Das Wichtigste auf einen Blick:
- Am 8. März 2026 finden in Bayern Kommunalwahlen statt.
- Die Kommunen sind die Heimat von Betrieben und ihren Beschäftigten.
- Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hat deshalb 16 wichtige Forderungen im Vorfeld der Wahl formuliert.
Am 8. März haben Bürgerinnen und Bürger in Bayern die Chance, die Weichen in ihren Heimatorten auf Zukunft zu stellen: Die Kommunalwahlen stehen an. Doch was haben Kommunen mit Zukunft zu tun?
Ganz einfach: Kommunen setzen zentrale Verwaltungsaufgaben des Staates um, machen dadurch das Leben vor Ort lebenswert. Sie schaffen etwa digitale Infrastruktur, sorgen für Kitaplätze, weisen Gewerbeflächen aus, damit wohnortnah gute Arbeitsplätze entstehen. Alles Dinge, die zukünftigen Wohlstand im Land sichern.
Umgekehrt zeigt es sich in Kommunen häufig als Erstes, wenn etwas im Staat nicht rundläuft: weil etwa Geld für den Sportverein oder die Schulsanierung fehlt. Das ist derzeit vielerorts Realität, auch in Bayern. Grundsätzliches Problem: Einerseits sind die Kommunen ohnehin nicht ausreichend finanziell ausgestattet, andererseits brechen ihnen aktuell wegen der Wirtschaftskrise Steuereinnahmen weg.
„Weiterentwicklung der Standortqualität muss wieder Zentrum der Kommunalpolitik sein“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer vbw
Reformen sind nötig, fordert auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Aber: Nur wenn die Ausrichtung weiterhin wirtschaftsfreundlich bleibt, sind langfristige Einnahmequellen gesichert – und den Menschen vor Ort geht es gut.
Kommunen sollten sich laut vbw so aufstellen:
Leben vor Ort
- Wohnraum schaffen: Bezahlbares Wohnen ist eine zentrale soziale Frage und zunehmend Standortfaktor für Betriebe. Gemeinden und Städte müssen handeln, die städtebauliche Entwicklung vorantreiben und Voraussetzungen für Neubau und Nachverdichtungen schaffen.
- Kitaplätze bereitstellen: Kitas, Kindergärten und Betreuung an Nachmittagen auch in Schulen sind unverzichtbar für berufstätige Eltern. Die Gemeinden müssen bedarfsgerecht planen und rechtzeitig auf künftige Betreuungsbedarfe reagieren.
- Innenstädte attraktiver machen: Ortskerne werden attraktiv, wenn die Gemeinde Leerständen entgegenarbeitet, indem sie auch ungewöhnliche Ideen zulässt. Ebenso wichtig: Parkraum und gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV).
Wirtschaft und Finanzen
- Die Wirtschaftsförderung ins Zentrum rücken: Die Anliegen von Unternehmen vor Ort müssen überall Gehör finden. Denn ohne funktionierende Wirtschaft gibt es keine (Gewerbe-)Steuereinnahmen und keine wohnortnahen Jobs.
- Finanzkraft sichern: Ohne finanzielle Spielräume können Kommunen ihre Aufgaben nicht erfüllen. Die Ausgaben sind jedoch gestiegen, besonders für Soziales. Land und Bund müssen da gegensteuern. Hohe Gewerbesteuerhebesätze sind der falsche Weg, um Geld in die Kassen zu bringen. Sie führen nur zu Ausweicheffekten. Vielmehr braucht es eine gewerbefreundliche Standortpolitik.
- Chancen für lokale Betriebe: Kommunale Aufträge sollten so oft wie möglich vor Ort vergeben werden statt an Generalunternehmen. So profitieren vor allem kleinere Unternehmen der Region und die Menschen, die dort arbeiten.
