Die Stimmung in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) hat sich endlich aufgehellt. Das ergab die halbjährliche Konjunkturumfrage der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm, fasst die Ergebnisse so zusammen: „Die Erwartungen für die kommenden Monate sind erstmals seit vier Jahren wieder positiv. Der konjunkturelle Tiefpunkt ist überwunden.“

Tatsächlich ist die aktuelle Lage in den meisten Branchen der M+E-Industrie noch im negativen Bereich, aber schon besser als noch im Winterhalbjahr. Für die kommenden Monate „sehen die Unternehmen trotz der schwierigen Gesamtsituation Licht am Ende des Tunnels“, sagt Brossardt. „Das ist eine gute Nachricht und wir hoffen, dass der ‚Drive‘ der Bundesregierung noch zu weiteren Verbesserungen führen wird.“
Zölle und Handelsbarrieren schaden der bayerischen Wirtschaft
Auf die Produktionspläne im Inland wirkt sich die Aufhellung bereits aus: Erstmals seit zwei Jahren liegen sie wieder im positiven Bereich. Die Produktion dürfte im Durchschnitt des Jahres 2025 um 1 Prozent über dem Durchschnitt von 2024 liegen.
Weniger rosig sieht es bei den Beschäftigungs- und Investitionsplänen aus. Noch knapp ein Viertel (23,6 Prozent) der Unternehmen befürchtet, Stellen abbauen zu müssen. Der Anteil hat sich zwar gegenüber dem Winter fast halbiert, aber bis Jahresende werden etwa 20.000 Jobs in der bayerischen M+E-Industrie verloren gehen.
Auch bei den Investitionen überwiegt die Zurückhaltung. Zwar wollen etwa 13 Prozent der Firmen mehr im Inland investieren als noch vor einem halben Jahr, sie stecken das Geld aber vor allem in Ersatzbeschaffungen. Bei Erweiterungen und Innovationen tut sich im Vergleich zu früheren Zeiten noch zu wenig. Dass wenig investiert wird, liegt auch an den knappen Kassen vieler Firmen. Fast 44 Prozent befinden sich in einer kritischen Ertragslage. Gut 18 Prozent rechnen mit Verlusten, weitere 15,5 Prozent kommen über eine schwarze Null nicht hinaus.
Damit die Betriebe am Standort Bayern wieder in Schwung kommen, reicht es aber nicht aus, dass die konjunkturelle Lage sich aufhellt. Denn ein großes Thema bleiben weiterhin die strukturellen Probleme und das außenwirtschaftliche Umfeld. So geben die Betriebe in der Umfrage an, dass die Zoll- und Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ihre Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigt.
Mehr als jedes zweite Unternehmen exportiert in die USA, über die Hälfte davon war bereits von Zollsteigerungen betroffen. Bei jeweils einem Drittel haben Kunden Bestellungen reduziert oder verschoben, 13 Prozent haben Aufträge komplett storniert. „Es zeigt sich, dass Zölle und Handelsbarrieren der Wirtschaft schaden, sie verteuern und den Außenhandel bremsen“, betont Brossardt. „Durch die Verhandlungslösung konnte ein Handelskrieg vermieden werden und unsere Unternehmen haben endlich mehr Planungssicherheit.“
Regierung muss Standort fit machen
Die EU und die USA hatten sich Ende Juli auf Zölle in Höhe von 15 Prozent verständigt. „Das verteuert natürlich unsere Exporte, sie werden unser Wachstum reduzieren und erschweren allgemein den Handel mit den USA“, sagt Brossardt. Nun gehe es darum, die innenpolitischen Hausaufgaben zu lösen und den heimischen Standort wettbewerbsfähig zu machen. Nach wie vor nennen die Betriebe die hohen Arbeitskosten, die Bürokratie und die Energiekosten als größte Probleme. „Die neue Bundesregierung hat schon für einen Stimmungsumschwung gesorgt. Wichtig ist, dass jetzt nicht nachgelassen wird und Tempo und Entschlossenheit beibehalten werden. Das wird sich dann in den Konjunkturzahlen widerspiegeln.“

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.
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