Die gute Nachricht: Die digitale Transformation in Bayerns Wirtschaft gewinnt an Fahrt. Augmented Reality, Big Data und künstliche Intelligenz – immer mehr Unternehmen machen von diesen Technologien Gebrauch, von der Entwicklung über den Kundenkontakt bis zum fertigen Produkt. Das erfordert nicht nur hohe Rechenleistung, es erhöht auch den Druck auf den Ausbau digitaler Netze.

Sechs von zehn Firmen beklagen Defizite im Festnetz

Da ist trotz Förderung durch Bund und Land noch viel Luft nach oben, heißt es in einer aktuellen Studie zum „Versorgungsgrad der digitalen Infrastruktur in Bayern“ der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw). Demnach besitzen derzeit nur knapp vier von zehn Unternehmen im Freistaat einen Anschluss ans Glasfasernetz. Sechs von zehn Firmen sehen Beeinträchtigungen durch Defizite im Festnetz, sieben von zehn im schnellen 5G-Mobilfunknetz. „Der flächendeckende Ausbau muss weiter höchste Priorität haben“, fordert die vbw, „es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts.“

BSH Hausgeräte: Regensburg entwickelt den sprechenden Backofen

Blick in die Metall- und Elektro-Industrie nach Regensburg, ins globale Zentrum der Elektronikentwicklung vom Hausgerätehersteller BSH. Weltweit verkaufte er über 35 Millionen vernetzungsfähige Waschmaschinen, Herde und Co. Das „digitale Gehirn“ dieser Geräte hat seinen Ursprung in der Donaustadt. Künstliche Intelligenz steckt in der Steuerung, unterstützt die Entwicklung sowie zahlreiche Tests.

„Wir machen hier alles, was Software und KI betrifft“, sagt Bernhard Kobl, Leiter der Elektronikentwicklung. Moderne Hausgeräte haben immer mehr Funktionen, zugleich sollen sie leicht bedienbar sein. KI bringt dazu Verbesserungsvorschläge – schon in der Entwicklung, generiert Codes zur Steuerung, macht Testdurchläufe effizienter.

Täglich werden an dem Standort Unmengen an Daten durchgepflügt, der Freistaat unterstützt die KI-Projekte mit 3,3 Millionen Euro. Die fließen etwa in die Entwicklung eines sprechenden Backofens. Munter rasselt er Rezepte herunter, etwa „bayerischer Schweinsbraten Schritt für Schritt“, und wählt zudem das passende Programm.

Agco Fendt: Algorithmen unterstützen Aussaat und präzise Feldarbeiten

Wechsel auf den Acker, zu Agco Fendt, Hersteller von Landtechnik in Marktoberdorf. Auch hier wird gepflügt und gesät, mit Präzision und unterstützt von Algorithmen. Beim „Tech Day“ zeigte der Hersteller Technologien, die Landwirte unterstützen, für höhere Erträge und mehr Rentabilität – bei weniger Arbeitskraft. Etwa bei der Aussaat: KI erkennt und korrigiert Fehler bei der Saatgutablage, damit genau je ein Körnchen in die Erde fällt, im richtigen Abstand und in gleichmäßiger Tiefe, angepasst an die wechselnde Bodenbeschaffenheit.

Auch mechanische Unkrautbekämpfung erledigt KI. Der „RowPilot“ analysiert mittels neuronaler Netze blitzschnell Bilder während der Traktorfahrt (30 Aufnahmen pro Sekunde). Selbst wenn Pflanzen schief stehen, am Hang oder bei Wind, erkennt das System die Reihen. Zwei Zentimeter zu weit links? Kein Problem, das Steuergerät korrigiert, die Hydraulik verschiebt die Hacke. Pflänzchen gerettet, es kann weiterwachsen.

Allerdings: Für solche automatisierten Lösungen braucht es Bandbreite zum Datentransfer. Mitunter schwierig in ländlichen Regionen.

Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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