Berlin. Das Tempo ist atemberaubend. Im Dezember 2019 erkrankten erste Menschen an Corona – inzwischen gibt es weltweit schon 183 Entwicklungsprojekte für Impfstoffe gegen das neue Virus. Und sechs davon sind bereits in der dritten, entscheidenden Phase der Erprobung mit Freiwilligen, darunter ein Präparat des Mainzer Unternehmens Biontech.

„Noch nie in der Geschichte ging die Impfstoffentwicklung so schnell! Und noch nie gab es so viele Projekte für eine einzelne Krankheit“, erklärt Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Dank neuer Technologien dauere die Entwicklung statt früher 15 Jahre nur noch Monate. „Wir sehen sehr gute Chancen, dass 2021 die ersten Menschen gegen Corona geimpft werden können“, unterstreicht Hömke.

Ein nicht gründlich genug geprüftes Impfstoff-Präparat kann fatale Folgen haben

Eine gründliche Erprobung neuer Impfstoffe braucht aber einfach ihre Zeit, so der Experte weiter. Schon nach wenigen Tests ein Präparat zuzulassen, wie kürzlich in Russland geschehen, sei sehr riskant. Schließlich werden dann Millionen Menschen geimpft: „Ein nicht gründlich genug geprüfter Impfstoff kann sich zum Beispiel als zu schwach erweisen. Oder eben doch problematische Nebenwirkungen haben – mit fatalen Folgen.“

Professor Klaus Cichutek, Präsident der deutschen Zulassungsbehörde Paul-Ehrlich-Institut, betont daher: „Auch in der aktuellen Pandemiesituation ist es zwingend erforderlich, dass alle Prüfungen und Bewertungen mit der gleichen Sorgfalt erfolgen wie sonst auch.“

Dazu muss man wissen, dass die klinischen Tests aufeinander aufbauen. In der ersten Phase checken die Forscher bei 10 bis 30 Probanden, ob der Impfstoff grundsätzlich verträglich ist. In Phase zwei untersuchen sie bei 50 bis 500 Personen, wie deren Immunsystem reagiert, wie man das Mittel am besten dosiert und ob man ein- oder besser zweimal spritzen muss. In der dritten Phase kommt der eigentliche Härtetest.

„Dann erst zeigt sich, ob ein Impfstoff zweifelsfrei schützt. Dazu impft man mehrere Tausend Freiwillige, die sich in ihrem Umfeld mit dem Virus infizieren können“, erklärt Hömke. In Sachen Corona wird daher bevorzugt in Brasilien, Argentinien und den USA getestet. Etwa die Hälfte der Personen erhält ein Placebo (also eine Impfung ohne Wirkstoff). Monatelang beobachten die Mediziner nun: Wie viele Menschen werden noch krank? Und vor allem: Gibt es dabei einen klaren Unterschied zwischen den mit dem Placebo und den echt mit dem neuen Stoff Geimpften?

Die Entwicklung eines Impfstoffs kostet Hunderte Millionen Euro

In dieser letzten, dritten Testphase sind neben dem Impfstoff von Biontech drei chinesische Präparate, ein Mittel des britischen Konzerns Astrazeneca und eines der US-Firma Moderna. Die Tübinger Firma Curevac, die ja für Schlagzeilen gesorgt hat, bereitet gerade die Phase zwei vor.

Biontech will 2020 die amtliche Zulassung des Impfstoffs beantragen, ebenso Astrazeneca. Schon bis hierhin kostet eine solche Entwicklung einige Hundert Millionen Euro! Finanziert werden muss dann noch die Produktionskapazität. Biontech und Partner Pfizer wollen bis Ende 2021 rund 1,3 Milliarden Impfdosen herstellen.