (29 Prozent) und Rationalisierung (24 Prozent).

Ausland überwiegt: Jenseits der Grenzen bauen Unternehmen Beschäftigung auf. Knapp 39 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionen im Ausland ausweiten, weniger als 7 Prozent fahren sie zurück.

Hohe Energiepreise, Bürokratie, steigende Arbeitskosten erschweren Investitionen

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer bayme vbm

Globales Umfeld: Handelskonflikte und Geopolitik

Warenverkehr: Die USA sind der größte Exportmarkt von Bayerns M+E-Industrie. 70 Prozent der Betriebe haben direkte Geschäftsbeziehungen mit den USA. 13,6 Prozent der Ausfuhren gingen 2025 in die Vereinigten Staaten, deren Importzölle belasten.

Unsicherheit: Dazu kommen ständige Schwenks in der US-Handelspolitik, die extrem kurzfristig umgesetzt werden. 3 von 10 Betrieben sind beispielsweise von US-Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium betroffen.

Engpässe: Großer Belastungsfaktor ist der Iran-Krieg. Drei Viertel der Betriebe spüren negative Folgen, vor allem durch die Blockade der Straße von Hormus. Höhere Kosten für Energie, Transport, Material, Rohstoffe können sie nur eingeschränkt weitergeben.

Standort: Industrie hat es schwer

Negative Aussichten: In der aktuellen Krise kommt vieles zusammen und setzt die Betriebe unter Druck. Die Unternehmen sehen die nähere Zukunft – trotz der bereits schlechten Lage – daher negativ.

Schlechte Noten: Das liegt nicht zuletzt an den Standortbedingungen in Deutschland. Ein „echter“ Aufschwung ist aus Sicht der Arbeitgeber nur möglich, wenn auch hier die Probleme konsequent angegangen werden. Hohe Arbeitskosten, Bürokratie und Regulierung sowie fehlende Planungssicherheit der Wirtschaftspolitik werden von den Betrieben einerseits als „sehr wichtige“ Faktoren eingeschätzt – und zugleich als besonders „schlecht“ bewertet!

Politik: Das Reformpaket der Bundesregierung ist da ein erster Schritt. Nach wie vor fehlen aber eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten sowie Steuerentlastungen. Und die Arbeitskosten werden durch Neuerungen in der Kranken- und Pflegeversicherung sowie die kapitalgedeckte Zusatzrente nicht sinken, sondern – im Gegenteil – weiter steigen.

Die bayrische Konjunkturumfrage der bayme vbm

  • Ein aktuelles Stimmungsbild aus den Unternehmen: Seit 25 Jahren berichten Bayerns Metall- und Elektrobetriebe regelmäßig über Lage, Investitionen und Beschäftigung.
  • 167 Unternehmen haben sich aktuell an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse werden auch nach Branchen aufgeschlüsselt.
  • 325.000 Beschäftigte arbeiten in den Betrieben, die für die diesjährige Sommerumfrage Auskunft gaben.

Friederike Storz

aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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