Berlin. In Deutschlands Schlüsselbranche zeichnet sich die härteste Tarifrunde seit langem ab. Denn einerseits müssen viele Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) in der nächsten Zeit erhebliche Investitionen stemmen, um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern – bekannte Stichworte: Industrie 4.0 und Digitalisierung, Elektroauto und autonomes Fahren. Andererseits will die Gewerkschaft IG Metall offenbar mit einer zweiteiligen Forderung in die Verhandlungen ziehen, die unter dem Strich dramatisch höheren Lohnkosten entsprechen würde.

Da ist erstens die Rede von „um die 6 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten“, wie es zum Beispiel der IG-Metall-Bezirk Mitte kürzlich vorgetragen hatte. Angesichts einer jährlichen Teuerung, die laut Prognosen 2017 wie auch 2018 unter 2 Prozent liegen dürfte, und einem Produktivitätszuwachs, den selbst das gewerkschaftseigene Forschungsinstitut IMK für 2017 auf gerade einmal 0,5 Prozent schätzt, fällt Beobachtern auf: Von ihrem eigenen klassischen Maßstab „Inflation plus Produktivitätswachstum“ hält die Gewerkschaft offenbar nicht mehr viel.

Arbeitgeber warnen: 28-Stunden-Woche wäre unnötig, ungerecht – und gefährlich

Und da ist zweitens die schwer durchzurechnende, aber jedenfalls massive Belastung durch einen neuen Anspruch auf „verkürzte Vollzeit“, den die IG Metall durchsetzen will. Nach ihren Vorstellungen soll jeder Tarifbeschäftigte seine Arbeitszeit zeitweise auf bis zu 28 Stunden reduzieren können – und das zum Teil auch noch mit einem „Entgeltzuschuss“ für alle möglichen Gruppen. Wer zum Beispiel Kinder erzieht, Eltern pflegt oder Schicht arbeitet, würde also beispielsweise für 80 Prozent Arbeit rund 90 Prozent Lohn erhalten.

Aus Sicht der Arbeitgeber ist das unnötig, ungerecht – und gefährlich.

Unnötig, weil es für alle möglichen privaten Bedürfnisse schon längst gesetzliche Sonderformen gibt: Elternzeit zum Beispiel, Pflegezeit, Altersteilzeit (Letztere wird übrigens bei M+E noch bis 2021 tariflich gefördert).

Ungerecht, weil der angepeilte Lohnzuschuss letztlich bedeuten würde: Wer verkürzte Vollzeit macht, wird pro Stunde besser bezahlt als ein ganz normal arbeitender Kollege.

Und gefährlich, weil jede Stunde, die weniger gearbeitet wird, den Betrieben schmerzlich fehlt. Über den Personalmangel speziell bei M+E-Fachkräften hat AKTIV ja schon berichtet (zum Nachlesen).

Der Tarifvertrag läuft Ende des Jahres aus; erstmals verhandelt wird Mitte November.