Das Wichtigste auf eine Blick:
- Karrieren nehmen oft Umwege: Auch Vanessa Martens hat ihre in einer anderen Branche und Position begonnen.
- Nach einem Studium von Medienkommunikation und Journalismus startete sie zunächst beim Radio.
- Zwei Studienabschlüsse später arbeitet die 35-Jährige heute beim Schiffsgetriebehersteller Reintjes als Personalleiterin.
Um sich seine Träume zu erfüllen, braucht es Mut. Und manchmal dauert es eine ganze Weile, bis man genug davon gesammelt hat. Bei Vanessa Martens sind mehr als 15 Jahre vergangen, bis sie sich endlich für das Studienfach einschrieb, für das sie schon seit ihrer Jugend brennt: Jura. Dabei ist Martens grundsätzlich eine mutige Frau. Und eine, die von Neugier, Freude an Veränderung und einem klaren Wertekompass angetrieben wird. Dieser Mischung ist es zu verdanken, dass sie heute als Teil des Managementteams für das gesamte Personal beim Schiffsgetriebehersteller Reintjes in Hameln verantwortlich ist – und das in Teilzeit.
Martens startete in der Kommunikation
Als die heute 35-Jährige nach dem Abitur an die Uni ging, hatte sie noch einen ganz anderen Karriereweg vor Augen. Aufgewachsen in Herford in Ostwestfalen, entschied Martens sich zunächst für ein Studium in Medienkommunikation und Journalismus. „Kommunikation ist irgendwie immer meins gewesen“, sagt sie.
„Die Aufgabe hat mir gezeigt, dass ich perspektivisch mehr möchte“
Vanessa Martens, Personalleiterin bei Reintjes
Erste Praxiserfahrungen sammelte sie beim Radio, moderierte Beiträge, arbeitete als freie Mitarbeiterin und lernte früh, Inhalte verständlich und zielgerichtet zu vermitteln.Doch der Wunsch nach Sicherheit und Perspektive führte sie schließlich raus aus dem Journalismus. Erst in eine Werbeagentur, dann in die Unternehmenskommunikation von Reintjes. Dort begann sie als Pressesprecherin, bis 2015 Klaus Deleroi Geschäftsführer wurde und sie fragte, ob sie ihm zusätzlich als Assistentin zuarbeiten könne.
„Es gab damals noch eine Sekretärin für administrative Aufgaben. Ich war für inhaltliche Themen zuständig und das war ein Riesenglück, denn dadurch konnte ich das ganze Unternehmen intensiv kennenlernen“, erinnert sich Martens. „Aber die Aufgabe hat mir auch gezeigt, dass ich perspektivisch mehr möchte als assistieren.“
Lebenslanges Lernen
Erst die Digitalisierung, jetzt die künstliche Intelligenz: Es gibt Technologien, die binnen weniger Jahre ganze Industrien verändern. Das verlangt auch Beschäftigten viel Veränderungsbereitschaft ab. Dafür nötig ist der Wille, sich andauernd weiterzubilden – quasi ein lebenslanges Lernen. Das Konzept dazu wurde schon in den 1990er Jahren entwickelt. Es geht davon aus, dass in Zeiten rasanten Wandels nicht mehr Bildungsinstitutionen oder der Staat dafür verantwortlich sein können, Erwachsene weiterzubilden. Sondern jeder Mensch selbst dafür sorgen muss. 1996 rief die Europäische Union dazu erstmals ein „Jahr des lebensbegleitenden Lernens“ aus. Heute ist lebenslanges Lernen „weit mehr als ein Trend – es ist eine grundlegende Notwendigkeit, um in einer sich ständig verändernden Welt erfolgreich zu sein“, wie es auf der Website des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Mittelstand-Digital Zentrums heißt.
Nach dem MBA-Studium wechselte sie in die Vertriebsleitung
Mit Unterstützung der Firma ging sie noch einmal an die Uni, studierte in Hameln berufsbegleitend General Management und erwarb den Master of Business Administration. Dann wurde ihr Kind geboren. Nach der Babypause kehrte sie zu Reintjes zurück, in Teilzeit und nicht in ihre alte Rolle. Zusammen mit einem langjährigen Kollegen bildete sie die neue Doppelspitze in der Leitung des Vertriebs.