Infrastruktur:
- Moderne Verkehrswege: Straße und Schiene entscheiden, ob Betriebe für Kunden und Zulieferer erreichbar sind, Waren ausgeliefert werden können und Pendler gut zur Arbeit kommen. Für den zuschussbedürftigen ÖPNV braucht es eine verlässliche, langfristige Finanzierung. Übrigens: Gerade der ÖPNV ist auch für den Wirtschaftszweig Tourismus wichtig. Bayern ist Tourismusland Nummer eins – und soll es bleiben. Es sind aber Investitionen in eine busfreundliche Infrastruktur nötig – gerade auch bei der Umstellung auf E-Mobilität.
- Ausbau digitaler Netze: Industrie und Gewerbe brauchen Glasfaser und 5G, um auf Weltklasseniveau zu agieren. Mobiles Arbeiten und neue digitale Anwendungen in Betrieben dürfen nicht an „weißen Flecken“ scheitern.
- Gesundheit in der Nähe: Gemeinden können die Gesundheitsversorgung vor Ort mitgestalten. Etwa durch die Bereitstellung von Räumen für Praxen, aktive Werbung für den Standort sowie Unterstützung von Ärztinnen, Ärzten und Fachpersonal bei der Wohnungssuche.
- Katastrophenschutz: Durch Klimaveränderung und neue Bedrohungslagen wachsen die Anforderungen im Bevölkerungsschutz. Kommunen müssen bei übergeordneten Planungen früh und umfassend eingebunden sowie trainiert werden, um schnell eingreifen zu können.
- Sicherheit: Obwohl Bayern das sicherste Land in der Bundesrepublik ist, lässt das Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort nach. Dem müssen sich Kommunen und Behörden konsequent entgegenstellen – mit mehr Personal und Ressourcen.
- Digitale Verwaltung: Wenn Anträge online gestellt werden können und Prozesse reibungslos laufen, gewinnen Unternehmen wie Bürger wertvolle Zeit. Die kommenden zwei Jahre müssen zum „Digitalisierungsturbo“ werden.
Nachhaltigkeit
- Tempo bei der Energiewende: Die Wirtschaft braucht bezahlbare und nachhaltige Energie. Der Ausbau hängt maßgeblich von den Kommunen ab. Sie müssen Genehmigungen vereinfachen, damit Windräder, Speicher und Stromnetze und die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität schneller ausgebaut werden können.
- Kreislaufwirtschaft etablieren: Kommunen sollten Vorbild sein und langlebige, reparaturfreundliche, wiederverwertbare Produkte einsetzen sowie Flächen für Aufbereitung und Lagerung bereitstellen. Die Abfallsammlung per Biotonne muss in Bayern flächendeckend möglich sein.
Das alles tun Kommunen
Gemeinden sind die kleinste Verwaltungseinheit, wie Städte und Landkreise zählen sie zu den Kommunen. Als „Staat vor Ort“ regeln Gemeinden örtliche Angelegenheiten. Sie sorgen so dafür, dass das tägliche Leben gut funktioniert – und sind erste Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen am Ort. Einiges leisten die Kommunen freiwillig, etwa die Förderung von Sport und Kultur. Das meiste sind jedoch Pflichtaufgaben wie die Daseinsfürsorge, die sehr viel Geld kosten.
- 8. März 2026: An diesem Sonntag wählen die Bayern bei der Kommunalwahl 2026 rund 39.500 Mandatsträger in ihren Gemeinden und Landkreisen.
- 6 Jahre dauert die Amtszeit für die gewählten Ratsmitglieder, Bürgermeister und Landräte.
- 2.056 Gemeinden gibt es im Freistaat, darunter 25 kreisfreie Städte wie zum Beispiel Würzburg, die keinem Landkreis angehören.
- 13 Milliarden Euro fließen 2026 über den kommunalen Finanzausgleich an Bayerns Kommunen insgesamt – eine Rekordsumme.
- 38.500 ehrenamtliche Ratsmitglieder halten die lokale Demokratie in Bayern am Laufen und engagieren sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ihrer Kommune.
- 800 ehrenamtliche Bürgermeister hat Bayern, in Gemeinden bis zu 2.500 Einwohnern ist das so üblich.
- 78 Prozent der Ratsmitglieder sind laut einer bundesweiten Forsa-Befragung der Meinung, dass ihnen die Mehrheit der Wählerschaft vertraut.

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.
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