Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die IdeenExpo bietet jungen Menschen wie Muriel Groß die Möglichkeit zur praktischen Berufsorientierung.
- Groß schätzt an dem Event vor allem den direkten Austausch mit jungen Mitarbeitenden auf Augenhöhe.
- Heute macht sie ein duales BWL-Studium mit Ausbildung beim Autozulieferer ZF und möchte anderen Mut machen, Job-Klischees zu überwinden.
Wenn am 20. Juni die IdeenExpo auf dem Messegelände in Hannover öffnet, schließt sich für Muriel Groß ein Kreis. Die gebürtige Hannoveranerin kennt das alle zwei Jahre stattfindende Event seit ihrer Schulzeit. Als Schülerin des Erich-Kästner-Gymnasiums in Laatzen war sie jedes Mal mit ihrer Klasse dort. „Auch nach der Schule sind wir oft noch zusammen übers Gelände gegangen und haben Mitmach-Aktionen ausprobiert“, erinnert sich die heute 22-Jährige.
Besonders angetan hatte es ihr 2022 ein Rennsimulator am Stand des Autozulieferers ZF. „Ich weiß noch, dass ich in diesem Auto saß und um mich herum standen nur Jungs. Kein einziges Mädchen!“, sagt Groß. Gestört habe sie das nicht. „Ich liebte damals schon Autos und die Formel 1.“ Über den Rennsimulator kam sie ins Gespräch mit den ZF-Azubis und was sie hörte, klang überzeugend. So überzeugend, dass sie heute dual bei ZF studiert – und dieses Jahr selbst den IdeenExpo-Stand des Unternehmens mitbetreut.
IdeenExpo: Azubis begeistern nahezu Gleichaltrige
Spannende Mitmach-Aktionen und Gespräche auf Augenhöhe mit nahezu Gleichaltrigen: Dieses Konzept mache die IdeenExpo für die Berufsorientierung so wertvoll, sagt Muriel Groß heute. „Man kann im Internet sehr viel über einen Arbeitgeber googeln. Aber wenn man wirklich herausfinden möchte, wie ein Team tickt und ob der Job etwas für einen ist, muss man mit Menschen sprechen.“ Auf sie habe das ZF-Team damals sofort einen offenen, sympathischen und vor allem authentischen Eindruck gemacht, sagt Groß: „Und genau das bestätigt sich jetzt auch in meiner Ausbildung.“
Bevor Muriel Groß startete, sammelte sie erst noch einige internationale Erfahrungen. Nach dem Abi ging sie als Au-pair in die USA. Schon während der Schulzeit hatte sie an Austauschen teilgenommen, war unter anderem in Norwegen. Ein internationales Umfeld ist Groß wichtig – und ein weiterer Grund, warum sie sich nach ihrer Rückkehr aus New Jersey bei ZF bewarb. Heute, mit 22, studiert sie BWL in Vechta und lässt sich parallel am ZF-Standort Lemförde ausbilden, als Mitarbeiterin der Division Chassis Solutions.
Im Studium Theorie und Praxis verbinden
Ihr duales Studium ist aufgeteilt in Theorie- und Praxisphasen: Auf drei Monate an der Hochschule folgen drei im Betrieb. Dort durchläuft Groß unterschiedliche Abteilungen. Aktuell ist sie im Personalwesen. Ihr Schwerpunkt dort: Studierende, Auszubildende und Ausbildungsmessen.
Parallel zum dualen Studium macht Groß auch eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Wie es danach weitergeht, lässt sie bewusst offen. „Ich kann mir vorstellen, später international zu arbeiten, vielleicht auch für einige Zeit im Ausland“, sagt sie. Auch ein Masterstudium sei eine Option. Klar ist: „Ich möchte viel lernen, Verantwortung übernehmen und offen bleiben für Chancen, die sich ergeben.“
Dass sie nun ausgerechnet die IdeenExpo mitvorbereitet, ist für Groß etwas Besonderes. Gemeinsam mit ihrem Ausbildungsleiter Martin Waitz und Sven Spyra aus Hannover arbeitete sie an der Organisation des ZF-Stands. Auswahl und Vorbereitung der Exponate, technische Anforderungen wie Strom- oder Druckluftanschlüsse, Personalplanung, Abstimmung mit Studierenden und Auszubildenden, Fragen rund um Fahrzeuge und Anreise: „Es gibt so vieles, das man organisieren muss und woran man im ersten Moment gar nicht denkt“, sagt Groß.
Mut machen, sich von Rollenklischees zu befreien
In diesem Jahr gibt es für sie auch ein Wiedersehen mit dem Gerät, das sie einst an den ZF-Stand gelockt hat: dem Rennsimulator. Was sie sich für die vier Tage auf Europas größtem Technik-Event für Jugendliche vorgenommen hat? „Ich möchte jungen Menschen Mut machen, Fragen zu stellen und Dinge auszuprobieren“, sagt sie. Eines ist ihr besonders wichtig: „Ich will zeigen, dass man sich nicht von klischeehaften Rollenbildern leiten lassen sollte.“ Wer könnte diese Botschaft besser rüberbringen?

Am Stand der Metall- und Elektro-Industrie auf der IdeenExpo verschwimmen in diesem Jahr die Grenzen zwischen Mensch und Maschine: Auf 1.000 Quadratmetern tummeln sich humanoide Roboter und Tools mit künstlicher Intelligenz. Ein Überblick über die Themen der einzelnen Stationen:
- Roboterschwarm: Er wurde exklusiv für die IdeenExpo entwickelt und ist eines der „Must see“-Exponate des ganzen Events:der Roboterschwarm. Neun Industrieroboter agieren auf Basis eines neuronalen Netzwerks als kollektive Intelligenz, reagieren aufeinander und auf das Publikum.
- Telesteuerung: Wenn’s brenzlig wird oder besonderes Fingerspitzengefühl gefordert ist, können Roboter unsere Arbeit übernehmen. Mit der Telesteuerung lassen sie sich dann etwa in der Medizin, in der Raumfahrt oder in der Bombenentschärfung so präzise steuern, dass das Risiko minimal wird. Am Stand werden solche Anwendungsfälle erlebbar.
- Magic Mirror: Dieser Spiegel ist kein gewöhnlicher. Durch Echtzeit-KI wird jeder, der hineinschaut, verändert. So finden sich Besucher plötzlich in anderen Rollen, Stilen und sogar Identitäten wieder.
- „Vier gewinnt“: Wer traut sich, im Strategieduell „Vier gewinnt“ gegen den Roboter anzutreten? Das Exponat veranschaulicht auf spielerische Weise, wie algorithmische Entscheidungsprozesse in Echtzeit ablaufen.
- Schleudersitz: Wer in den Schleudersitz einsteigt, sollte auf jeden Fall schwindelfrei sein. Denn das Ziel dieses Gruppen-Exponats ist ein gemeinsamer 360-Grad-Loop. Neben einer Menge Spaß vermittelt es ein Gefühl für Beschleunigung und Rotation.
- VR-Schweißen: Auf einer Bohrinsel zu stehen und bei Wellengang eine Schweißnaht zu setzen, kann ganz schön herausfordernd sein. Aber mit etwas Geschick kann man diese Aufgabe beim virtuellen Schweißen mit der VR-Brille spielend meistern. Das Exponat wird auch in der echten Aus- und Weiterbildung eingesetzt.

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.
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