Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Eine gute Ausbildung in naturwissenschaftlich-technischen Fächern ist für viele moderne Berufsausbildungen essenziell.
  • Wissenschafts-Influencer wie Jacob Beautemps wollen Schüler mit Video-Formaten für solche MINT-Fächer begeistern.
  • Auch Unternehmen auf Nachwuchssuche können davon profitieren, wenn sie mit reichweitenstarken Youtubern zusammenarbeiten.

Mathe und Physik – für viele Schüler klingt das nach Stunden, die nicht vergehen wollen. Jacob Beautemps macht aus diesen Fächern ein Thema, das junge Menschen sogar freiwillig anklicken. Mit seinem Youtube-Kanal „Breaking Lab“ begeistert der promovierte Physiker und Wissenschafts-Influencer Hunderttausende für Naturwissenschaften und Technik. Im Juni steht er bei der IdeenExpo auf der Bühne. aktiv hat den 32-Jährigen vorab interviewt.

Herr Beautemps, Ihr Youtube-Kanal „Breaking Lab“ hat fast 730.000 Follower. Warum funktioniert Wissenschaft bei Ihnen so gut?

Wahrscheinlich, weil ich selbst fasziniert von den Themen bin, über die ich spreche – und weil ich mich ständig mit Innovationen beschäftige. Das macht Spaß und schafft Hoffnung, gerade in einer Zeit, die viele als belastend empfinden. Ich finde, wir erzählen in Deutschland zu selten positive Geschichten. Fortschritt und spannende Erfindungen finden kaum Beachtung. Genau das will ich mit „Breaking Lab“ ändern. Gleichzeitig muss hinter den Inhalten Substanz stecken. Ich arbeite mit transparenten Quellen und stehe mit meinem Namen und Gesicht dafür ein. Das kommt offenbar gut an.

Geht es Ihren Zuschauern also weniger um den Wissensgewinn als vielmehr um Emotionen?

Es ist eine Kombination aus beidem und genau darin liegt gute Wissenschaftskommunikation. Natürlich geht es um Inhalte. Aber wir alle wissen, wie langweilig Themen sind, wenn sie trocken vermittelt werden. Wenn ich erklären kann, warum etwas für mich persönlich relevant ist, entsteht Interesse.

„Wir Menschen wollen Sinn in unserer Arbeit finden“

Jacob Beautemps, Youtuber

Wollten Sie deshalb ursprünglich Lehrer werden?

Das ist auf jeden Fall einer der Gründe. Mich hat die Idee gereizt, junge Menschen zu begleiten und positiv auf ihr Leben einzuwirken. Dass ich Physik studiert habe, war kein Zufall: Gerade dieses Fach hilft dabei, Zusammenhänge zu verstehen, Dinge kritisch zu hinterfragen und einzuordnen.

Merken Sie eigentlich, was Ihre Arbeit bei jungen Menschen auslöst?

Ja, auf jeden Fall! Vor Kurzem kam nach einem Vortrag ein Mann zu mir und sagte: „Ich kenne Sie eigentlich gar nicht, aber ich möchte mich bedanken. Mein Sohn hat durch Ihre Videos angefangen, Maschinenbau zu studieren.“ Das hat mich sehr beeindruckt, weil es völlig ungefiltert kam. Ähnliches erlebe ich auch abseits der Bühne – wenn ich Start-ups oder Forschungszentren besuche, treffe ich immer wieder junge Leute, die mir sagen: „Ich habe ein Video von dir gesehen und fand das Thema so spannend, dass ich mich hier beworben habe.“

Wo funktioniert Wissensvermittlung besser – live oder im Netz?

Ganz klar live. Videos haben ihre Stärken, wenn es um komplexe Themen und Animationen geht. Aber auf der Bühne sieht man sofort, was bei den Leuten ankommt. Oft wird gesagt, junge Menschen ließen sich kaum für Naturwissenschaften begeistern. Ich mache die gegenteilige Erfahrung. Die IdeenExpo zeigt das jedes Mal: Schüler aus allen Schulformen machen mit, kommen auf die Bühne und beteiligen sich an Experimenten.

Ist das nicht auch eine Aufgabe für Unternehmen: Zeigen, was junge Menschen im Job bewegen können?

Hundertprozentig. Junge Menschen wollen wissen, was sie mit ihrer Arbeit bewirken. Wenn Unternehmen das glaubwürdig zeigen, wirkt das oft stärker als materielle Anreize. Das gilt übrigens auch für den Standort: Unternehmen auf dem Land klagen oft, sie finden keinen Nachwuchs. Aber wenn ich das Gefühl habe, spannende Zukunftsthemen mitzugestalten, in einem guten Team zu arbeiten und wirklich etwas zu verändern – dann wird der Ort oft zweitrangig. Schließlich wollen wir Menschen ja einen Sinn im Leben und in unserer Arbeit finden.

Was raten Sie Firmen, die Fachkräfte von sich begeistern wollen?

Am Ende geht es nie darum, eine Liste mit Vorteilen zu präsentieren. Und man muss auch nicht gleich einen eigenen Youtube-Kanal gründen. Klüger ist es, mit Menschen und Medien zusammenzuarbeiten, die bereits eine gewisse Reichweite haben. Manchmal reicht eine einzige, gut erzählte Geschichte, um enorme Aufmerksamkeit zu erregen.

IdeenExpo 2026

Vom 20. bis 28. Juni lautet das Motto auf dem Messegelände in Hannover wieder: „Mach doch einfach!“ Dann öffnet die IdeenExpo 2026 ihre Pforten: Europas größtes Jugend-Festival für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Es gibt viele Mitmach-Events, Konzerte und Social-Media-Stars. Der Eintritt ist frei. Alle Infos unter ideenexpo.de

Isabel Link
Autorin

Isabel Link liebt es, die Geschichten hinter den Nachrichten zu erzählen. Sie hat Politikwissenschaften studiert und später unter anderem bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) als Redakteurin gearbeitet, bevor sie zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall gewechselt ist. Seitdem zeigt sie in Reportagen und Interviews, wie vielfältig und lebensnah die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie ist. In ihrer Freizeit trifft man sie selten ohne einen Roman in der Tasche.

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