Eine Konstellation, die sehr gut funktionierte, weil beide Führungskräfte unterschiedliche Stärken mitbrachten: „Er war fachlich ein Ass und für seine langjährige Erfahrung geschätzt“, beschreibt Martens ihren damaligen Tandempartner. Führung im klassischen Sinne habe ihm jedoch weniger gelegen. Kommunikation und Prozessoptimierung waren allerdings die Bereiche, in denen Martens ihre Expertise einbringen konnte.
Gemeinsam entwickelten sie die Abteilung weiter und führten feste Routinen wie tägliche Stand-up-Meetings ein, die bis heute Bestand haben. Aber dann ging der Teampartner in Rente. „Da habe ich mich erneut mit der Frage beschäftigt, was ich eigentlich will“, erzählt Martens. Und der alte Traum vom Jurastudium kam wieder an die Oberfläche. Sie recherchierte, fand Kurse rund um das Thema Arbeitsrecht und kam zu der Entscheidung: „Bevor ich fünf einzelne Seminare mache, studiere ich lieber noch einmal richtig.“
Ihr drittes Studium absolvierte sie in der Hälfte der üblichen Zeit
An der Privaten Hochschule Göttingen fand sie den digitalen Masterstudiengang „Personalmanagement & Arbeitsrecht“, der sich mit ihrem Familienleben vereinbaren ließ – und schrieb sich ein. „Das war gewagt, denn mein Chef wusste noch nichts davon“, sagt Martens. Aber andernfalls wäre die Anmeldefrist verstrichen. „Zu meinem Glück hat sich Herr Deleroi in unserem Gespräch wenig später über meine Entscheidung gefreut und mir direkt seine Unterstützung zugesagt.“
Die brauchte Martens auch, denn für das Studium musste sie sich beurlauben lassen. Und einen Zuschuss wie beim MBA-Studium bekam sie natürlich auch nicht mehr. „Damit ich in dieser Zeit nicht mittellos dastehe, habe ich ein Darlehen aufgenommen, das ich jetzt mit meinem Teilzeitgehalt abstottere“, erzählt sie. Eigentlich ist der Studiengang auf zwei Jahre angelegt, doch durch die Anerkennung von Modulen aus dem MBA-Studium, mit Selbstdisziplin und klarer Priorisierung machte Martens den Abschluss in der Hälfte der Zeit. „Von Anfang an war klar: Ich muss den Master of Laws in einem Jahr schaffen. So hatte ich es bei Reintjes zugesagt.“
Heute verantwortet Martens unter anderem die Personalabteilung, die Arbeitssicherheit und die externe Reintjes Academy. Ihr Alltag ist geprägt von Mitarbeitergesprächen, Entscheidungen und Abstimmungen mit anderen Führungskräften, Betriebsrat und der Geschäftsführung.
Gleichzeitig verfolgt sie den Anspruch, HR strategisch weiterzuentwickeln – auch wenn das Tagesgeschäft dafür oft wenig Raum lässt. Doch Martens ist flexibel: Sie arbeitet 30 Stunden pro Woche, pendelt zwischen Herford und Hameln und bringt täglich Familie und Karriere unter einen Hut. „Natürlich ist es stressig. Aber Herausforderungen mochte ich schon immer.“
Zum Unternehmen
- Die Reintjes Powertrain Solutions entwickelt und fertigt in Hameln maßgeschneiderte Getriebe für alle Schiffstypen, vor allem für Jachten, Fähren und Arbeitsschiffe.
- Gegründet wurde das Unternehmen 1879 von Theodor Reintjes in Emmerich am Rhein, ursprünglich als mechanische Werkstatt.1940 verlagerte die Familie das Unternehmen ins niedersächsische Wagenfeld, seit 1955 ist der Firmensitz Hameln.
- Heute hat Reintjes weltweit 50 Standorte und mehr als 500 Beschäftigte.






